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Das Einzige, was vom als anführenden Schrittmacher proklamierten Oh! My Cops [ 1983 ] in dieser vermeintlichen Fortsetzung wirklich über geblieben ist, lässt sich schon nach wenigen Minuten der Eröffnung und erst recht nach Bekanntgabe aller Fakten eigentlich an einer Hand abzählen. Da wären Regisseur Danny Lee, der nach dem vorhergehenden schon überdimensionalen Erfolg [ das damalige Einspiel von beinahe 22 Mio HKD hat schon fast Aces Go Places II Werte ] erneut Platz auf dem Regiestuhl nahm und auch die beiden Protagonisten Kent Cheng und Wong Ching abermals als odd couple zum Rapport rief. Ausserdem steht neben der heimischen Junggesellenbude der beiden Einspänner wiederum das Polizeirevier als nahezu einziger weiterer Schauplatz für allerlei Dispute und Gekeife zur Verfügung.

Allerdings legt man es diesmal so überhaupt nicht auf einen destruktiven, wenn auch im extremistisch überspannten Sinn zum sprichwörtlichen Beben gebrachten Anarchoklamauk mit viel Platz für ungezügelte Heiterkeit an und gestattet den zahlreich anwesenden Gesetzeshüter auch nicht Hang und Drang zur – liebgemeinten, aber willkürlichen, und auch eher zügellosen – Kriminalität im Anklang an Joseph Wambaugh zu; sondern inszeniert die Einheit Freund und Helfer als vielmehr eine duchweg sympathische Chaotentruppe. Die vielleicht auch ihre kleinen Fehler, aber sicherlich kein Laster und schon gar nicht die Untugend in sich haben, den Dienst sogar gerne auch in der Erfüllung ihrer Pflichten erledigen und selbst im Privatleben noch den Pfad von Einsatz- und Opferbereitschaft beschreiten. Und wird da, trotz des zeitlichen, örtlichen und moralischen Abstandes zum Amtsvorgänger nicht gleich umgekehrt ein Schuh draus, stellt man sich nicht als seitenverkehrtes Spiegelbild zur dortig bodenlos impertinenten Rüpelhaftigkeit dar, wo die Erlebnisse von gestern in der Empfindung von heute aufbereitet werden, sondern erzählt ganz einfach eine komplett andere Geschichte, mit anderen Figuren, nur in Teilen demselben Personal in der Besetzung.

Diesmal ist Alles eine Reihe zugänglicher, das Vergnügen unbeschwerter, eine konkludente Aussage, eine interpretierbare oder gar etwaige ausgesprochene Kritik an den Verhältnissen gänzlich unsichtbar; der Film eine unbedarfte Einladung der Teilnahme an den Erlebnissen zweier Polizisten, die Arbeit und irgendwie auch das Bett miteinander teilen und ihr Leben wie eng verschweißt fern jedes angespannten Verhältnisses verbringen. Das ist nicht nur auf Dauer gängiges Material, lebt dabei auch nur von der salonfähigen Harmlosigkeit, der offenherzigen Gute - Laune - Struktur, dem schlichtweg treuherzigen Versuch, das Publikum für nicht ganz 90min in kurzweiliger Plauderei im Zusammenhang mit einer unschuldigen Männerfreundschaft die sowohl lockere Aufmerksamkeit als auch die saloppe Ablenkung vom Alltag zu bieten. Eine Welt zu zeichnen, die wohlbekannt und irreal zugleich ist, zwar aussieht wie von Hier und Heute, aber nicht nur in der Entkrampfung der Männlichkeit bloß in der losgelösten Phantasie existiert. Eine Botschaft ohne intensive Überzeugungsarbeit, aber trotzdem mit ganz viel Überredungskraft:

Big Bear [ Kent Cheng ] und Big Mouth [ Wong Ching ], Waisen, seit 30 Jahren miteinander aufgewachsen und überaus eng befreundet, dienen als Motorradpolizisten in HK; wo sie außer Verkehrsangelegenheiten regeln und den Tag mit kleineren Aufgaben herumbringen allerdings keine großartige Funktion haben. Als sie ihrem Ziehvater und direktem Vorgesetzten Richard Yang [ Peter Yang Kwan ] mit allerlei Missgeschicken den Etat zu sehr kürzen und außerdem die nahestehende Pension gefährden, bleibt diesem nach mehrfachen Zurechtweisungen keine andere Wahl mehr, als die beiden Nichtsnutze zur reviereigenen Reperaturstätte nebst Abschleppservice zu versetzen. Das erste überführte Auto birgt natürlich gleich das nächste Malheur in sich. Nicht nur, dass das Kennzeichen verwechselt wurde, auch befindet sich im fälschlicherweise beschlagnahmten Wagen die kleine achtjährige Bun [ Cynthia Lee ], die ihre Eltern bei einer Bootsüberfahrt verloren hat und nun allein in der Großstadt ist. Bis die Single die einzige noch verbliebene Verwandte, die fesche Tante Mary [ Elaine Kam ] aufspüren, nehmen sie das Mädchen als "Mami" und "Papi" bei sich auf.

Trotz aller Möglichkeiten, die Geschichte wenigstens ein bisschen in Richtung eventuellem Krimiplot samt einer anfänglichen Verwirrung und später folgenden Entwirrung aufzuziehen und ein Mysterium bezüglich der aufgefundenen, sich lange Zeit auch als stumm gebenden Person zu lancieren, wird diese Entscheidung nie auch nur ansatzweise getroffen und der Zuschauer weder detektivisch zur aktiven Mitarbeit an Verwicklungen und Auflösungen noch einer passiven Komplizenschaft aufgefordert. Teilnehmen darf man dafür an episodenhaften, zwischen Immobilität und Flexibilität wechselnden, mit eingebauter Wiederholungsfunktion ausgestatteten Sketchen um diverse Pleiten, Pech und Pannen - Aktionen, allesamt auf das Thema vom Kind im Manne gemünzt. Nebensächliches, mit überlegter Nachlässigkeit bearbeitet. Schildbürgerstreiche wider besseren Wissens, bei dem das Schicksal oftmals Schabernack mit den beiden Unglücksmenschen treibt [ zerrissene Hosen, zerstörte Motorräder, cholerische Kollegen ], sie durchaus auch in Notlagen bringt [ Schlange im Auto ], aber es natürlich nie zu einer ernsthaften Gefahr oder gar der Katastrophe kommen lässt.

Die ursprünglich sympathischen Leidensgenossen der unzeremoniell gespielten Zwischenszenen sind dabei klar in ihrer Position verteilt; so steht überraschenderweise von vornherein sowohl außer Frage, dass man mit der Aufnahme des Kindes Schritt Zwei in der Beziehung eingeht als auch, Wer welche Rolle in der Gleichberechtigung der nunmehrigen Kleinfamilie einnimmt. Nicht nur, dass Big Mouth von sich aus die Mutter ist, er baut sich sogar ein Nest für die Aufzucht und da Big Bear weiterhin ledig bleiben und die Freiheit genießen möchte, sucht er sich mit der hinzukommenden Mary eben eine neue Lebensgefährtin. Sehr zum Unwillen des keine Veränderungen oder Bindungen eingehen Wollenden und damit auf das soziale Abstellgleis Geschassten. Eine Nichtübereinstimmung, die sich über dem normal zeternden Wortgefecht schnell zum handfesten Ehekrach ausweitet und schließlich in das Finale einer erhitzten Aussprache auf einem Häuserdach ausartet, bei Dem Jeder der Beiden dem Anderen seine Verfehlungen vorhält, seine eigenen "Entbehrungen" lobpreist – "staying together while being accused as a queer" – und androht, sich aus zusätzlich auch diversen weiteren Enttäuschungen des Lebens hinaus den suizidalen Sprung die Straße hinab anzutun.

Übrigens das erste und einzige Mal in der ziemlich actionresistenten Geschichte, dass neben dem Menschenauflauf auch ein Polizeiaufgebot aufgefahren wird. Ansonsten wird die Arbeit ziemlich vernachlässigt, sieht aber vom Verhältnis her ähnlich aus: Der Eine macht dann etwas Falsch, wenn er betriebsam etwas tun will. Der Andere, wenn er sich lieber aus Allem raushalten möchte.

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