iHaveCNit: Milla Meets Moses (2020)
10.10.2020
Noch vor wenigen Tagen habe ich mir den deutschen Film „Gott, du kannst ein Arsch sein!“ angesehen, indem ein junges Mädchen das Leben nach einer Krebsdiagnose noch einmal genießt. Thematisch ähnlich, aber um einiges interessanter gestaltet sich hier das Krebs- und Coming-Of-Age-Drama „Milla Meets Moses“ bzw. „Babyteeth“ und Spielfilmdebüt der australischen Regisseurin Shannon Murphy, das mit einer interessanten und ungewöhnlichen Struktur und einem großartigen Cast daherkommt.
Auf einem Bahnsteig kommt es zur zufälligen Bekanntschaft zwischen der krebskranken Milla und dem Rumtreiber Moses. Während sie ihm mit ein wenig Kleingeld aushilft, hilft er ihr bei einem kleinen Schwächeanfall. Dafür darf er ihre Eltern – Ihr Vater ist ein gelassener Psychiater und ihre Mutter betäubt die Sorgen um die Tochter mit Tabletten - am gleichen Abend als ihr neuer Freund schocken. Nachdem Moses von ihren Eltern dabei erwischt wird, Medikamente zu stehlen, kommen ihre Eltern auf die Idee, ihn mit notwendigen Medikamenten zu versorgen, wenn er sich um Milla kümmert.
„Milla Meets Moses“ ist eine tolle Mischung aus Krebsdrama, Coming-Of-Age-Drama und auch eine Spur Liebesfilm. Die Struktur des Films und sein Aufbau ist auch sehr interessant und ungewöhnlich. Viele unterschiedliche Momente werden mit teils witzigen, passenden und auch konterkarierenden Überschriften eingeleitet und wie Kapitel eines Buches erzählt. Und die Schauspieler leisten hier einen unfassbar großartigen Job. Die junge Eliza Scanlen ist mir bereits in „Sharp Objects“ und „Little Women“ positiv aufgefallen und nun nutzt sie als Milla die große Chance perfekt, die Erfahrung einer Krebserkrankung und den Wunsch nach Spaß, einem erfüllten Leben und Glück in vielen großartigen Facetten und Nuancen darzustellen. Auch die Anziehung und Faszination, die sie gegenüber dem rumtreibenden Junkie Moses entwickelt ist spür- und nachvollziehbar und zu jeder Sekunde glaubhaft. Leider verpasst es der Film hier aber durchaus auch in vollem Maße die eigene Geschichte und die Hintergründe von Moses darzustellen, so dass der von Toby Wallace gespielte Moses dahingehend dann doch etwas blass gegenüber Scanlens Milla wirkt. Ein weiterer Pluspunkt sind Millas Eltern Henry und Anna. Der von Ben Mendelsohn großartig gespielte Psychiater Henry geht mit einer positiven Ruhe und Gelassenheit in die Situation, während die von Essie Davis gespielte Anna ihre Trauer mit Tabletten und Glücksgefühlen zu überspielen versucht. Dabei wechselt der Film spielend von Momenten des Glücks hin auch zu Momenten der Trauer mit einer Leichtigkeit und Bodenständigkeit, die großartig ist. Anders als in oben genanntem deutschen Beispiel verliert der Film jedoch bei all den lebensbejahenden Momenten nie die Schwere und Härte der Erkrankung aus den Augen, so dass hier eine starke emotionale Fallhöhe gegeben ist, die einen mindestens dann am Ende des Films bekommt und durchaus auch die ein oder andere Träne vergießen lässt.
„Milla Meets Moses“ - My First Look – 9/10 Punkte.