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„Die Fliege“ ist nicht nur ein ausreichend gewürdigter Klassiker, sondern auch ein sehr schönes Anschauungsstück, welchen Einfluss eine gute Story auf den Erfolg eines Horrorfilms hat. Denn bei Licht betrachtet hat dieser Film nur eine gute Story und einen interessanten Aufbau – sonst nichts. Und ist trotzdem richtig gut.

Die Regie des Films ist bestenfalls Mittelmaß, die Schauspieler agieren hölzern (leider auch Vincent Price) bis unerträglich und die Tricks sind mehr als dürftig. Der Film hätte seinen Platz in absoluter Vergessenheit eingenommen, wenn damals nicht irgendjemand richtig Hirnschmalz in den Aufbau der Erzählung investiert hätte. Und schwupp, schon wird aus der Grotte ein Kultfilm!

Es ist schon genial, dass der Zuschauer erst am Ende der Haupthandlung in die Geschichte einbezogen wird. Und dass ihm von Anfang an klar gemacht wird, was ihn zu erwarten hat. Er braucht also nicht der Geschichte zu folgen, sondern kann abwarten, wie ihm das Erwartete präsentiert wird. So sitzt er in Erwartung, wann denn wohl die Fliege zum ersten Mal zu sehen ist. Wenn es soweit ist, stört er sich nicht an der lausigen Umsetzung, sondern wartet auf den Ablauf des Selbstmordes. Und danach auf das Auftreten der zweiten Fliege. Er ist also immerzu beschäftigt und kümmert sich nicht um Fragen der Umsetzung. Das wird bei dem Fund der zweiten Fliege deutlich: es ist nicht entscheidend, was aus der Fliege wird, da es ohnehin nichts mehr nützen würde, den Versuch rückgängig zu machen. Also kann die Spinne die Fliege ruhig fressen. Und die Tricks können sich so armselig darbieten wie sie sind. Denn zu dem Zeitpunkt bangt der Zuschauer schon, ob die Erkenntnis der Wahrheit reichen wird, Helene Delambre vor der sicheren Gummizelle zu bewahren. Für mich gibt es keine konsequentere Umsetzung von Suspense im phantastischen Film.

Aber auch die Story selbst verdient Anerkennung. Da wird nicht nur das gescheiterte Experiment in den Vordergrund gebracht, sondern es werden nette Fehlversuche eingebaut, die dem Zuschauer das Warten auf die Fliege verkürzen. Die Katze im Ether und die Spiegelschrift bringen den Plot nicht weiter, sondern sind witzig und geistreich zugleich. Und daran fehlt es ja leider allzu oft.

„Die Fliege“ hat absolut zu Recht Kultstatus. Der Film ist in seiner Machart unglaublich effektiv und in der glücklichen Lage, mit seinem beachtenswerten Remake in keinerlei Konkurrenz treten zu müssen. Selten gab es so wenig Konflikte zwischen einer hochwertigen Vorlage und einem geglückten Remake.

Trotzdem ist der Film keine Offenbarung. Die Mängel in der Umsetzung sind stark genug, um diesem Streifen einem Platz auf dem Olymp zu verwehren. Aber trotzdem immer noch sehenswert und absolut unterhaltend. Von mir gibt es 7 von 10 Punkten.

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