Review

Offensichtlich inspiriert und angespornt von Joseph Wambaughs Die Chorknaben bzw. der entsprechenden Verfilmung durch Robert Aldrich Ende der Siebziger entwickelte Co-Autor Danny Lee, der sich seit jeher als Fürsprecher der Polizei und personifizierte Verkörperung eines Gesetzeshüters sieht und seine Karriere weitgehend nach diesem Credo ausgerichtet hat, in seiner dritten Regiearbeit im Grunde genommen dieselbe Modalität. Auch in Oh, My Cops!, der zwei Jahre später mit einem Teil der Besetzung, zumindest der Übernahme der zwei hauptsächlichen Protagonisten in Cop Busters in allerdings anderer filmischer Richtung fortgesetzt wurde, lässt sich die Handlungsweise eines mit aufdringlich grellen Individuen vollgestopften Sittenbildnis vorfinden, dort freilich auch abseits der Schilderung charakteristischer Alltagsszenen zusammengepfercht auf einem für den polternden Krach viel zu kleinem Revier.

Die weitgehend von theoretischen Zugänge und empirischen Problemlagen abgeriegelte Geschichte folgt nur wenig einem einheitlichen Rhythmus, sondern wird in zuweilen ohrenbetäubender, durch die stetig unüberhörbare Anspannung fast schon Kopfschmerzen auslösender Weise mit vermeintlich skurrilen Ideen, massig sich überschneidenden, parallelen, repetierenden Anekdoten und einem eher brachial angesetzten Humor aufgefüttert. Oft viel Lärm um Nichts und manchmal auch viel zu viel Tumult des Guten darf man der frivol angehauchten Gedankensammlung als Essayband voll schlagender Antworten immerhin bescheinigen, dass die Übersicht über all das Auf- und Abwogen der aufgebrachten Menge und ihrem angepeitscht hitzigen Durcheinanderdiskutieren und -lamentieren trotz eher ungeordneter Besetzung, vortäuschender Bedeutsamkeit und verwinkelter subplot Storypfade durchaus bewahrt wird:

Die beiden Polizisten Porky [ Kent Cheng ] und Big Mouth [ Wong Ching ] kennen sich seit der Grundschule, wohnen auch seit zehn Jahren zusammen und teilen sich ebenfalls das Auto. Als sie gemeinsam eine chinesische Räuberbande stellen und bis auf den Flüchtling Luk Kim Ming [ Jamie Luk ] auch alle entweder zu fassen kriegen oder gleich über den Jordan schießen, wird Porky vom Station O.C. [ Danny Lee ] zum Sergeant befördert, sehr zum Leidwesen seines nunmehr mindergestellten, auf dem Rang eines Detective verbliebenen und entsprechend angegrätzten Freundes. Hinzukommt der Ärger mit Det. Rocky [ Lung Tin-Sang ], der noch gesteigert wird, als Big Mouth nicht ganz ohne Indizien dessen Schwester Margaret [ Pat Ha ] als Prostituierte verfolgt. Während Sergeant Chiu Kau [ Stanley Fung ] die Hitzköpfe inklusive Det. Gambler Mok [ Liu Wai-Hung ] auf den Zuhälter Boby [ Law Ho-Kai ], nach außen hin Betreiber einer Modelagentur schickt, und sie während diverser Bordellrazzien wiederum auch auf den schießwütigen Festlandgauner stoßen, bekommt Porkys mit Hehlerware dealender Leibmechaniker K.K. [ Parkman Wong ] Ärger mit den Lumpen Nut [ Shing Fui-On ].

Das auf den ersten Blick verworrend gellende Dreinschlagen mit Worten und Taten, mit Fäusten und Waffen kann sich dennoch nicht rühmen, die Schilderung des alltäglichen und dadurch zur Normalität gewordenen Wahnsinns wie sein Vorbild umgesetzt zu haben, dazu fehlt sowohl das Anliegen einer Aussage überhaupt dahinter, das Vorbringen intensiver Charakterisierungen und vor allem der gewisse politisch brisante Fahrplan, der aus dem chaosartigen Heidenspektakel eine Kritik an Missständen, polizeiintern und/oder gesellschaftlich, destillieren kann oder dies wenigstens versuchen möchte. Lees ungedämpft schrille Regie verstößt eher gegen erzählerische statt moralische Tabus, bezieht sich zwar zuweilen auch auf das Hervorbrechen des blutigen Ernstes aus bisherigem Spaß, schafft manche Momente von bissigem Humor mitsamt der Einbeziehung immerhin als zeitgenössisch zu bezeichnender Elemente [Geldnot, Unterbesetzung, Überlastung, Pensionsängste, niedere Dienstmoral, Frustration, Streßabbau, Polizeibrutalität etc.], überzieht dies aber nur mit der Ungewissheit abweichender Gepflogenheiten und nicht dem realistischen Rechercheduktus von Wambaugh + Aldrich. Vielmehr wird die Irrbarkeit vom Freund und Helfer immer mit entweder einem verschmitzten Auge, der exzessiv verstiegenen Posse der fest verschworenen Gemeinschaft des Blauen Ritters, polemisch närrischer Spitzfindigkeiten oder auch dem "Alles halb so wild" Wink als verderbliche Gewohnheitssünden im lokalen männerbündischen Zusammenhalt abgetan. Und die letztliche Unberechenbarkeit des Gesetzeshüters schon deswegen proklamiert und propagiert, weil selbst die ungewöhnlichen bis illegalen Methoden gegenüber dem wahren Verbrecher in traditioneller law and order Absolution immer zu dem gewünschten Erfolg führen.

Lee, der sicherlich mitnichten eine umstürzlerische Dekonstruktion seiner geliebten Phantasievorstellung der Neuen Zenturionen in Angriff nehmen, sondern eher die Konventionen des Genres mit gehöriger Dosis humoristischer Ruhestörung in launiger Zusammenstellung überwinden wollte und trotz aller Widrigkeiten innerhalb der patriarchalen, der maskulistischen Arena auch immer das Gemeinsamkeitsbewußtsein der Gleichgearteten und seine Tendenz zum monopolistischen Absch[l]uss beschwört, stolpert dabei am schmalen Grad zwischen Verharmlosung und Verherrlichung und gegenseitiger Anziehung oder Abstoßung. Seine vorgeführten Anarcho-Episoden, die sich im Kreislauf um Spielsucht, Zukunftsträume, die spontane Abwehrhaltung gegen jede Veränderung und besonders gegen die britischen Vorgesetzten sowie den Spitzeln des ICAC drehen und am Ende der Machtspiele fast im selbstmörderischen Amoklauf münden, sind weder rational versachlicht noch Provokation, Persiflage, Groteske oder Satire genug, um über die Tiefschwärze von Verspottung oder Zynismus sicher auf den rettenden Grund eines sarkastischen Kabaretts zu gelangen. Über bleibt da nur die flegelhaft frotzelnde Schelmerei einer rein belustigend wirken wollenden, finanziell überraschend erfolgreichen Actionkomödie, mit der schroffen Dramaturgie einer reichlich planlosen und ebenso unverbindlichen Häppchen-Verkostung.

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