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Regisseur und Hauptdarsteller Nate Parker muss einen gewissen Eindruck bei Spike Lee hinterlassen haben, um ihn für sein Projekt als Produzenten zu gewinnen. Denn nachdem seinerzeit die Bewegung „Black Lives Matter“ ins Leben gerufen wurde, folgten einige filmische Aufarbeitungen des Themas, welche oftmals ein wenig plakativ gerieten. Parker versucht hingegen mehrere Blickwinkel zu durchleuchten und verhebt sich fast in diesem doch recht komplexen Bereich.

Als der ehemalige Marine Linc (Parker) mit seinem 14jährige Sohn Kajani (Tony Espinos) in eine nächtliche Verkehrskontrolle gerät, eskaliert die Situation und der Junge wird von dem Polizisten Mike (Beau Knapp) erschossen. Ein Jahr später wird Mike von allen Vorwürfen freigesprochen, woraufhin Linc mit einigen bewaffneten Kameraden das zuständige Polizeidepartment überfällt und einen Scheinprozess um Mike initiiert…

Parker bemüht einige Handkameras, was sogleich mit den Bodycams der Polizisten während der Kontrolle einsteigt und sich kurz darauf mit den Filmhandys eines Journalistenteams um Jordin (Shane Paul McGhie) fortsetzt. Allerdings ist der Stil nicht rein dokumentarisch gehalten, während der Einsatz dritter Sichtweisen allenfalls durch die Überwachungskameras im Polizeirevier beigefügt wird. Die Wahl jener Blickwinkel schürt zwar eine gewisse Nähe zu den Protagonisten, doch in der zweiten Hälfte erweist sie sich als nahezu überflüssig.

Die Mischung aus Drama und Thriller gerät mit dem Überfall aufs Revier in Fahrt und man wähnt zunächst eine simple Racheaktion hinter der Tat. Der Fokus richtet sich im Verlauf hingegen auf die vermeintlichen Geschworenen, die unter Absprache zu einem Urteil kommen sollen und sich diversen Fragen stellen müssen. Wäre der tödliche Schuss vermeidbar gewesen? Inwieweit haben Hautfarbe der Fahrzeuginsassen, Ort und Uhrzeit der Kontrolle einen Einfluss auf das Vorgehen der Cops?

Unter den Anwesenden (bestehend aus kurzzeitig Inhaftierten, einigen Cops und weiteren Zivilisten) entsteht eine recht lebendige Diskussion, die, weil jeder zu Wort kommen darf, phasenweise etwas ausufert und Randgebiete anschneidet, die sich ein wenig vom Kern entfernen, was aber gleichermaßen die Lebendigkeit der Argumentationen unterstreicht.
Es gibt treffende Beispiele für Vorverurteilung, Verallgemeinerung, Klischees die einen Teufelskreis bilden, aber auch ab wann jemand überhaupt aus rassistischen Beweggründen handelt.

Die Atmosphäre ist latent angespannt, begleitet von der Frage, ob und wie eine initiierte Verurteilung von Mike letztlich überhaupt ausfallen könnte. Parker streift dabei einige Male die Grenze des Melodramatischen, was nicht zuletzt durch den nicht gerade zurückhaltenden Score unnötig verstärkt wird. Im Gegensatz dazu performt die komplette Darstellerriege recht nuanciert, einige stechen mit starken Einzelmomenten positiv hervor.

Trotz der brisanten Thematik und den dazugehörigen Emotionen, wollte Parker keinen plumpen Rachefilm kreieren, noch simple Schwarzweißmalerei betreiben. Seinen Stoff trägt er bis auf wenige Momente eher ruhig vor, dennoch gelingt es ihm durchweg in Beschlag zu nehmen und ambivalente Sichtweisen einzubinden, während der Ausgang eine treffende Mischung aus Hoffnung und Zynismus markiert.
7,5 von 10

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