iHaveCNit: Waves (2020)
20.07.2020
Ich glaube ich brauche nicht zu erwähnen, dass mich vieles aus dem Hause A24 immer wieder interessiert und auch begeistern wird. Schade, dass die aktuell weltweit anhaltende Situation kurz vor dem Filmstart im März auch meine Kinos zur Pause gezwungen hat, denn so musste ich auf den neuen Film vom „It Comes At Night“-Regisseur Trey Edward Shults mit dem symbolischen Namen „Waves“ noch ein paar Monate warten. Umso mehr freue ich mich, dass er so kurz nach den Öffnungen nun doch in die Kinos gebracht wird, denn „Waves“ ist mal wieder großartiges Kino geworden.
Tyler führt ein gutes Leben, eine Karriere als Profiringer scheint so gut wie sicher, er hat eine Freundin und eine gute Zukunft wartet auf ihn. Doch der Ehrgeiz und der Leistungsdruck hinterlässt seine Spuren, bis eine schicksalhafte Kette von Ereignissen die gesamte Familie auf eine emotionale Prüfung stellt.
Ich habe gelesen und gehört, dass der Titel des Films nicht unbewusst gewählt wurde. Würde man die komplette Struktur des Films in einem Liniendiagramm einzeichnen und den Graphen beurteilen, könnte man zum Ergebnis kommen, dass sich der Film wie eine Welle anfühlt. Zuerst baut sich die Welle auf bis sie über einen hereinbricht und dann immer langsamer ausläuft. Genau das Gefühl hat sich bei mir auch breit gemacht, denn der Anfang des Films ist sehr dynamisch, schnell, rhythmisch und die schicksalhafte Kette der Ereignisse lässt die Welle und die Dramatik immer schneller ansteigen, bis die Welle bricht, der Film seinen dramatischen Höhepunkt erreicht und dann mit den immer kleiner werdenden Nachwellen der Film sich die ganz ruhige Zeit nimmt, die Welle auslaufen zu lassen, denn diese ist notwendig um zu zeigen, welche Auswirkungen der dramatische Höhepunkt des Films hat und wie dieser von allen Beteiligten verarbeitet wird. Der Film ist in seiner Struktur auch zweigeteilt, in dem er den Fokus ab der zweiten Hälfte auf einen anderen Charakter legt. Regisseur Trey Edward Shults schafft es spielend, sowohl Familiendrama, ein wenig „Coming-Of-Age“ und auch Liebesfilm sowie Roadmovie zu kombinieren und eine große Bandbreite an Emotionen von Wut, Trauer und Liebe zu bedienen. Inszenatorisch bietet der Film auf der visuellen Seite eine großartige Kameraarbeit von Drew Daniels und auch der Soundtrack von Trent Reznor und Atticus Ross ist genau wie die gewählten Songs großartig auf den Film abgestimmt. Die Kamera hat auch etwas von Terrence Malick und ein Teil der optischen Spielereien hat mich auch an Barry Jenkins Moonlight erinnert. Natürlich gehört auch zu diesem Film das großartige Ensemble um die 4 Darsteller der Familie, angefangen bei Kelvin Harrison Jr, Taylor Russell, Renee Elise Goldsberry und Sterling K. Brown sowie auch zwei wichtige weitere Charaktere, die von Alexa Demie und Lucas Hedges gespielt werden. Während Demie mir bereits positiv in Mid90s aufgefallen ist, muss ich sagen, dass mir Hedges mit seiner Rollen- und Filmauswahl in den letzten Jahren immer wieder gut gefällt und ich ihm eine großartige Zukunft wünsche. Da ich auch nach langer Zeit einfach mal wieder die innere Lust verspüre, einem Film meine Höchstwertung zu geben, zögere ich hier nicht lange und da hat A24 es mal wieder bei mir geschafft.
„Waves“ - My First Look – 10/10 Punkte