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Staffel 1

Es gehört zum Alltag einer kleinen belgischen Sondereinheit, bizarre Verbrechen aufzuklären, und so ist das Quartett um den altgedienten Peter Devriendt (Dirk van Dijck) auch nicht sonderlich verwundert, als sich bei den Ermittlungen um eine junge Türkin, der die Kehle durchgeschnitten wurde, deren extra angereister Onkel als Täter herausstellt. Daß dieser jedoch kurz darauf niedergeschlagen, angezündet und gleich darauf wieder gelöscht wird, ist den Ermittlern allerdings neu - auch, daß am Tatort ein Graffiti mit einem biblischen Gebot hinterlassen wurde. Es soll nicht das letzte sein, denn innerhalb kurzer Zeit geschieht der nächste Anschlag, bei welchem der oder die Täter wieder ein solches Zitat hinterlassen - weitere werden folgen.
Inzwischen hat auch die Presse davon Wind bekommen und tauft den unbekannten Rächer Moses, einen Namen, den die Sondereinheit wohl oder übel ebenfalls übernimmt, tappt sie bei ihren Ermittlungen doch vollkommen im Dunklen.
Dezernatsleiterin Liesbet Dujardin (Karlijn Sileghem) muß ständig zwischen öffentlichen Verlautbarungen und den sehr vagen Spuren ihres ermittelnden Teams hin- und herjonglieren, doch weder Peter noch die neu hinzugestoßene junge Vicky Degraeve (Marie Vinck) haben einen konkreten Tatverdacht, wer dieser Moses, der das Gesetz in die eigene Hand nimmt, sein könnte. Erschwerend hinzu kommt das auch in Belgien bekannte sogenannte gesunde Volksempfinden, das dem brutalen Vigilanten in kürzester Zeit einen gewaltigen Popularitätsschub verschafft: plötzlich ist Moses Thema in Talkshows, und eine christliche Sekte spricht sich gar ganz offen für seine Taten aus. Als Moses einem Bankdirektor die Beine mit Pflastersteinen zerschmettert und zur Rechtfertigung ein Video ins Netz stellt, das diesen beim gemeinschaftlichen Mißbrauch einer Minderjährigen zeigt, kocht die Volksseele über: noch bevor die Polizei einen weiteren, bislang unbekannten Kinderschänder aus dem Video festnehmen kann, taucht der Mob vor dessen Haus auf...
 
Mit einigen spektakulären Aktionen, die entfernt an Finchers 1995er Meilenstein Se7en erinnern, beginnt die belgische Serie 13 Geboden durchaus vielversprechend, flacht dann aber zusehends ab und verzettelt sich immer mehr in persönlichen Dramen der Hauptdarsteller, die nicht viel zur Lösung der Fälle beitragen. Ein nicht unerwarteter, zu diesem Zeitpunkt jedoch überraschender Plot Twist etwa in der 10. der insgesamt 13 Episoden zu je etwa 45 Minuten läßt das vorher Geschehene dann in einem ganz anderen Licht erscheinen - die Spannung ist zu diesem Zeitpunkt jedoch schon einer gewissen Langeweile gewichen...

Ein Hauptkritikpunkt sind die wenig sympathischen Hauptdarsteller der viel zu kleinen Sondereinheit: neben Peter Devriendt ermittelt dort ein schwabbelbäuchiger Cowboy mit dem IQ eines 12-Jährigen, der bald selbst ein Opfer von Moses wird, ein bärtiger Zyniker, der wegen eines Dienstvergehens schnell ausscheidet, sowie dessen Ersatz, ein glatzköpfiger Bürohengst. Am wenigsten jedoch mag man mit Devrient warm werden, einem untersetzten Endfünfziger mit Halbglatze, der betulich seiner Arbeit nachgeht und dessen uninteressantes, unspektakuläres Privatleben (mit gerade erwachsen gewordener Tochter, die bei der geschiedenen Mama und ihrem neuen Lebensgefährten lebt und ein Drogenproblem hat) einfach niemanden interessiert, dafür leider umsomehr in den Vordergrund rückt. Auch dessen jüngere Nachbarin, die keine Zeit für ihre kleine Tochter Blue hat, weswegen diese ab und zu bei Devrient sitzt, der sich mit ihr großväterlich bechäftigt, bringt die Story um den Vigilanten Moses kein bißchen voran.

Zumindest halbwegs positiv besetzt sind die Filmrollen von Vicky, die unter dem jahrelangen Wachkoma ihrer Mutter leidet und mit dem seinerzeitigen, jungen Unfallfahrer im Bett landet sowie von Paulien Rooze (Ella Leyers), einer an den Rollstuhl gefesselten Computerspezialistin, die das Team tatkräftig unterstützt - doch auch die beiden Damen kommen gegen den phlegmatischen Devrient nicht wirklich an.

So mäandert dann die Story vor allem zum Schluß hin relativ träge vor sich hin, das urprüngliche Vorhaben mit einem Gebot pro Folge ist da schon längst vergessen und das sich abzeichnende Finale wirkt dann auch noch eher überhastet. Schade, da war mehr drin - im Schnitt sind das dank des fulminanten Starts aber immerhin noch 6 Gesamtpunkte.

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