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Vier Schwestern, vier künstlerische Begabungen, vier Lebens- und Liebesgeschichten im ausgehenden 19. Jahrhundert: Greta Gerwigs Romanverfilmung über einen für die damalige Zeit recht ungewöhnlichen Frauenhaushalt und dessen Bewohnerinnen, von denen jede ihren eigenen, selbstbestimmten Weg geht, glänzt mit wohlfeiler Ausstattung, reifer Inszenierung und einer starken Besetzung.

Allen voran Saoirse Ronan überzeugt als zentrale Schwester und Literatin Jo, die sich mit ihren belletristischen Texten den steinigen Weg in den amerikanischen Literaturbetrieb hinein schreibt; daneben überzeugen noch Emma Watson als elegante Schwester, Laura Dern als übermäßig hilfsbereite Mutter und - ein echtes Highlight - Meryl Streep als sympathisch-altmodische (und sehr wohlhabende) Tante. Diese starke Frauenriege verleiht dem Film von der ersten bis zur letzten Sequenz Energie, Esprit und Herzlichkeit und legt den Grundstein für eine durchgehend angenehme Atmosphäre, die auch mit größten und bittersten Rückschlägen umzugehen versteht.

Genau das entpuppt sich dramaturgisch aber auch als mittelgroßes Problem: Unter anderem durch den unerschütterlichen Zusammenhalt der Hauptfiguren fehlt es deutlich an dramatischen Höhepunkten. Streitereien werden schnellstmöglich beigelegt, unterschiedliche Charakterformen sehr leicht akzeptiert und selbst der tragische Tod einer Schwester kann allzu zügig emotional - und literarisch - verarbeitet werden. Durch diese dramaturgische Plattheit entsteht ein über weite Strecken recht spannungsarmer Erzählfluss, der träge vor sich hin plätschert und in dem selbst tatsächliche Highlights wie Jos literarischer Erfolg untergehen. Für einen Film, der über zwei Stunden Laufzeit hat, fehlt es hier drastisch an Spannung und Intensität.

Auch auf einer anderen Ebene kann die Erzählung nicht überzeugen: Der Wechsel zwischen Zeit- und schließlich auch Fiktionalitätsebenen sorgt wegen zu geringer Anzeichen, wo man sich gerade befindet, zunehmend für Irritationen. Ausgedehnte Rückblenden wechseln sich mit Sprüngen in die erzählerische Gegenwart und später auch mit kurzen Traum- und Romansequenzen ab, in denen deutlich wird, dass die literarischen Erzählungen autobiografisch beeinflusst sind. Das sorgt allerdings dafür, dass man als Zuschauer einzelne Szenen nicht so recht zuordnen kann - der finale Todesstoß für die ohnehin kaum vorhandene Spannung.

Da hilft es auch nur bedingt, dass Regisseurin Greta Gerwig sich auf ihr Handwerk versteht, einen opulenten Kostümfilm im besten Sinne inszeniert hat, der mit prächtigen Settings, aufwendiger Ausstattung und einem sehr gefühlvollen Soundtrack von Alexandre Desplat das wohlhabende Oberschichtsmilieu des späten 19. Jahrhunderts auferstehen lässt. Oder dass sie mit herrlichem Sinn fürs Detail übliche Perspektiven aufbricht - politische und gesellschaftliche Probleme jener Epoche werden hier konsequent aus weiblicher Sicht dargestellt, Männer kommen im Grunde nur als Sehnsuchtsobjekte oder amüsante Nebenfiguren vor. Auch heute noch aktuelle Fragen nach Rassismus, der Stellung der Frau und gesellschaftlicher Verantwortung des Einzelnen werden teilweise in Nebensätzen elegant angesprochen.

Das alles macht „Little Women" inhaltlich zu einem wirklich interessanten Beitrag zur feministischen Debatte, der bei den Oscar- und anderen Preisverleihungen durchaus mehr Präsenz verdient gehabt hätte (aber wie oft werden schon Regisseurinnen überhaupt nominiert...), der nur leider erzählerisch arg holperig und vor allem langatmig ausfällt. Angesichts der tollen Schauspielleistungen und der beeindruckenden Ausstattung ist das wirklich schade.

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