Review

Als der spanische Filmemacher Galder Gaztelu Urrutia seine Dystopie drehte, spielten Menschen Fußball, gingen zu Konzerten und verabredeten sich zum Essen. Dass seine Gesellschaftsparabel unter coronatischen Umständen mal derart aktuell sein könnte, beweisen nicht zuletzt leere Supermarktregale, - nobel geht die Welt zugrunde und Hauptsache der Arsch ist sauber.

Goreng nimmt freiwillig an einem Experiment teil und lässt sich in den Schacht sperren. In diesem befinden sich mindestens 178 vertikale Zellen mit jeweils zwei Insassen auf einer Ebene. Einmal pro Tag wird eine große Festtafel mit edlen Speisen und Getränken von oben nach unten herabgelassen, wobei ganz unten natürlich nichts mehr ankommt. Einmal pro Monat wechseln die Menschen die Ebenen. Als Goreng eines Tages auf Ebene sechs ankommt und eigentlich ein Grund zur Freude bestünde, fasst er einen folgenschweren Plan…

Das Kammerspiel kommt ohne Umschweife zur Sache und erklärt die Regeln des Systems anhand der Gespräche zwischen Goreng und seinem unfreiwilligen Mitbewohner Trimagasi.
Jeder darf einen beliebigen Gegenstand mitführen und nur solange vom Tisch speisen, wie dieser auf der Ebene hält, wonach das Verstauen von Resten hart sanktioniert wird. Töten und das Verspeisen von Menschen ist zumindest nicht untersagt und es gibt immerhin Leitungswasser.

Aufgrund der schlichten Aufmachung und der spannenden Ausgangssituation fesselt der Stoff von Beginn an und stellt früh die Frage nach Solidarität. Denn bei halbwegs genauer Einteilung der zunächst üppigen Tafel bliebe selbst ganz unten noch ein Rest übrig. Doch wie ist es mit dem Zusammenhalt einander fremder Menschen unter prekären Lebensumständen bestellt? Muss man auf Ebene 70 schon zufrieden sein, wenn noch ein paar Knochen abzunagen sind, während ganz unten nur noch das Geschirr übrig bleibt?

Hauptfigur Goreng kommt so gesehen viel herum und lernt innerhalb des Systems die Extreme kennen, was zuweilen tatsächlich einen halbwegs stabilen Magen voraussetzt.
Neben der auffallend versierten Kamera und den durchweg guten darstellerischen Leistungen ist es primär der überaus treffende Score mit seiner ungewöhnlichen Perkussion, der einige Akzente in Sachen Atmosphäre setzen kann.

Leider verzettelt sich der Stoff gegen Ende auf metaphorischer Ebene und vermag die Extreme nicht mehr zu steigern, zudem lässt er einige Fragen offen. Dennoch bringt der spanische Sci-Fi-Thriller frischen Wind ins Genre und überzeugt mit seinem garstigen Konzept, sowie der flotten, aufs Wesentliche konzentrierten Umsetzung.
7,5 von 10

Details
Ähnliche Filme