Ellenbogenetagen
In einer Gesellschaft, die Klopapier hortet und Egoismus schiebt,
auch das Kino natürlich Federn lässt und siebt.
Dieser Netflix-Genretipp aus Spanien sticht da in offene, entzündete Wunden,
dreht da doch ein Mann in einer Art Aufzugschachtgefängnis seine Runden.
Jeden Tag hält eine Plattform bei dir und deinem Zellengenossen an,
kurz hast du Zeit, ausreichend viel Nahrung zu bringen in den Mann.
Klar, umso tiefer die eigene Ebene und Etage,
desto weniger die übrigbleibende Marge.
Da wird gerotzt, gekämpft, gestopft und gebissen,
wer da weit unten im Schacht ist hat wortwörtlich verschissen.
Dabei wäre eigentlich genug für alle da,
doch Gier und Ego sind bei jedem Einzelnen der Star.
Unangenehm nah also an der (aktuellen) Realität,
wacht auf Leute, ändert euer Verhalten, denkt nicht nur an euch, sonst ist es bald schon zu spät.
„The Platform“ hat eine simple, eindeutige Message und Idee,
ein Sci-Fi-Kammerspiel, das nahe dran ist, am Loben über'n Klee.
Was tun, wie ein System und den eigenen Schweinehund überwinden,
schafft die Welt noch die Kurve, das wichtigste Stück Menschlichkeit zu finden?
Dieser brutale, schmerzhafte Weckruf kommt also genau recht,
denkt daran einfach mal, wenn ihr morgen vor der Toilettenpapierpalette steht in echt.
Erbarmungsloses Genrekino trifft hier auf intellektuelle Fragen,
dass ich euch nicht gewarnt hätte, kann danach keiner von euch sagen.
Fazit: deutliche Sozialkritik, baskisches Genrekino vom Feinsten. Fies, hart, simpel und bockstark. In einer Reihe mit „Cube“, „The Raid“, „Snowpiercer“. Fressen oder gefressenen werden. Virusfutter, roh und akut. Wenn auch manchmal etwas sehr auf die Nase... So geht dreckige Dystopie, so geht modernes Mitternachtskino!