Review
von Leimbacher-Mario
Vorsprung durch Freundschaft
Männerfreundschaften, gesunder Patriotismus und Konkurrenzkampf, heiße Autos, hohe Geschwindigkeiten, echte Leidenschaft, stilvolles Entertainment aus der Traumfabrik nach altem Stil mit neuer Technik - all das bietet James Mangolds „Ford v Ferrari“, der sicher nicht nur bei Rennsportfans am Ende des Jahres auf einigen Treppchen der besten Filme stehen wird. Erzählt wird von zwei Männern, einem Konstrukteur (Carroll Sleby) und einem Fahrer (Ken Miles), die für Ford in den 60ern das erste Mal das große 24-Stunden-Rennen von Le Mans gewinnen sollen. Doch dabei gibt es noch viel mehr Hürden als „nur“ die übermächtigen Italiener aus Modena in Rot zu schlagen... James Mangold wird selten genannt, wenn es um die besten aktiven Regisseure geht. Dabei hat er von einer der besten Comicverfilmungen überhaupt („Logan“) über prestigeträchtige Grosskaliber wie „Walk the Line“ bis zu Genretipps wie „Identität“ einiges unter seinem Gürtel, ist schon lang genug dabei. Doch in Zukunft könnte „Ford v Ferrari“ als seine neue Benchmark gelten, erst recht wenn es nächstes Frühjahr ein paar goldene Jungs regnen sollte, was alles andere als weit hergeholt erscheint...
Das Rennfahrerepos erinnert an Hollywoods goldene Zeiten, beherbergt (nach Di Caprio/Pitt für Tarantino) schon die zweite großartige Männerfreundschaft des Kinojahres und bietet faszinierende Racingaction, die einen anpeitscht, durchgehend am Rand des Sitzes hält, zum Schwitzen bringt und mehr als Vollgas geht. Der Soundtrack ist lässig und geht ins Ohr, die Ausstattung ist edel, der Wettkampf mit Ferrari ist episch (und im Kern, trotz aller Beleidigungen, von tiefem Respekt geprägt) und das Duo Damon/Bale spielt das routiniert bis grandios. Auf der Rennstrecke geht es packend ab, abseits der Rennstrecke ist die Show und sind die Charaktere mindestens genauso beeindruckend. Zudem ist „Ford v Ferrari“ erstaunlich positiv und hell. Und das ganz ohne blöden Beigeschmack - trotz „umweltverschmutzender“ PS-Monster, sinnlosen Machtspielchen und schon deutlich aufgedrehtem Patriotismus und Stolz aufs Heimatland und das ford'sche Schaffen. Aber im Kern geht es hier um zwei Männer, die lieben, was sie tun, und deren Willen, Können und Freundschaft inspirierend ist. Famos kurzweilig für seine Laufzeit, eine tolle Geschichte und ein Rennen für die Ewigkeit. Lohnt sich. Ist ein (ziemlich voller) Erfolg. Müsste ich was bemängeln, dann den sehr plötzlichen und enttäuschend wenig emotionalen letzten Part, die dann doch etwas vorhersehbare und generische Story plus die überflüssige, verlorenen wirkende und flache, einzige Frauenfigur. Ansonsten zeigen alle Ampeln auf grün.
Fazit: einer der unterhaltsamsten Rennsportfilme überhaupt?! Viel spricht dafür. Grandiose Darsteller, ein (noch immer ziemlich unterschätzter!) Regisseur auf seinem Zenit, packendes Tempo jeder Art und eines der coolsten Kinoerlebnisse des Jahres. Nicht nur für PS-Köpfe und Bleifüsse. Klassisches Hollywoodkino mit modernsten Mitteln. Ein Epos im Eiltempo.