Spannende Allegorie auf die menschliche Gesellschaft in surrealistischem und futuristischem Gewand, mit Anklängen an den Stil von Filmen wie "Cube" oder "Saw", in der die Hauptfigur Goreng gegenüber eines Mitstreiters am Schacht eines turmähnlichen Gebäudes auf Ebene 48 aufwacht und langsam hinter die Phänomene und den Sinn dieses Gesamtkomplexes geraten möchte. Hierbei erfährt er von einem hierarchisch strukturierten Turm aus über 132 Ebenen, in deren Schacht von oben nach unten ein reich gedeckter Tisch entlang auf einer Plattform schwebt, an der sich jeder bedienen darf. Die Menschen auf den unteren Ebenen haben da natürlich das Nachsehen. Von Monat zu Monat wird man im Schlaf willkürlich von der "Verwaltung" des Gefängnisturms auf eine andere Ebene verlegt und hat potentiell die Möglichkeit ein Mitgefühl für die Menschen auf anderen Ebenen zu entwickeln.
Offensichtlich steht die ganze Szenerie sinnbildlich für den gesellschaftlichen Zustand in einem völlig enthemmten Turbokapitalismus, in dem ein Aufstieg nicht möglich ist, die oberen Ebenen der Gesellschaft nach den Unteren treten und diese wiederum auf die Oberen schimpfen. Oftmals vor allem indem man eigene Verhaltensweisen auf die andere Schicht projeziert. Leider hört man in der Rezeption bisher kaum, dass der Film neben harter Kapitalismuskritik insbesondere im letzten Drittel auch deutliche Kritik an den extremistischen (Kommunismus, Sozialismus), oder religiösen (Heilslehre, Messianismus) Antworten auf den Kapitalismus auffährt und letztlich in der zunächst moralisch handelnden Figur Goreng schon fast nihilistische Züge hervorhebt, da ihn die beinharte Realität vom ursprünglichen Idealismus wegtreibt und metaphorisch gesehen sogar in die Hölle hinabsteigen lässt. Den Film nur auf Kapitalismuskritik zu reduzieren, wird ihm meiner Meinung nach nicht gerecht, er stützt sich zum Glück auch auf andere Narrative, als nur nach Schema F die "böse" Wohlstandsmaximierung anzuprangern.
Neben einer wirklich spannenden Grundkonzeption, die sich dem Zuschauer nur nach und nach entfaltet, punktet der Film sowohl optisch, als auch im Bezug auf philosophische Fragestellungen, hier insbesondere im Bereich der Moral- und Sozialphilosophie. Ob man mit den Lösungsansätzen und der Kritik, die der Film ausbreitet konform geht, muss jeder selbst für sich entscheiden - die sinnbildhafte und auch multiperspektivische Darstellung der Verrohung einer Gesellschaft, die die Schwächsten auf der Strecke lässt, in der aber auch die Wut auf die Stärksten irrationale Züge trägt, regt zumindest zum Reflektieren an.
8/10