Als vor ein, zwei Jahren seitens der chinesischen Staatsregierung die Devise bzw. die Proklamation herausgegeben wurde, dass das seit längerem auffällig prosperierende Filmbusiness in Zukunft den überwiegenden Teil der Umsätze nicht mehr nur im eigenen Land erwirtschaften würde, sondern sich als Global Player wie heute Amerika und Hollywood präsentiert, hatte man wahrscheinlich seine eigenen Grenzen nicht be- und hoffentlich auch nicht an Filme wie The Rookies gedacht. Eine scheinbar auch international ansprechende Produktion, die wie (bspw. Shanghai Job mit Orlando Bloom) mit einem bekannten westlichen Darsteller, hier Milla Jovovich und ansonsten einheimischen Darstellern besetzt und auch Locations außerhalb der Volksrepublik angelegt ist, und sich als buntes Unterhaltungswerk zwischen Action, Abenteuer und Spektakel präsentiert. Ausgeblendet dabei hat man inszenatorische Unzulänglichkeiten, die Regel, dass weniger manchmal mehr ist, sich landeseigene Ansichten von bspw. Humor nicht automatisch übertragen lassen und auch die Effekttechnik unterschiedlichen Anforderungen und v.a. Resultaten entspricht. Statt dem besten beider Welten oder einem schlichten Konzentrieren auf die eigenen Stärken und die eigene Tradition, die zum Beispiel ein The Golden Job (2018) noch behält, wird hier eher eine Art Abschreckung im großen Stil produziert, die von vornherein schon zum Scheitern verurteilt war und anders als Motiv und Initiative nun gar kein Publikum mehr anspricht. [Das Einspiel nach mehreren Verschiebungen u.a. vom Weihnachtsgeschäft '18 weg auf den Juli '19 betrug schlappe 3.25 Mio. USD; selbst Europe Raiders (2018) galt mit 22 Mio. USD als Misserfolg des Kommerzes.]:
Als der Extremsportler Zhao Feng [ Darren Wang ] bei einem Stunt für das Onlinepublikum unabsichtlich und auch nur per Zufall ein geheimes Treffen zweier gerade einen Austausch tätigenden Gangsterorganisationen sprengt und nur mit Glück und dem Eingreifen der Agentin 'Bruce' [ Milla Jovovich ] mit dem Leben davonkommt, sieht er sich selber zum Höheren berufen und wird auch von seiner Lebensretterin, allerdings eher als Ablenkung für weitere Missionen der sogenannten "Order of the Phantom Knighthood" engagiert. 'Bruce' ist hinter einem Giftgas her, dass der höchst kriminelle 'Iron Fist' [ David Lee McInnis ] für terroristische Akte nutzt, wobei die Reise von ihren Spezialisten und der Rookies-Truppe von Zhao Feng, seinem Kumpel Ding Shan [ Timmy Xu ], der jungen LV [ Liu Meitong ] und der von Interpol und Superintendent Chai [ Lam Suet ] eingeschleusten Miao Yan [ Sandrine Pinna ] schnell nach Budapest und dort ebenso schnell in die Gefahren geht.
Das hauptsächliche Problem, das der Film hat und was man auch schon in der Titelsequenz, eigentlich bereits in der Vorschau der 'coming attractions' sieht, ist die Überinszenierung des Ganzen, die auf Nichts und Niemand Rücksichten nimmt. Eine unecht bunte, noch zusätzlich mit auffälligen Farb- und Filteranstrich versehene (vermeintliche) optische Optimierung, welche noch zusätzlich und damit bis zum Exzess und drüber von Kamera und Schnitt überreizt wird und alle Sinne auf einmal dämmt. So wie hier im scheinbar hippen Stil zwischen internationaler Moderne und Anbiederung an sowohl Hollywood (in Form von speziell XXX: Return of Xander Cage, der jüngeren The Fast and the Furious Reihe und auch Transformers) und eher jüngeres Publikum gedreht, erscheint der Film bereits von den ersten seltsamen Minuten an wie das Werk eines a) überambitionierten Debütanten, oder b) eines Regisseurs, der nicht weiß, was er tut und sein Heil in der Flucht sucht oder c) eines Mannes, der die Schwächen des Drehbuchs kennt und diese auch möglichst kompensieren will, aber weit über sein Ziel hinausschießt.
Regisseur Alan Yuen hat das Skript selbst geschrieben. Yuen ist auch kein Debütant, er hat u.a. auch mit größerem Geld den Modern Day Actionthriller Firestorm (2013) im Milieu von Cops VS Robbers, ein phasenweise auch überdrehtes, aber durchaus effektives Feuerwerk mit brachialen Schießereien und voluminösen Detonationen bis hin zu einstürzenden Wolkenkratzern und aufgerissenen Straßenzügen fabriziert; ein von Publikum und Kritik durchaus wohlwollend aufgenommenes Bloodshed- und Blockbusterkino, von dessen Qualitäten hier kaum noch etwas zu sehen ist und den Vorschusslorbeeren nichts mehr überbleibt. Vieles wirkt hier einfach nur gewollt und nicht gekonnt, künstlich statt bodenständig, mit vielen sinnlosen Kameraeinstellungen, die nicht nur ungewöhnliche, sondern auch nutzlose Blickwinkel liefern und wo das eh schon hibbelige Bild noch mit diversen Animationen, Texteinblendungen, Pop-up Nachrichten, grafischen Veranschaulichungen, eine Zeichentrickeinlage und anderem Kladderadatsch plus zusätzlich noch merkwürdigen Gewaltaussetzern (blutige Kopfschüsse und allgemein das Zeigen von Einschusslöchern, zwei abgetrennte Beine und das Überfahren und so Töten eines Bösewichts, als Gag) vollgestopft wird. Die Figuren sind Karikaturen und grimassieren um die Wette und überspannt sind sie auch noch allesamt. Kurz gesagt: Das taugt alles nichts.
Mit ein bisschen guten Willen, um in Erinnerungen zu schwelgen und dem ganzen Ärgernis hier mehr Bedeutung zu schenken, kann man auf die aus Not kurz vor dem Millennium entstandenen ersten Gehversuche des damaligen HK-Kinos in diese Richtung Action-/Agenten-/Abenteuerfilm wie die ungleich ernsteren Downtown Torpedoes (1997) oder Enter the Eagles (1998) verweisen; Werke, die selbst zu der Zeit aber schon positiv aufgenommen wurden und über die Jahre und die Veränderungen der Filmindustrie eher noch am Gewinnen war und kürzlich mit einer Reihe unabhängiger Projekte wie die oben erwähnten The Golden Job und Europe Raiders, The Adventurers (2017), Bounty Hunters (2016) oder Horseplay (2014) mehr oder minder (nicht) erfolgreich wiederbelebt. Hier wie dort und oft geschehen geht man auch den Weg nach Europa, wegen der preiswerteren Struktur oftmals in die östlichen Gebiete, die hier mit einem Ausflug nach Budapest bedient werden und wo dann bald neben vielerlei Postkartenaufnahmen auch eine ganze Menge Langnasen im Bildkader am herumlaufen sind. Es gibt die üblichen Gadgets aus der Manege und einen von langer Hand geplanten Einbruch in ein schwer bewachtes und sowieso und überhaupt undurchdringliches Geheimversteck und anschließend das große Kesseltreiben, wobei einzig und allein die Hoffnung auf ein paar anständige Action- und Spektakelszenen die Optimisten noch wach am Leben hält.
Trotz sichtlich viel Aufwand und Bemühen in dieser Hinsicht, mit gleich drei unterschiedlichen Verfolgungsjagden auf den Straßen Ungarns, einer Massenkarambolage und auch urbanen Materialschlacht sowie zusätzlich addierten Kampf- und Schießeinlagen (unter Aufsicht von Stephen Tung Wai) überzeugen auch diese nicht. Die jeweilige Autohatz ist oftmals mit Gimmicks 'angereichert' und so zugleich verwässert, außerdem gehen einige der besseren Stunts im allgemeinen Effektfeuerwerk unter, und wirken die Szenen zuweilen auch beschleunigt abgespielt.