Review

Einem Kriegshelden ein filmisches Denkmal zu setzen, ist eine oftmals zweifelhafte Angelegenheit hinsichtlich 17 Millionen Toter im Ersten und 60 Millionen im Zweiten Weltkrieg. Die Regisseure Gonçalo Galvão Teles und Jorge Paixão da Costa können sich immerhin darauf berufen, dass ihrem Protagonisten zu Ehren das portugiesische Dörfchen Valango in Valango de Milhais umbenannt wurde.

Es ist die vierte Flandernschlacht im April 1918: Portugiesische Soldaten verteidigen ihre Position im Schützengraben. Kurz vor dem Abzug entscheidet sich Anibal Augusto Milhais, seinen Kameraden den Rücken freizuhalten, während er sich einer Übermacht deutscher Soldaten gegenüber sieht…

Die Handlung ist in zwei Ebenen aufgeteilt: Einerseits das Kriegsgeschehen anno 1918 und andererseits 1943 in der ländlichen Heimat von Milhais, wo er mit seiner Tochter den Spuren eines Wolfes nachgeht. Eine Einheit ergeben die Bilder, trotz einiger fließender Übergänge leider nicht, denn die malerischen Landschaften des portugiesischen Hinterlandes und dem umherstreunenden Wolf bilden innerhalb ihrer weitgehenden Entspanntheit einen merkwürdig unpassenden Ruhepol zum Kriegstreiben, bei dem die Männer in den Gräben oftmals unter Dauerbeschuss stehen.

Spannung will sich auf beiden Ebenen lange nicht einstellen, obgleich Milhais 1943 kurzfristig in eine prekäre Lage gerät, während der Feind 1918 scheinbar zusehends die Oberhand gewinnt. Aufgrund der sprunghaften Erzählung, bei der die Kriegswirren wie wahllose Momentaufnahmen daherkommen, entsteht kaum ein ordentlicher Fluss. Erst im letzten Drittel, als der Titel mehr und mehr an Bedeutung gewinnt, kommt ein wenig Suspense auf.

Den Menschen Milhais lernt man bei alledem nicht wirklich kennen. Der liebevolle Umgang mit der Tochter lässt ihn zwar oberflächlich sympathisch erscheinen, doch der Wolf als Metapher für den einsamen Kämpfer funktioniert nur leidlich und veranschaulicht eher schwammig, dass Milhais offenbar noch unter einem Trauma leidet. Die innige Zuneigung zur Frau, während des Krieges immer wieder mit dem Griff zu einem gestickten Tuch verdeutlicht, verkommt indes zu einem plumpen Klischee, denn 1943 erscheint die Dame nur noch als unwesentliche Randerscheinung.

Immerhin, die biographisch inspirierte Geschichte ist ordentlich besetzt und wird darstellerisch passabel bekleidet, während der Score zwar zuweilen über Ziel hinausschießt, insgesamt jedoch die Stimmung zu treffen vermag. Dennoch mangelt es an emotionaler Wucht, was in der Fehlentscheidung begründet ist, mit zwei Parallelhandlungen zu arbeiten, anstatt auf eine kleine Rahmenhandlung am Anfang und Ende zu setzen. Die Kriegsaction ist okay inszeniert, ein wenig Spannung kommt jedoch erst im letzten Drittel auf, als klar wird, wie viel Milhais mit seiner eigenwilligen Entscheidung riskierte.
Ob dieser Film seinem Andenken gerecht wird, ist allerdings eher fraglich.
4 von 10

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