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von Moonshade

Kritik der "Erlanger Nachrichten"

Aus: "Erlanger Nachrichten - 23.11.2002"

Mafiastory mit vielen Morden

Lamm: „Kombinat“-Filmpremiere

Einen Hauch von Cannes hatte die Filmpremiere von Marian Ehrets aktuellem Streifen „Kombinat“ bereits. Denn während nach einer regulären Filmvorstellung in den Lamm-Lichtspielen die Technik noch umgebaut werden musste, harrten die Massen draußen auf der nächtlichen Hauptstraße in gespannter Erwartung. Gekommen waren hauptsächlich Freunde und Bekannte, denn für die Premiere gab es keine aufwendige Werbung. „Bei uns funktioniert viel über Mundpropaganda“, erzählt Elias Buchwald, einer der Mitwirkenden. Er nimmt es denn auch gelassen, dass die Vorführung über eine halbe Stunde später als geplant beginnt. „Bei den Proben für die Technik hat alles in zehn Minuten geklappt. Klar, dass zur Premiere was schief geht. Murphy‘s Law eben“, kommentiert er geduldig.Mit fränkischem AkzentDanach gefragt, mit welchen Reaktionen seitens des Publikums er rechnet, zuckt er mit den Schultern: „Ich habe den Film schon Freunden in Berlin gezeigt. Die waren ganz schön kritisch und fanden es witzig, Türken mit fränkischem Akzent zu hören. Wie der Film hier ankommt, wird sich zeigen. Wir haben keine Umfragen geplant. Wer seine Meinung äußern will, kann das natürlich jederzeit tun.“ Als es dann endlich los geht und sich die ersten Schwarzweißbilder bewegen, sind die 117 Stühle im Lamm-Kino komplett besetzt — was bisher nicht jeder Regisseur geschafft hat.Die erste Leiche fällt hinter irgend einer abgelegenen Lagerhalle. Und während die zweite in einem Müllcontainer verschwindet, ertönt Beethovens „Freude schöner Götterfunken“. Bis zum Schluss gibt es neun weitere Morde — und das alles innerhalb von gerade mal 45 Minuten. Weder ein britischer Spezialagent noch ein genialer Privatdedektiv werden sich dieser Verbrechen annehmen, denn am Ende gewinnt die Mafia. Zumindest in Erlangen. Nach dieser dreiviertel Stunde weiß man nicht, ob einem die Musik am besten gefallen hat oder doch die Geschichte. Ungewohnt ist „Kombinat“ auf jeden Fall. Dabei hat der Streifen alles, was in Hollywood schon seit Jahrzehnten zu den guten Filmzutaten gehört: Liebe, Eifersucht, Pistolen. Weil aber jeder Koch das Rezept nach seinem eigenen Geschmack abwandelt, ist auch Ehrets Film anders. Die Story hakt an der einen oder anderen Stelle, die Dialoge sind mal erfrischend wenig einstudiert, mal übertrieben schmutzig. Dicke Goldketten, starke Autos und gegelte Muskelmänner sind nicht jedermanns Sache. Doch darauf kommt es nicht an. Ehret will übertreiben, und mit diesem Gedanken im Hinterkopf kann man sich den Streifen vielleicht entspannter anschauen. Dabei entdeckt man gekonnte Einstellungen, überlegte Kameraführungen und interessante Schnitte.Ob das reicht, auch weiter Kinosäle zu füllen, wird sich zeigen. Immerhin machen Ehret und sein Team kaum den Eindruck, als sei dieser Streifen das alleinige Maß ihres Könnens. e.l.

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