Review

HeiligenSchein


„Saint Maud“ ist ein verstörendes Charakterdrama mit Horroraspekten, stark religiösen Untertönen (vor allem kritischen?!) und klasse Darstellern, feinsten Bildern und wummernden Bässen, die die untergründige Unruhe nur noch verstärken. Wirklich ein Erlebnis. Kompakt, konzentriert, knackig. Aber definitiv mit Wiederspielwert und dem Potenzial sich festzusetzen - egal ob in der Gänsehaut, im Kopf oder im Mark. Erzählt wird von einer palliativen Krankenschwester, die sehr gläubig ist und regelmäßig scheinbar von einer göttlichen Instanz berührt wird. Doch als ihre krebskranke, sterbende Patientin sehr wild und sexuell befreit lebt, kommt die junge Frau in Versuchung und einen inneren Konflikt...

Glauben und Religion. Sie können heilen und helfen. Sie können aber auch zerstören und schmerzen. „Saint Maud“ bringt seinen ganz eigenen Spin auf dieses heikle Thema und geht oft genug dorthin, wo es weh tut. Und da ist’s egal ob man der überzeugteste Atheist oder regelmäßiger Kirchengänger ist, ob man mit Gott gar nichts anfangen kann oder mit ihm zumindest regelmäßig redet, sei es auch nicht in extra weltlich dafür eingerichteten Räumen. „Saint Maud“ geht nur 80 Minuten und ist zwar ein Slowburn - kommt aber dennoch sehr schnell und umweglos zu seinen Punkten. Mit viel Spielraum für Theorien und Interpretationen. Aber noch mehr Faszination und Entsetzen - selbst wenn man sich noch keinen ganz durchblickenden Reim auf diese wahnsinnige Spirale gemacht hat... 

Fazit: der G(ott)-Punkt. Maria Fuckdalena. Sakraler Spuk über sexuelle Freiheit, Glauben, Menschsein und Tod. Am Ende regelrecht verstörend. Masochistische Märtyrerin. Dämonische Druckpunkte. Befreiend gut! 

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