Review

Erklärtes Lieblingsprojekt und Herzensangelegenheit vom hier auch als Executive Producer anwesenden belgischen Darsteller Dominiquie Vandenberg, welcher die Geschichte als Legion Maxx (Alternativtitel) bereits vor fast einem Jahrzehnt als Graphic Novel namens Vive La Mort bei der amerikanischen Startup Company Magic Leap Studios und speziell dessen Augmented und Virtual Reality Abteilung unterbringen wollte, von diesem Vorhaben wegen einer mangelnden Kundenfreundlichkeit aber wieder abgekommen ist. Vandenberg, der eigene Erfahrungen aus seiner Zeit vor dem Filmgeschäft miteinfliessen liess und auf alle Fälle etwas für das erwachsene Klientel, sprich mit einer erhöhten Altersfreigabe erzählen wollte, um auch den speziellen Charakter hier heraus zu arbeiten, hat nach diversen früheren Zusammenarbeiten mit Jesse V. Johnson – welcher zuletzt meist in Verbindung mit Scott Adkins für Furore sorgte – diesen als Mann für die geeignete visuelle Umsetzung (mit verstärkten Augenmerk hinsichtlich der frühen Arbeiten von Sergio Leone) gewählt. Johnson, der der Brutalität von Aktionen auf der Leinwand nicht abgeneigt ist, wenn diese entsprechenden Zweck oder auch das Mittel zum Zweck erfüllt, seine (Zweit)Karriere auf dem Regiestuhl auch im Grunde nahtlos mit härterer Genrekost und viel Zitaten'kino' füllte und aktuell bei bspw. Savage Dog und Avengement auch durchaus die Möglichkeiten diesbezüglich auslotete, ist tatsächlich auch der geeignete Kandidat für die Bebilderung; aufgrund vorhergehender Exemplare und der positiven Resonanz der letzten Arbeiten wurde auch dieses Werk hier vom Markt schnell aufgegriffen und rasch in die geeigneten Länder exportiert. Kampfszenen sind recht steif, fast trocken, die Schießereien auf die Wirkung der Körpertreffer und dessen Verdeutlichung mit vielen Zeitlupen forciert:

Sölnder Maxx [ Dominiquie Vandenberg ] ist in der Killertruppe von LeClerc [ Louis Mandylor ] und dies auch mit Begeisterung in Sachen Töten aktiv. Bei einem Einsatz in Kolumbien geht allerdings etwas schief, nicht bloß, dass Maxx schon vorher durch einen Granateinschlag in nächster Nähe verletzt wird, bei dem Versuch eine Vergewaltigung zu verhindern, wird er von seinem eigenen Truppenmitglied attackiert. Als tot geglaubt im Schlachtfeld zurückgelassen, schleppt sich der Mann zur Kirche von Father Elias [ Carmen Argenziano ] und dessen Auszubildenden Father Thiago [ Manny Alva ], die ihn aufpäppeln und ein Dach über den Kopf und etwas Ruhe und Besinnung bieten. Als LeClerc, der in der Nähe das Drogengeschäft für ein Kartell führt darauf kommt, dass sein Kumpan noch am Leben ist – und seine Geschäfte stört – , stattet er ihm einen Besuch ab, der bald zum Massaker wird.

Zu Beginn, nur im Prolog erinnert man eher ein wenig an Triple Threat, Vandenbergs wahrscheinlich dem 'Mainstream' einprägsamsten (Kurz)Auftritt und Johnsons Versuch, auch vermehrt und vermehrt erfolgreich vor allem in den Kinos zu laufen; ein letztlich wohl als gescheitert zu bezeichnendes Experiment – der Film wurde gezeigt, aber hat zum Beispiel im normalerweise deutlich angesprochenen und eben auch wichtigen Markt China kaum Zuschauer angelockt – , welches hier die natürlichen Voraussetzungen betrachtend gar nicht erst in Angriff genommen wurde und man von vornherein DtV und VoD bespielt. Eine Attacke auf ein Camp inmitten Zentralafrika, weiter bezeichnet werden da weder die Örtlichkeit noch die Angreifer noch die Angegriffenen, selbst die räumliche Orientierung im schnellen Ausbruch der Waffen und der lauten Sprache dieser ist noch etwas unzureichend, werden die sich Wehrenden auch mit Schüssen aus dem Groß-, dem Schwer- und dem Schnellkaliber oder doch im Zweikampf mit der Machete blutig niedergestreckt. Aber ausnahmsweise dennoch Gefangene genommen und nicht gleich das ganze Lager dem Erdboden gleichgemacht. Das kommt später. Und das kommt auch noch im Exzess.

Der gute alte Söldnerfilm, vermehrt Ende der Siebziger aufgekommen und sich dort mit dem Kriegs-Actionfilm sowieso ein Stelldichein gegeben und ausgetauscht und abgewechselt; hier nun als Update ohne wirkliche narrative Erneuerung und auch nicht mit weiteren politischen oder gesellschaftlichen Sinn. Vom Dschungel in die Wüste, von Afrika nach Irak, vom Nahkampf mit dem Messer zum Scharfschützen, front, center, fire. Nach einem Blutbad in einer Moschee und dem Bespritzen des Gebetsteppichs mit pulsierenden Blut vieler Halsschlagadern geht es weiter nach Kolumbien, ein Ort 'einladender' als der andere und eine Landschaft noch mehr unwirtlich als die vorhergehende. Die Gegend sieht genauso aus wie beim Anfang der Geschichte, die Gegner abgesehen vom Tarnfleck etwas anders, und was das Entscheidende in dieser Szene, dem nächsten Akt des bezahlten Tötens und des Zelebrierens der Gewalt nun ist: es richtet sich gegen die eigenen Leute, ist der Wechsel der Aggression der Gruppe nach innen hin zu einem ihrer eigenen Männer nur eine Frage der Motivation und eine einzige Sekunde der knallroten Brutalität.

Die Erzählung von einem, der mehr tot ist als lebendig und mehr Monster als Mensch, vorher einsilbig und jetzt kurzfristig verstummt und für einen Augenblick lang seinen Frieden gefunden hat im Hause Gottes, obwohl er nicht gläubig war und die Ruhe auch nicht lange am Anhalten ist. Erzählt wird das wie ein (Neo und/oder Spaghetti)Western, in der südamerikanischen Variante, dasselbe direkte Wesen und die entsprechend kurzen Wege von Dramaturgie und Kommunikation werden aufgefahren und selbst das Main Theme vom falschen Propheten, seiner religiösen Läuterung bis hin zur Kreuzigung pfeift dieses eingängige Lied. Der Eastern grätscht natürlich auch mit rein, haben sich die Genres sowieso gegenseitig bereichert, manches voneinander abgeschaut und die Stärken gegenseitig observiert und okkupiert. Ein Diebstahl beim Besten, was hier angewendet wird, nicht immer auch zum Besten und nicht immer, aber ab der Hälfte der (simplen) Geschichte trotz oder vielleicht auch wegen dem Auslassen von Bildern und dem Paraphrasieren von Ereignissen schon in dieselbe Richtung zumindest der Qualitäten und zuweilen (selten) auch mit demselben positiven Effekt.

Überhaupt wirkt das Ganze, der Widerstand gegen eine Herrschaft des Terrors nicht nur zeitlos, ausgebleicht und ausgedörrt, sondern fast auch archaisch, wie vor Jahren unterm Staub vergessen und nun wieder ausgegraben und zeitlich verspätet für die wartende und darbende Meute da draußen distribuiert. Die Konfrontation ist mittig wieder vorhanden, der 'Kung Fu Reverend', der 'Machine Gun Preacher' (ein eher kleiner, stabil gebauter Mann, ein Zwerg im Kleid, keine Schönheit und auch nicht per se mit Charisma) sieht sich nicht nur seinen Dämonen in Form der alten 'Kameradschaft' gegenüber, sondern vor allem auch der Gefahr für seine Mitmenschen, und dem Zwang, dies entweder zu ignorieren und zurückzukehren zu Etwas, dass er nicht mehr ist, oder weiterzuschreiten und den erbitterten Kampf (mit freigelegten Eingeweiden und eingeschlagenen Schädeln) um das letzte Quäntchen Mitmschenlichkeit zu führen.

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