Review

Es gibt viele Gründe, weshalb man als eingefleischter B-Movie-Fan Robot Holocaust nicht verpassen sollte. Doch es ist eine ganz bezaubernde Frau, die Tim Kincaids Endzeitschlocker in eine Must-See-Dimension hievt. Wo zum Teufel hat Kincaid nur diese unfaßbaren "Talente" aufgegabelt, die seine Filme entscheidend veredeln, nur um danach wieder völlig von der Bildfläche zu verschwinden!? In Mutant Hunt (1987) ist das Stormy Spill als Domina, die jede Szene, die sie mit ihrer Anwesenheit beehrt, an sich reißt und damit sämtliche Kollegen zu Statisten degradiert. In Robot Holocaust ist es Angelika Jager, die als selbstgefällige Superbitch Valaria allen anderen die Show stiehlt. Aufgrund des Akzentes, der ihre Dialoge versüßt, vermute ich stark, daß Angelika Jager tatsächlich Angelika Jäger heißt und Deutsche oder Österreicherin ist. Vielleicht wurde sie von Kincaids Talente-Scouts am Strand entdeckt, als sie gerade in Amerika urlaubte. Oder beim Shoppen. Oder in einer Disco? Who knows? Relevant ist auch einzig und allein, daß man sie gefunden hat, und daß man ihr die Rolle der megabösen Valaria anvertraute.

Valaria ist so was wie die rechte Hand von "The Dark One", der nach der Roboterrebellion von ?33 die Macht an sich gerissen und die überlebenden Menschen versklavt hat. Diese müssen nun unter Tage schuften, da der Herrscher die Atmosphäre kontrolliert und nach Gutdünken die Luft einfach mal abdrehen kann (weshalb man die Unterdrückten auch Airslaves nennt). Neo "from the Wastelands" (Norris Culf) schart eine Gruppe tapferer Kämpfer um sich, und gemeinsam macht man sich auf, der grausamen Tyrannei ein für allemal ein Ende zu setzen. Valarias Aufgabe ist es, die Rebellen aufzuhalten, bevor sie die Schaltzentrale des Bösen, die sogenannte Power Station, erreichen. Es entwickelt sich fast zu einem Running Gag, daß Valaria ein ums andere Mal kläglich scheitert, was ihrem ausgeprägten Selbstbewußtsein jedoch nichts, aber auch gar nichts anhaben kann.

Valaria ist der absolute Oberhammer; ich habe mich sofort in sie verliebt. Ihre Bewegungen, ihre Mimik, wie sie spricht, die Betonung bestimmter Wörter bzw. Silben, der herablassende Unterton... diese kongeniale Mischung aus sadistischer Arroganz und gelangweilter Realitätsverweigerung, gekoppelt mit ihrem beachtlichen Sex-Appeal... einfach nur göttlich! Daß ihre Performance dann noch an eine Hamlet-Darbietung der örtlichen Laienspieltruppe erinnert, welche sich gerade auf einem vergnüglichen Drogentrip befinden, ist nur das Sahnehäubchen auf der leckeren Torte.

Ja, Angelika Jager als Valaria ist der unumstrittene Star der Show, was jetzt aber nicht heißt, daß Robot Holocaust sonst nichts zu bieten hätte, ganz im Gegenteil. Verunstaltete Mutanten, männerhassende Amazonenkrieger (Motto: "Men... they're all useless and crazy. We use men to breed with us to create future warrior women. Then we dispose of them."), böse Roboter, gute Roboter (C-3PO läßt grüßen!), drollige Wurmkreaturen (mit Biberzähnen!!!), diverse Kämpfe, etwas Gore und ein paar Titten, eine Pleasure Machine (als Belohnung für geleistete Dienste), herrlich bescheuerte Dialoge ("Suit yourself. If we wake up dead in the morning, we'll know who's to blame."), eine atemberaubende Bombenentschärfungsszene, und eine hungrige Riesenspinne. Von letzterer bekommt man allerdings - wohl aus Kostengründen - nur ein behaartes Bein zu Gesicht, dafür sind die biberbezahnten Würmer ein echter Hit, da diese frappant an Handpuppen erinnern (was sie bestimmt auch sind). Das Ende ist an Dramatik kaum zu überbieten: Verrat, Bestrafung, Kämpfe auf Leben und Tod, Mutation, Erlösung, akute Luftknappheit... das volle Programm halt.

Robot Holocaust
ist ungemein sympathischer Quatsch, der - wie bei Kincaid üblich - mit einer eigenwilligen, fast surrealen Atmosphäre punktet, die den preisgünstig produzierten Endzeitstreifen von der Konkurrenz deutlich abhebt. Das Tempo ist recht hoch, da eine abstruse Situation die nächste jagt, und beim Synthesizer-Soundtrack sollte jedem Fan der Achtziger warm ums Herz werden. Robot Holocaust ist ein amüsant-schräges Schlockfest, welches das Herz definitiv am rechten Fleck hat. Nicht gut im Sinne des Wortes, aber - um Mr. Spock zu zitieren - "faszinierend". Immens faszinierend.

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