Fast jeder kennt "Invasion der Körperfresser" mit Donald Sutherland, aber kaum jemand hat je das Original von Don Siegel gesehen, der schon 1956 in den Kinos als Paranoia-Beitrag durchstartete.
Kevin McCarthy wehrte sich als erster gegen die außerirdischen Doppelgänger, die aus Schoten wachsen und uns im Schlaf übernehmen.
Die Stärke von Siegel Angstphantasie liegt dann auch in der Erzeugung einer Atmosphäre unbestimmter Bedrohung, denn so offensichtlich wie im 77er Remake sind die Unterschiede zwischen echten und falschen Menschen hier nicht. Erst gegen Ende, als die Hüllen fallen, wird die Auseinandersetzung direkt, doch bis dahin wechseln sich idyllische und bedrohliche Szenen ab.
Leider ist es gerade die US-Idylle, die den Streifen nicht selten durchhängen läßt, denn so viel Feinschliff hat man dem Skript nicht mitgegeben. Es dauert bisweilen einfach zu lange, bis er so richtig knackt, doch wenn, dann dröhnt uns die Unruhe-Musik so derbe entgegen, daß man im Sessel hochkant steht.
Seine größten Stärken entwickelt der Film meist mit seinen minderwertigen Spezialeffekten. Die übergroßen Schoten wirken extrem eklig und die "Geburtssequenz" (obgleich nur angedeutet) wirkt trotz allen Zwielichts ungemein intensiv, auch was die Gegenwehr betrifft. Wenn McCarthy sich anschickt, per Mistgabel das Ebenbild seiner Freundin zu durchbohren (und seins natürlich auch), geht der Film an seine Grenzen. Auch die Geburt der Gesichter aus etwas, das wie Badeschaum aussieht, ist so schräg wie wirkungsvoll.
Die große Schwäche allerdings ist die schier imbezile Unlogik des ganzen Films. Die hirnigen Löcher im Plot sind so groß, daß man glatt ein Raumschiff durchschieben könnte und zwar quer.
Als berühmtestes Beispiel ist wohl die "unvollendete" Leiche auf dem Billardtisch zu nennen, die McCarthy von seinem Freund präsentiert wird. Weder fragt er nach der Herkunft, noch wundert er sich über fehlende Fingerabdrücke und unfertige Gesichtszüge, um dann den (vollkommen beknackten) Ratschlag zu erteilen, sie zu beobachten und sich dann vom Acker zu machen, ohne die Polizei berichtigen. Diverse Schlüsse werden gezogen, die nur im Off-Kommentar erwähnt werden, weil man dermaßen viel Unlogik nicht auf Film bannen kann.
Auch die "Übernahme" durch die Aliens ist nicht so ganz klar. Einerseits erschaffen sie Kunstkörper zur Übernahme, erklären dann aber, dass sie den Geist ihrer Vorbilder im Schlaf übernehmen. Jedoch existieren nirgendwo die "entgeistigten" Körper der Originalmenschen. Verschwinden die einfach? Lösen sie sich auf? Und wozu überhaupt die Schoten, wenn der Geist übernommen werden kann?
Trotzdem weiß der Film manchmal Wirkung zu erzielen und auch wenn er auf Druck der Produzenten mit einer hoffnungvollen Note endet, ist seine zeitweilige Aussichtslosigkeit einprägsam. Trotzdem nicht der beste Beitrag zum Paranoiakinos, trotz seines Rufs wie Donnerhall. (6/10)