Inspektor Charas (Herbert Marshall) untersucht den Todesfall des Wissenschaftlers André Delambre (David Hedison). Dessen Frau Helene (Patricia Owens) gibt an ihn, ihren Mann ermordet zu haben. Die Umstände bleiben aber ungeklärt, bis sie sich durch ihren Schwager François (Vincent Price) bereit erklärt, über das letzte Experiment von André zu erzählen.
Pausenlos arbeitete der Wissenschaftler an einer Teleportationskapsel, die nach einigen Fehlversuchen mit leblosen sowie lebenden Objekten schlussendlich ihre Dienste tat. Übereifrig testete er das Gerät mit sich selbst... und übersah eine Fliege in der Kapsel, was katastrophale Folgen haben sollte.
Mittlerweile ist Kurt Neumann's Klassiker "Die Fliege" aus dem Jahre 1958 über 50 Jahre alt und hat kaum etwas von seiner Faszination verloren. Trotz seines Alters sind es angesprochene Themen, die nach wie vor ihren Reiz haben. So diskutieren die Figuren des Grusel-Klassikers über das brisante Thema der Kernspaltung sowie Fernsehen, Autos und Telefon die es heute selbstverständlich in modernerer Ausführung gibt, allerdings nach ihrem grundlegenen Prinzip funktionieren und angewandt werden. Dadurch fällt die angestaubte Optik zwar nach wie vor ins Auge, hinterlässt thematisch aber einen sehr aktuellen Eindruck.
Ungewöhnlich ist die Bedienung verschiedener Genres, die den Film weniger gruselig erscheinen lassen als es vielleicht möglich gewesen wäre. "Die Fliege" beginnt wie eine harmlose Detektivgeschichte, erzählt eine langwierige, klassisch schmalzige Liebesgeschichte zwischen dem Wissenschaftler und seiner Frau unterbrochen von interessanten wissenschaftlichen Details, wendet sich dann schlagartig ins mysteriöse und offenbart erst im letzten Viertel seine Ansätze zum Monsterhorror.
Obwohl die Horrorqualitäten mit den Urängsten des Menschen spielen, bleiben Schreckeffekte völligst aus. Auch der Gruselfaktor ist sehr gering ausgefallen, stattdessen bietet der Film ein ausgiebiges Charakterdesign in das man sich überaus gut rein denken kann. Nach der sympathischen Einführung der Figuren erscheint die Ausweglosigkeit und die verzweifelte Suche nach einer Lösung umso tragischer. Durch den immer tragender werdenden Verlust der Kontrolle des Hauptprotagonisten über sich selbst tritt zeitweise gar, trotz ruhiger Erzählweise, ein temporeiches Feeling ein. Und das fiese Finale könnte nicht gelungener sein.
Geschickt umgeht Neumann technische Effekte die zum damaligen Zeitpunkt nur schwer oder überhaupt nicht realisierbar waren. Statt wildem Effektgewitter arbeitet der Regisseur mit Kameraeinstellungen die pikante Details nur teilweise sichtbar lassen, wie beispielsweise einer im Sichtfeld stehenden Mauer. Somit gewährt er dem Zuschauer ständig Einblick auf das Geschehen, kaschiert aber gefährliche Details und beschränkt die Zeigefreudigkeit des Horrors auf subtilere Art und Weise.
Die menschliche Fliege selbst besteht nur aus einem "Zwei-Komponenten"-Kostüm, sieht aber erstaunlich gut aus.
Neben den zu Beginn auftretenden Längen kämpft "Die Fliege" des öfteren auch mit der Logik. Durch das eingebundene Science Fiction Genre kann man über eine sicherlich nicht auftretende Verschmelzung von einer Fliege und einem Menschen durch den Austausch einzelner, übergroßer Körperteile noch absehen. Nicht aber über das suchen und finden einer Eintagsfliege in freier Wildbahn. Und wie hoch ist nochmal die Lebensdauer solch einer Eintagsfliege? ... Genau!
Nachdem der Klassiker kommerziell unerwartet erfolgreich war, sollten zwei Fortsetzungen nicht lange auf sich warten lassen. Da das Thema auch zu späterem Zeitpunkt nach wie vor Interesse bekundete, folgte ein gelungenes Remake, das größere Schritte im Horrorbereich beschreitete und ebenso eine Fortsetzung nach sich zog.
Der Klassiker ist, trotz aus heutiger Sicht mangelnder Gruselatmoshäre, nach wie vor ansehlich und hat nichts von seiner wissenschaftlichen Thematik verloren. Obwohl ich als Kind des effektreichen Bombastkinos häufig Wert auf technische Perfektion lege, begeistern mich ebenso Filme die diese geschickt umgehen. "Die Fliege" aus dem Jahre 1958 gehört zu diesen.
7 / 10