Seit der Blütezeit der Paranoia-Alieninvasionsfilme in den 1950ern kommen diese turnusmäßig mal wieder, gern als Remake des „Body Snatchers“-Klassikers von Don Siegel, oder auch in ähnlich gelagerten Filmen wie „Puppet Masters“.
Auch „Puppet Masters“ geht auf eine Literaturvorlage von Robert A. Heinlein zurück, die bereits 1958 als „The Brain Eaters“ verfilmt wurde. Hier ist allerdings wenig mit der schleichenden Paranoia: Bereits in der ersten Sequenz geht das UFO nahe eines Kaffs nieder, kurz darauf sind drei Dorfjugendlich bereits infiziert und ziehen dem ersten erwachsenen Finder den Baseballschläger über die Rübe, kurz darauf macht sich Andrew Nivens (Donald Sutherland), der Leiter einer geheimen CIA-Organisation zusammen mit seinem Sohn, dem Agenten Sam (Eric Thal), als Mann fürs Grobe und der Wissenschaftlerin Mary Sefton (Julie Watner) auf den Weg zu der Ortschaft, nachdem sich zuerst dorthin geschickte Agenten nicht mehr melden und berichtende Nachrichtencrews überraschend schnell und wenig glaubwürdig erste Reportagen wiederriefen, von einem Dumme-Jungen-Streich als Hintergrund der angeblichen Alienlandung sprachen.
Vor Ort riecht das Trio plus Begleitagent schnell Lunte, schießt einen Angreifer bei einem versuchten Hinterhalt nieder und entdeckt einen rochenartigen Alienparasiten auf seinem Rücken. Kaum hat man dem den Garaus gemacht, ist schon die erste Verfolgungsjagd angesagt, da die Gegenseite ihrerseits infizierte Wirtskörper auffährt um die Helden zu stoppen und bereits das gesamte Kaff kontrolliert. Das ist ein Tempo, das wenige Filme dieser Art an den Tag legen; an die Stelle von Paranoia und der Erkenntnis der Unterwanderung bei den Figuren, die der Zuschauer im Gegensatz dazu meist allein schon durch den Filmtitel hat, tritt hier die Einleitung von Gegenmaßnahmen.
Denn im Hauptquartier bezieht man zwar militärische Spezialisten wie Alex Holland (Keith David) heran, muss aber feststellen, dass die Aliens schon erste Späher ausgesandt haben und noch dazu an einem perfiden Plan arbeiten, während man selbst schnell alle Ressourcen mobilisieren muss…
So wird der Film zu einem Hin und Her zwischen den beiden Parteien, die Strategien entwickeln und Gegenschläge ausführen, sich jeweils bei diesem mehr oder weniger verdeckt ausgetragenen Krieg in die Suppe spucken. Militär und prominente Würdenträger werden mit in das Geschehen gezogen, wodurch „Puppet Masters“ eine enorme Dynamik entwickelt: Sicherlich reißerisch, aber dennoch spannend und halbwegs glaubwürdig spielt er das Invasionsszenario durch, bei dem die Helden sich auf Wissenschaft, strategische Planung und geballte Feuerkraft verlassen müssen, einer Bedrohung ausgeliefert sind, die sie erst noch verstehen müssen und damit trotz auf dem Heimatplaneten noch zum Underdog werden.
Dabei werden auch mehrere Hauptfiguren mal von den Parasiten befallen, was für spannende Szenen sorgt, bei denen man nicht mehr genau weiß, wem man trauen darf, auch wenn das logische Kleinklein dabei etwas unter die Räder gerät: Manche Ex-Alienopfer wählen den Freitod, andere sind dagegen schnell wieder putzmunter und während man bei den Hauptfiguren alles an deren Befreiung von den außerirdischen Rochen setzt, so werden andere Wirtskörper einfach mal kurzerhand niedergeballert. Hin und wieder ist das Schema der Inbesitznahme auch sehr vorhersehbar, etwa wenn ein Agent der Aliens vor dem Haus des Helden wartet, seine Katze von draußen wieder hereinkommt und er dann wenig überraschend beim darauffolgenden Schäferstündchen mit der Heldin feststellen muss, dass sich die Partnerin zum Unguten verändert hat. Doch Regisseur Stuart Orme tritt hier ordentlich aufs Gas und hier ist eigentlich pausenlos die nächste Spannungs- oder Actionszene zu bewundern, weshalb das nicht so arg ins Gewicht fällt.
Von dieser rastlosen Dynamik profitiert der Film auch, wenn er die zigmal gesehene Geschichte von der Invasion und Unterwanderung durch das außerirdische Übel erzählt und dem wenig hinzuzufügen hat, dafür aber stets ordentlich Eye Candy bietet. Hin und wieder sind Budgetknappheiten zu sehen, etwa beim Finale in einem von den Aliens besetzten Gebäude, dessen Alienmembranen leider nur nach vom Setdesigner gespannten und durchlöcherten Tuchbahnen ausschauen; meistens holt die Regie aber viel aus dem Vorhandenen heraus. Für reichlich Action ist dank diverser Shootouts und Verfolgungsjagden gesorgt, im Nachklapp zum eigentlichen Showdown rangelt man sich in und um einen Hubschrauber und auch die wunderbar handgemachten Effekte von dem erfahrenen Greg Cannom sehen stets knorke aus.
Donald Sutherland, bereits durch „Invasion of the Body Snatchers“ im Umgang mit Alieninvasoren erfahren, gibt hier seinen Namen und sein Gesicht als Zugpferd her, bleibt aber immer etwas im Hintergrund, was allerdings auch daran liegt, dass seine Figur nicht rein als positive Instanz eingeführt, sondern als taktiler Geheimdienstmufti eine gewisse Kälte an den Tag legt. Heroischer sind da Eric Thal und Julie Warner, beide allerdings bestenfalls routinierte Darsteller, was dann immerhin durch die Besetzung der Nebenrollen aufgefangen wird: Mit Keith David und Will Patton ist gleich zweimal starker Support dabei, kleine Parts werden von Andrew Robinson und Yaphet Kotto veredelt.
Auch wenn das Drehbuch der Autoren Ted Elliot, Terry Rossio und David S. Goyer, die danach einige schwer erfolgreiche Blockbuster schrieben, heftig umgearbeitet wurde und Rossio sich darüber beschwerte, so ist der fertige Film trotz einiger logischer Schwächen und zwei eher blasser Hauptdarsteller ein fetziger Invasionsreißer geworden: Gut inszeniert, mit famosen Trick und spektakulären Actionszenen ausgestattet und dank seines hohen Tempos durchweg spannend ist „Puppet Masters“ geworden, auch wenn dem Film – trotz des zum Startzeitpunkt aufkommenden „Akte X“-Hypes – an der Kasse kein Glück beschieden war.