Review

iHaveCNit: (on Streaming): Sound of Metal (2020)
seit 04.12.2020 auf Amazon Prime
gesehen am 12.12.2020

Trotz der aktuellen kinofreien Zeit gibt es dann doch noch ein paar Filme im Streaming-Angebot, die mich interessieren und für die ich dann auch mal die Leinwand gegen den Laptop eintausche. Ein Film davon ist Darius Marders Regiedebüt „Sound Of Metal“ mit Riz Ahmed und Olivia Cooke in den Hauptrollen, der mich wirklich begeistert und fasziniert hat.

Ruben und Lou touren als zweiköpfige experimentelle Metalband „Blackgammon“ durch die Clubs, doch die zunehmend laute Atmosphäre führt bei Ruben allmählich zu einem irreparablen Gehörschaden. Während er infolgedessen bei einer Gehörlosen-Community unterkommt und Abstand von der Musik und Lou nehmen muss, lernt er zu sich selbst und mit der Situation umzugehen. Doch er muss auch die Entscheidung treffen, ob er von seinem alten Leben loslassen kann oder nicht.

„Sound of Metal“ - dieser Filmtitel könnte den Einen oder Anderen ein wenig in die Irre führen. Um Metal im Sinne der Musikrichtung geht es im Grunde weniger. Bis auf die Tatsache, dass es hier um einen Schlagzeuger einer experimentellen Metalband geht. Viel eher ist das nur der Aufhänger eines großartigen Charakterdramas, das nicht nur einen tollen Einblick in die Gehörlosen-Community der vereinigten Staaten liefert, sondern darüber hinaus auch ein großartiges Sounddesign bietet. Riz Ahmeds Schauspiel in der Rolle des Ruben ist extrem stark, glaubwürdig und unsentimental. Die Reise, die sein Charakter hier durchmacht und die Entscheidungen, die er trifft und treffen muss, gingen mir unter die Haut. Damit wir als Zuschauer auch die Klangwelt für Ruben wahrnehmen können, bekommen wir auch durch das großartige Sounddesign die Umgebung auch mal aus der Sicht von Ruben zu hören. Von einem zunehmend dumpferen Klang und Rauschen bis hin zur Gehörlosigkeit zu der Wahrnehmung von dumpfen Geräuschen nur über den Körper; über die verzerrte Wahrnehmung der Klangwelten nach einer Operation bis hin zu kompletter Stille und Ruhe – das alles ist unfassbar großartig in den Film integriert, so dass es richtig spürbar ist. Aber auch die wichtigste Nebenrolle mit Olivia Cooke´s Lou, die sowohl Sängerin, Gitarristin als auch die Freundin von Ruben ist, ist großartig. Mit welcher Empathie sie der für Ruben nicht einfachen Situation einsteht hat mir gut gefallen. Interessant war auch der Einblick in die Gehörlosen-Community und mit welcher Offenherzigkeit diese Ruben in ihrem Kreis empfangen hat. Sehr authentisch, dass hier selbst gehörlose Schauspieler die Rollen übernommen haben. Interessant wird sein, inwieweit dieser Film eine Rolle bei den ganz großen Awards der kommenden Saison spielen wird. Denn sowohl Riz Ahmed, Olivia Cooke und auch das Sounddesign haben meiner Meinung nach auch die Würdigung durch Preise verdient. Und wenn dieser Film auch nach dem Ende der aktuellen kinofreien Zeit doch noch eine Auswertung auf der Leinwand bekommt, dann werde ich ihn mir auch gerne auf der Leinwand nochmal ansehen, damit ich auch im Kinosaal in den Genuss dieser Erfahrung kommen kann – dass damit durchaus sogar noch einen Punkt mehr verdienen könnte. Ein kleines Highlight zum Ende des Jahres.

„Sound of Metal“ - My First Look – 9/10 Punkte.

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