Womit ich den einen Western in der Filmographie Bruno Matteis und Claudio Fragassos dann auch mal endlich abgehakt hätte. Zugegeben, kurzweilig war er ja, wenn auch an einigen Dingen krankend: der billigen Produktion, der mittelklassigen Filmmusik, der absoluten Irrelevanz des Westerngenres im Jahre 1987... Ja, das hier ist nicht Young Guns.
Der Film zeigt den verdienten Benjamin Blümchen - / Bibi Blocksberg - Erzähler auf sinisteren Abwegen. Leider nur auf der deutschen Tonspur, aber trotzdem sehr effektiv darf Sprecher Joachim Nottke den Colonel Connor geben, einen grantigen alten Südstaaten-Choleriker, dessen Hobbies Geschichtsrevision, Sklaverei und Sadismus sind. Und in dieser Position versucht der ewig gestrige Konföderiertenopi die junge Stammeskriegerin Yari für sich zu gewinnen, wenn nötig wahlweise mit Bestechung oder roher Gewalt. Dass diese sich das nicht bieten lässt macht schon der Untertitel des Filmes klar ("Sie kämpft wie ein Mann!" tönt es da fast schon vom Cover) und so kann die weibliche Antwort auf Keoma sich aus den Händen ihrer Häscher befreien und auf einer abgelegenen kleinen Farm Zuflucht finden.
Auftritt des Ex - Soldaten Matt: Der eremitisch lebende Salonrassist pflegt unsere Protagonistin angewidert, aber dennoch fürsorglich wieder gesund und stellt bei der Gelegenheit fest, dass beide weit mehr gemeinsam haben als ihre Vorliebe für Kriegerpathos und zünftige Kämpfe: den gemeinsamen Erzfeind Connor. Was liegt also näher, als gemeinsam loszuziehen und konföderierte Ärsche zu treten, bis es kracht? Genau: sich gegenseitig anzukeifen, miteinander in der Koje zu enden und stundenlang durch die Prärie zu krauchen, bis die verhassten Gegner sich mal am staubigen Horizont blicken lassen!
Das ist im Grunde der gesamte Film: ein einziges zweisames Irren durch den Wüstensand mit dem gelegentlichen Kugel - bzw. Pfeilhagel und einigen saftigen Scalps garniert, die der Titel verspricht. Die wenigen abgetrennten Schädelschwarten sehen auch adäquat widerlich aus, während der Restgore, üblicherweise Schußwunden, eher zum Gähnen anregt. Und natürlich kann das ungleiche Paar aus einer Eingeborenen und einem Siedler keine neunzig Minuten im selben Film verbringen, ohne einander emotional zu verfallen, wobei es lustigerweise Matt ist, der sich am meisten ziert, sich seine Gefühle einzugestehen.
Aber das passt auch sehr zum emanzipatorischen Ansatz des Filmes, der kein feministisches Meisterwerk, aber doch zumindest etwas frauenfreundlicher ist als das Gros italienischen Exploitationkinos: Yari ist ihren Häschern eine gleichwertige, tödliche Gegnerin und gibt den Staffelstab der Damsel in Distress im Laufe des Filmes an Matt weiter, den sie dann zur Abwechslung aus Conners Händen befreien darf. Immerhin ein interessanter Ansatz in einem Film, der Klischees eines zu dem Zeitpunkt totgetretenen Genres wiederkäut.
Dem Film fehlt der mattei'sche Wahnsinn der lebenden Toten und der Contaminatoren leider völlig, dieses elende Soapgefühl stellt sich bei Betrachtung sehr schnell ein, zumal der ganze Film aussieht wie eine billige TV - Produktion. Dennoch ist der Film durchaus kurzweilig und zum Vorglühen eines Filmabends oder als schneller Westerngenuss für Zwischendurch bestens geeignet und weit von den Gurken entfernt, die der Maestro des Plagiarismo in den späten 2000ern verbrechen sollte. Man sollte halt nur ein Faible für Krauchszenen und vieeeeeel Geduld mitbringen. Pluspunkte für die Zuschauer, die jeden Western erkennen, von denen Mattei und Fragasso gestohlen haben. Was so ziemlich jeder gewesen sein dürfte...