Review

Johö, die Invasoren aus dem All sind wieder da und sie wollen unsere Gehirne. Leuchtet mir bei der mich umgebenden Gesellschaft zwar nicht ein, ist aber so, zumindest im Film. So auch bei den "Puppet Masters", die der deutsche Verleih gar nicht erst als Titel eingedeutscht hat, weil er dem Streifen eh keine Chancen eingeräumt hat. Kann man ihn auch gleich begraben.

Und warum auch nicht: was Sutherland und Kumpane hier bekämpfen ist der x-ten Rip-Off von Don Siegels "Invasion of the Body Snatchers" mit einem Hauch "Akte X" und einer Prise "ID4" und damit hat es sich. Sowas wird praktisch jedes Quartal zweimal in den Videotheken an Land gespült und findet kaum Beachtung.
Dennoch: den hier kann man sich geben. Schadet gar nicht!

Jetzt mal schauen, warum:
Weil, zum ersten, die Story so wahnsinnig ausgelutscht ist, daß sie megamäßig aufs Tempo drücken muß, um nicht komplett in Vergessenheit zu geraten, bevor der Film aus ist. Also Ufo-Sichtung plus geheime CIA-Behörde mit Invasionsverdacht. Nix wie hin in die Provinz.
Doch man kann sich noch so beeilen, die Viecher haben die Kleinstadt schon im Sturm genommen. Sutherland braucht trotz Stock keine zehn Minuten, um die Chose zu durchschauen, nach fünfzehn fliegen ihm die ersten rochenförmigen Aliens um die Ohren und nach nicht mal zwanzig macht sein Sohn (hier gegeben von einem arg gesichtslosen Eric Thal) im Auto alles platt, was sich zum Zwecke der Übernahme auf ihn stürzen will, inclusive zwölfjährige Zeitungsjungen. Yeah, andere Filme brauchen für sowas eine Stunde.
Und in dem Tempo geht es dann weiter, schön im Zehnminutentakt die Highlight: die ersten übernommenen eigenen Mitarbeiter, Alienjagd im CIA, dann wird Sohnemann befallen und plant die Alienisierung des Präsidenten. Die wird im letzten Moment verhindert und noch immer haben wir nicht mal die Filmmitte erreicht.

Dann greift natürlich die Armee ein, hat keinen Erfolg und während der Gegenmittelsuche wird auch noch die flotte Mitarbeiterin übernommen. Also rein in die Höhle des Löwen, Schnuckel retten, ballern, Gegenmittel mitnehmen. Aber das wars immer noch nicht....

Oh, wie doch die Zeit vergeht, wenn man sich gut amüsiert. Wahnsinnig originell mag das nicht sein, was sich der Drehbuchschreiber hier an SF-Klischees zusammengeklaut hat, aber im probaten Dauerfeuer fällt das nicht ganz so arg auf, genausowenig wie leichte logische Fehler; wenn etwa die ersten vom Alien Befreiten den Löffel freiwillig schmeißen oder im Koma landen, Sohnemann aber munter wiederbelebt wird und das Ganze im Griff hat, während seine künftige Holde nach erfolgtem Abriß gleich wieder zum Jogging bereit ist.
Erfreulich dabei, daß im Gesamtverlauf alle drei Hauptdarsteller wenigstens einmal von den Viechern übernommen werden, die doch frapant als Mini-Variante der "ID4"-Monstren durchgehen, nur daß sie einem eben im Nacken hängen, anstatt das Weiße Haus zu pulverisieren.

Angst macht das natürlich nicht, aber manche Szenen sind doch schön beklemmend und der Spannungsbogen ist dementsprechend gut gespannt. Alle Darsteller halten sich dabei passabel und die Produktion profitiert sichtlich von einem ansehnlichen Budget, das auch noch gut umgesetzt wurde.
Ich weiß zwar nicht, wieso der Streifen sonst total in der Versenkung verschwunden ist, aber bei all der Grütze, die uns allwöchentlich um die Ohren fliegt, ist das Teil die reinste Erholung. Und auch nur zu diesem Zwecke gedacht, also sucht nicht nach Anspruch. Knappe 7/10.

Details
Ähnliche Filme