Home Invasion muss nicht zwangsläufig nach wiederkehrenden Mustern ablaufen, wie Regisseur und Co-Autor Olivier Abbou („Territories“) untermauert. Vielmehr spielt das Schicksal der Ausgesperrten eine Rolle in dem zunächst als Drama konzipierten Geflechts, welches sich erst im finalen Akt zum knallharten Thriller mausert.
Paul (Adama Niane), seine Frau Chloe (Stéphane Caillard) und Sohn Louis staunen nicht schlecht, als sie von einer Campingtour zurückkehren und die Babysitterin nebst Mann ihr eigenes Haus okkupiert haben, was aufgrund einer Gesetzeslücke über Wochen unanfechtbar scheint. In dieser Zeit lernt der schüchterne Paul den Rowdy Mickey (Paul Hamy) kennen, der ihn mit seiner feucht-fröhlichen Lebensweise in einen Sog zieht und diverse Möglichkeiten in Betracht zieht, das Haus zurückzuerobern…
Basierend auf einer wahren Begebenheit, stellt man sich anfangs unweigerlich die Frage, was denn das für ein juristisches Unding ist, von der Polizei vom eigenen Grund und Boden abgeführt zu werden. Möglicherweise ticken die Gesetzte in Frankreich diesbezüglich ein wenig anders. Rasch erfährt man, dass die Beziehung des Paares seit einiger Zeit leidet, während Paul stets damit zu kämpfen hat, über seinen Schatten zu springen. Überempfindlich gegenüber vermeintlich rassistischen Begebenheiten oder Äußerungen, meint Paul über sich selbst, er sei außen schwarz, doch innen ein Weißer, was es recht gut auf den Punkt bringt.
Insofern macht Paul keine Wandlung durch, sondern lässt sich in Beschlag nehmen von Mickey und dessen zweifelhaften Umgang, während die Entwicklungen rund ums Eigenheim einige Zeit stagnieren. Es ist der teils verzweifelte Kampf eines Mannes, seine Männlichkeit unter Beweis zu stellen, oder wie Rocky Balboa es formulieren würde: Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss.
Ein wenig zu lange verweilt man allerdings in diversen Clubs, bei einigen Gelagen und Feiern, obgleich erahnbar ist, dass sich der negative Einfluss von Mickeys Dunstkreis irgendwann mit der latenten Zurückhaltung Pauls beißen wird. Folgerichtig hat man es einige Zeit mit einem Schwelbrand zu tun und dieser wandelt sich im finalen Akt zum Inferno, wo es letztlich doch noch um Haus und Hof geht. Hier wird zwar einige Male deutlich übers Ziel hinausgeschossen und es schwingen einige Logiklöcher mit, doch eine gewisse Entladung war definitiv unausweichlich. Auf moralischer Ebene fällt die Pointe jedoch mindestens fragwürdig bis diskutabel aus.
Das treffend besetzte und solide performte Geschehen offenbart insgesamt eine angemessene Vielschichtigkeit und konzentriert sich erst zuletzt mit den Konfrontationen rund ums Haus.
Das ist über weite Teile nicht übermäßig spannend erzählt, da es lange Zeit an Konfrontationen mangelt, stattdessen überschlagen sich die Ereignisse zum Showdown.
Insofern sollte man in erster Linie ein Drama erwarten, das aufgrund seiner bedrückenden Atmosphäre bei Laune hält und sich die Frage stellt, wie viel Männlichkeit vonnöten ist, um dem einen oder anderen Lebensziel näher zu rücken, ohne sich dabei selbst zu verlieren.
6,5 von 10