Review
von Leimbacher-Mario
Kampf der Titanen
„The Two Popes“ von „City of God“-Macher Fernando Mereilles gibt’s auf Netflix zu sehen und machte spätestens bei den diesjährigen Oscars auf sich aufmerksam, als doch einige Nominierungen fällig wurden. Ganz besonders natürlich bei den zwei Hauptdarstellern, wie kaum anders zu erwarten war. Vor allem bei Jonathan Pryce war das längst überfällig und da hätte ich mich sogar über einen Sieg nicht aufgeregt - zu lang, stark ist seine Karriere, zu gut, „verschwindend“ in seiner Rolle ist er hier. Wer hier nach noch von einer „Gefallensnominierung“ spricht, dem ist nicht mehr zu helfen! Der etwas theaterartige, nicht kurze und dennoch enorm unterhaltsame Film erzählt von einem (teilweise fiktiven, teilweise dokumentierten) Treffen zwischen den zwei letzten, extrem unterschiedlichen Päpsten - auf einem Scheideweg für die beiden persönlich wie für das Christentum oder gar die Weltbevölkerung allgemein...
Ich hatte einen guten Film von „The Two Popes“ erwartet - was ich bekam, war aber mehr als das. Viel mehr teilweise gar. Denn Hopkins und Pryce liefern nicht nur ab, sie übertreffen alle eh schon hohen Erwartungen, Ansprüche, Messlatten, schließen beide zu ihren Karrierebestleistungen auf. So gut, hat man Hopkins beispielsweise gefühlt seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr gesehen. Doch Pryce schießt als Kardinal Bergoglio den Vogel ab, wird zum absoluten Sympathieträger. Fast schon zu positiv, modern und gut wird er dargestellt, könnte man sagen. Gerade wenn man sein wahrhaftes Verhalten als Papst, die bis dato noch auf sich warten lassenden Veränderungen betrachtet und im Vergleich zum „bösen alten deutschen konservativen Ratze“. Doch um Konflikte klar hervorzuheben - von der Homosexualiät über den Missbrauchsskandal bis zur Lebensweise und Weltanschauung - geht die Rechnung auf. Die Chemie ist da, Reibung ist da, Gegensätze sind da. Selbst wenn die Themen etwas energischer und noch viel kritischer hätten angesprochen und ausgesprochen werden dürfen. Aber es bleiben nunmal zwei Päpste, zwei Männer katholischen Glaubens, die dann im Endeffekt doch noch glücklich und einig zusammen auf der Couch das Fußball-WM Finale von 2014 (!) gucken können. Gut so! Trotz statischem Kern ist das zweistündige Treffen noch ziemlich toll angereichert durch Mereilles flüssigen und energischen Stil, durchzogen von Rückblenden und Kniffen, von toller musikalischer Auswahl und witzigen Momenten. Zudem setzt er klare Zeichen für ein Brückenbauen statt Mauernziehen, für das gegenseitige Zuhören und Aufeinanderzugehen, für Erneuerung statt Sturheit. Das kann man meiner Meinung nach nicht schlecht reden. Selbst wenn die Kirche, trotz ihres neuen, hier äußerst positiv dargestellten Führers noch immer nicht wirklich vorankommt...
Fazit: verdammt unterhaltsames Treffen zwei Männer, zweier Meinungen, zweier Richtungen - versöhnlich, pfiffig, aktuell und alles andere als nur für Katholiken! Extrem starke Darsteller, was keine Überraschung ist. Noch etwas mehr Mut und (wehtuende) Wahrheit hätten wohl nicht geschadet. Ansonsten: gut bis grandios!