In der Unruhe liegt die Kraft
„Pelikanblut“ ist ein sehenswertes deutsches Erziehungsdrama mit Mystery- und Horroreinschlägen von „Tore tanzt“-Regisseurin Katrin Gebbe und erzählt von einer alleinerziehenden Mutter, die mutig und selbstlos eine weitere Tochter adoptiert. Doch das anfangs sehr süß und lieb erscheinende Mädchen aus dem Ostblock samt trüber Vergangenheit entpuppt sich sehr schnell als gewalttätiger und verstörter Härtefall, bei dem fast schon übernatürlich böse Kräfte am Werk scheinen…
Mama kommt von Leiden
Nennt es „Post Horror“, nennt es „Drama Horror“, nennt es „Arthouse Horror“, nennt es „Elevated Horror“. Mir egal. Das Genre freut sich seit einigen Jahren höherem Anspruch und großer Beliebtheit, neuen Anstrichen und mehr Tiefe als zuvor. Selbst wenn da manchmal der Spaß etwas flöten geht. Aber das ist ein anderes Thema. „Pelikanblut“ schmerzt und macht dennoch genug Hoffnung - und Spaß. Denn gute Filme machen eben Spaß. „Pelikanblut“ aber durchaus auf eine anstrengende und garstige Weise. Nina Hoss sehe ich immer gerne. Die Kinderdarsteller werden heftigst gefordert und vor allem das kleine Mädchen liefert realistisch angsteinflössend ab. Die Horroruntertöne sind subtil und clever. Die tierischen Analogien ebenso. Die Atmosphäre ist dicht und trotz auf den ersten Blick „deutschem Look“ könnte das alles kaum weiter entfernt sein vom typisch-deutschen Kino der letzten 20 Jahre. „Pelikanblut“ kann neben seiner internationalen Konkurrenz und zum Teil auch seinen klar erkennbaren Vorbildern bestehen. Eine faustdicke Überraschung, momentan auf Netflix und für Horrorfans ohne Angst vor Anspruch, Drama und echtem Kinderhorror ein Tipp, der sich zuerst mit Kacke eingeschmiert, dann aber gründlich gewaschen hat.
Fazit: sogar mehr als nur einer der stärksten deutschen „Horror“filme aller Zeiten. Der Anti-„Bibi & Tina“. Starker Tobak zwischen „Systemsprenger“ und „Babadook“. Gefährlich. Gefräßig. Gegenwärtig.