Review

Spannend!

(Achtung, lang! Besser nur lesen, wenn ein gewisses Interesse an Sci-Fi-Horror aus den Fünfzigern besteht. Und noch was: ich werde versuchen, so wenig wie möglich von der Handlung zu verraten. Wer den Film und seine Remakes noch nicht kennt, sollte aber meiner Meinung nach besser erst den Film gucken. Je weniger man über die Handlung weiß, desto spannender ist er. Und falls jemand, so unwahrscheinlich das auch sein mag, den originalen englischen Titel nicht kennt, würde ich auch raten, ihn vor dem gucken nicht nachzuschauen. Der deutsche Titel ist zwar eigentlich unpassend, weil er den Originaltitel nicht richtig wiedergibt, hat aber den Vorteil, dass er weniger vom Inhalt des Films preisgibt.)

Meiner Meinung nach ist der Film ein echter Klassiker, extrem spannend. Deswegen wundert es mich, dass bis jetzt noch keine Kritik mit der vollen Punktzahl eingetragen wurde. Dass ich dem Film die volle Punktzahl gebe, heißt nicht unbedingt, dass er perfekt ist, es heißt nur, dass ich ihn extrem gut fand. Ich versuche bei Filmkritiken nicht, absolut objektiv zu sein.

Dass der Film so spannend und gruslig ist, hängt damit zusammen, dass man am Anfang gar nicht so genau weiß, was da vor sich geht. Das ist meiner Meinung nach ein riesiger Vorteil gegenüber dem Remake "Die Körperfresser kommen". Das Remake hat gute Schauspieler und bringt gegenüber dem Original viele neue, gute Ideen, vor allem die Schreie der "gefressenen" wenn sie einen noch nicht "gefressenen" sehen. Aber es wird am Anfang schon zu viel verraten, deswegen ist es nicht so spannend wie das Original. Trotzdem: 9 Punkte für das Remake.

Ich weiß nicht, ob es stimmt, aber ich stelle die Theorie auf, dass wahrscheinlich viele das Original nicht so gut finden, weil sie schon eines der Remakes gesehen haben. So weiß man dann schon von Anfang an, worum es geht, und die Spannung ist nicht mehr vorhanden oder zumindest deutlich geringer. Wer noch keine der Verfilmungen gesehen hat, dem würde ich raten, zuerst das Original anzuschauen (und vorher keine Inhaltsangaben zu lesen), und bei Interesse später vielleicht eines oder mehrere der Remakes.

Wahrscheinlich hat so gut wie jeder sowieso schon eine oder mehrere Verfilmungen gesehen. Trotzdem werde ich im folgenden versuchen, nicht zu viel von der Handlung zu verraten, vielleicht gibt es doch noch den einen oder anderen, der den Stoff noch nicht kennt. Was ich schreibe, könnte sich also zum Teil etwas "schwammig" anhören, aber wer den Film kennt, wird sich denken können, was ich meine.

Es ist zum Teil kritisiert worden, dass die Handlung einige Logikfehler aufweise. Bevor ich das gelesen habe, ist mir das gar nicht aufgefallen, wohl weil ich den Film so spannend fand und auf die Logik nicht so geachtet habe. Einiges wirkt wirklich nicht hundertprozentig logisch, wenn man darüber nachdenkt. Ich kann auch verstehen, dass das von einigen als sehr störend empfunden wird, mir selbst passiert das nämlich auch öfters, dass ich bei einem Film etwas unlogisch finde und das dann als sehr störend empfinde. Aber: von dem, was kritisiert wird, lässt sich glaub ich doch einiges aus dem Kontext des Films ganz gut erklären. (Anmerkung: ich benutze die Namen aus der deutsch synchronisierten Fassung, die Namen sind im Original anders, z. B. heißt dort "Peter" nicht Peter sondern Miles.) Z. B. was den Körper auf dem Billardtisch angeht: es kann doch sein, dass Jack den Körper in seinem Keller gefunden hat. Er hatte vielleicht den Eindruck, dass es kein echter menschlicher Körper ist. Vielleicht hat er schon unangenehme Erfahrungen mit der Polizei gemacht, und vielleicht sind ihm an seinen Mitbürgern in letzter Zeit schon einige verdächtige Veränderungen aufgefallen, so dass er bereits ahnt: es ist was faul im Städtchen Santa Mira. Also ruft er (aus all diesen Gründen) nicht die Polizei, sondern bringt den Körper nach oben, legt ihn auf den Billardtisch, und ruft lieber seinen Freund Peter an. Peter ahnt auf jeden Fall schon was - das äußert er ja auch explizit im Film - und deswegen ruft auch er nicht die Polizei.

Und dann gibt es natürlich eine Szene, wo eine der Figuren "gefressen" wird, aber gar kein "Körperfresser" da zu sein scheint. O.k., man braucht ein bisschen Fantasie, um das "wegzuerklären", vielleicht gehe ich in meinem Eifer, diesen Film zu verteidigen, zu weit und liege falsch, aber ist es nicht so, dass auch schon früher im Film die "Körperfresser" eine Fernwirkung haben? Es reicht ja, wenn sie im Keller liegen, sie müssen sich also nicht in unmittelbarer Nähe zum Opfer befinden. Und in der Szene, die ich meine, befinden sich ja in nicht allzu großer Entfernung vom Opfer so einige "Körperfresser". Ganz allgemein könnte man auch noch sagen, dass dies ja schließlich ein Sci-Fi-Film ist. Man sollte also sowieso nicht den größten Realismus erwarten. Und in der Szene, wo Peter, Mary, Jack und der Psycho-Doc in Peters Praxis sind, gibt der Psycho-Doc ja auch eine Erklärung, wie das "fressen" funktioniert. (Um die oben genannte Szene komplett zu erklären, müsste die (Fern-)Wirkung, die der Doc beschreibt, aber auch noch, je nach Bedarf, in beide Richtungen funktionieren, also vom "Fresser" zum "gefressenen" und umgekehrt. Wie schon gesagt, es ist wirklich nicht leicht, die mangelnde Logik in dieser Szene "wegzuerklären". Ich muss mir mal irgendwann das zugrunde liegende Buch von Jack Finney besorgen, vielleicht bzw. hoffentlich wird mir dann alles klar. Und überhaupt (Zitat Peter): "Es ist in den letzten Jahren so viel erfunden worden, dass alles möglich ist." (Achtung, nicht ganz ernst gemeint.))

Zum Inhalt noch folgendes: der Film wird von vielen als Parabel auf die Angst vor dem Kommunismus und seiner Gleichmacherei gesehen. Ich habe mal ein Interview mit Don Siegel gelesen, wo er sagte, dass er nicht viel gegen diese Interpretation habe, dass es ihm aber eher um etwas allgemeineres gehe: um eine Kritik an der Gefühllosigkeit und inneren Leere vieler moderner Menschen. Meiner Ansicht nach hat er dieses Ziel (d. h. vor dem genannten zu warnen) erreicht.

Er hat es aber nicht geschafft, den Film in der von ihm vorgesehenen Form ins Kino zu bringen. Die Produzenten verlangten, dass noch ein Prolog und ein Epilog gedreht werden, damit der Film nicht ganz so düster wirkt. Mich persönlich haben Pro- und Epilog aber nicht gestört. Außerdem spielt da Whit Bissell mit, ein bekanntes Gesicht aus Sci-Fi-Filmen der damaligen Zeit.

Das von Siegel vorgesehene Bildformat konnte er auch nicht durchsetzen. Der Film wurde ursprünglich im Vollbild-Format gedreht, aber die Produzenten bestanden auf Widescreen. Das war damals "der letzte Schrei", also wollten sie dieses Format, weil der Film sonst vielleicht ein paar Cent weniger eingespielt hätte. Also wurde oben und unten einfach was vom Bild abgeschnitten, was dazu führt, dass der Film in vielen Szenen wirklich wie "letterbox" wirkt, also so, als ob man durch einen Briefschlitz gucken würde. Vielleicht wirkt der Film so auf einige Zuschauer billiger, als er eigentlich ist. Die Spezialeffekte sind übrigens für einen Film mit relativ niedrigem Budget recht gut gelungen, zumindest meiner Ansicht nach.

Das neueste Remake, Titel: "Invasion", habe ich leider noch nicht gesehen und kann also auch nichts dazu sagen. Ich kenne aber das zweite Remake, "Body Snatchers". Diese Version hat mir recht gut gefallen, sie wirkte ein bisschen wie eine Kombination aus Elementen der ersten beiden Verfilmungen. Es wird, wie im ersten Film, am Anfang nicht alles verraten, das finde ich natürlich gut. Und die Reaktion der "gefressenen" auf die noch nicht "gefressenen" wurde aus dem zweiten übernommen, das ist zwar nicht originell, aber "besser gut geklaut als schlecht selbst ausgedacht". Es gibt auch noch einige neue Ideen, der dritte Film ist also kein reiner Abklatsch der ersten beiden. Trotzdem hat man, objektiv gesehen, ein wenig den Eindruck, dass der Film eigentlich überflüssig ist, weil es vorher schon zwei gute Versionen gab. Subjektiv gesehen hatte ich aber sehr viel Spaß damit, deshalb gibts auch dafür 9 Punkte. (Ich frage mich, ob es noch ein weiteres Remake geben wird, nach "Invasion" und "Body Snatchers" bleibt als möglicher Titel ja nur noch "of the" übrig (Achtung, nicht ernst gemeint).) "Body snatcher" heißt übrigens ursprünglich "Leichenräuber", da "body" zwei Bedeutungen hat (was man ja spätestens seit "Coming Home in a Body Bag" weiß (auch nicht ganz ernst gemeint)).

Fazit: es gibt in "Die Dämonischen" wohl mindestens eine Szene, die nicht gerade vor Logik strotzt. Meiner Meinung nach hat der Film aber genug andere Stärken (Spannung und Grusel), um das mehr als auszugleichen. Vor allem wenn ihr bis jetzt noch keine Verfilmung des Stoffes gesehen habt, kann ich nur sagen: schaut euch den Film mal an, ich glaube nicht, dass ihr es bereuen werdet.

Und wenn ihr bis hierhin durchgehalten habt, obwohl die Kritik sehr lang ist: vielen Dank fürs lesen.

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