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Dänische Horrorthriller sind nicht gerade das, was der Genrefan regelmäßig in die Finger bekommt. 1994 gab es mit „Nightwatch“ einen kleinen, stimmungsvollen Streifen von Regisseur Ole Bornedal, welcher zuletzt 2009 mit „Deliver Us from Evil“ erneut überzeugen konnte. Regieneuling Søren Juul Petersen könnte in dessen Fußstapfen treten, der bereits mit seinem Debüt eine überzeugende Leistung abliefert.

Ein sportliches Großereignis lockt die Zuschauer vor die Fernseher, weshalb die Nachtschicht an der Tankstelle für Psychologiestudentin Agnes (Anne Bergfeld) und Kollegin Belinda (Karin Michelsen) nicht sonderlich aufregend verläuft. Zwar verhalten sich einige der wenigen Kunden ein wenig seltsam, doch das soll erst der Anfang einer Alptraumnacht sein…

In der ersten Hälfte wandelt Petersen ein wenig auf den Spuren von Bornedal, aber auch zu John Carpenter sind Parallelen auszumachen. Die nächtliche Tankstelle erzeugt eine teils unwirkliche Atmosphäre, die fast schon ein wenig Endzeitstimmung mit sich bringt. Die schlichte Ausstattung der wenigen Räumlichkeiten, kaum Informationen von außen (das Sportereignis verfolgen die beiden Frauen nicht) und die leicht unterkühlt wirkenden Dialoge schüren ein latentes Unbehagen, welches bei Ankunft einiger Kunden deutlich ansteigt.

Da die Geschichte nicht gänzlich chronologisch erzählt wird, nehmen erste Einstellungen bereits vorweg, dass jemand in Gefangenschaft gerät. Später vermengen sich die Zeitebenen mit kleinen Sprüngen, was dramaturgisch recht geschickt angegangen wurde. Hat man es zunächst mit einem waschechten Thriller zu tun, geht der Stoff nach und nach zu einem ebenso waschechten Folterfilm über, der einige harte Einstellungen beinhaltet, die im Kontrast zur ruhigen ersten Hälfte umso unvermittelter zuschlagen. Spätestens als ein Schraubenschlüssel ins Spiel kommt, dürften Zartbesaitete Probleme bekommen, zumal die handgemachten Effekte durch die Bank überzeugen.

Gleiches gilt für die wesentlichen Mimen. Bergfeld und Michelsen ergänzen sich wunderbar, performen angenehm natürlich und bodenständig, während Damon Younger als sehr präsenter Folterknecht mit Clownschminke einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Früh sticht auch die versierte Kamera ins Auge, die rund um die Tankstelle ein paar effektive Perspektiven einbindet und mithilfe des gekonnten Schnittes für spannende Momente sorgt.

Søren Juul Petersen, - den Namen sollte man im Hinterkopf behalten, denn der Regieneuling vermag eine prinzipiell simple Story gut zu verpacken und mit einfachen Mitteln Suspense zu erzeugen. Speziell auf atmosphärischer Ebene punktet die erste Hälfte, die zweite flacht diesbezüglich ein bisschen ab, bringt im Gegenzug jedoch einige teils kompromisslose Härten ins Spiel. Einfach, aber effektiv.
7,5 von 10

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