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Bei einer Hochzeit lernen sich zwei junge Leute kennen, die sich auf einem Friedhof ein Schäferstündchen in einer Gruft gönnen. Als die Nacht hereinbricht stellen sie fest, dass sie den Ausgang des Friedhofs nicht mehr finden, mehr und mehr sehen sie sich, zunächst von ihrer morbiden Phantasie dorthin verschlagen, in einer Nacht des Grauens wieder, bis ihre Nerven blank liegen. Mit dieser minimalistischen Story erzählt Jean Rollin von der Todessehnsucht und der Schönheit des Vergänglichen, oft und ausgiebig werden dagegen die Symbole des Christentums mit Füßen getreten, pietätlos geben sich die Beatniks auf dem Friedhof. Dabei schöpft dieses Frühwerk des exzentrischen Filmers aus der guten Performance der beiden unbekannten Darsteller, die auch innerhalb des Plots fast allein gelassen werden, auf dem verhängnisvollen Friedhof scheint die Rettung nie nahe. Auf horrortypische Attribute wie Geister, Untote usw. verzichtet dieser bemerkenswerte Film und beschert einen unheimlichen Psychothriller der ungewöhnlichen Art, Gorehounds brauchen daran keine Sekunde zu verschwenden. Einige dürfte die theatralische Philosophie sowie die Tatsache, dass relativ wenig passiert, etwas stören, wer sich auf überhöhte, surreale Bilder und exzellente Atmosphäre einlassen kann, bekommt einen großartigen Film zu sehen. Erotisch-morbide Phantasien mit Liebesszenen inmitten den Gebeinen Toter und beiläufige Grabschändungen dürften 1973 nicht gerade ein Aushängeschild für die Kinos gewesen sein. In stimmungsvollen Bildern erzählt Rollin vom Leben und vom Tod, in nur einer Nacht schwelgen die beiden Protagonisten zwischen den Welten. Die wirken zunächst noch etwas hölzern, werden allerdings im Laufe der Zeit deutlich besser und verständlicher, Dramatik, Nachdenklichkeit und auch Aggressionen sowie Zuneigungen sind blendend herübergebracht. Mit konventionellen Gruselfilmen, wie sie damals die Hammerstudios produzierten, hat das nichts zu tun, diese Perle ist das Gedicht, welches Jess Franco nie drehte. Ein dichter Gothic-Grusler mit all den typischen Elementen im ursprünglichen, romantischen Sinne, die üblichen Klischeefiguren wie z.B. der Vampir finden sich hier nur kurz angedeutet, eher metaphorisch als handlungsrelevant. Gerade die Quintessenz, die die Sichtweise derer über und unter der Erde betrachtet, ist in ihrer absurden Art etwas Besonderes. Begleitet wird das Ganze von einem wunderbaren, wohldosierten Score, oftmals herrscht jedoch schlicht bedrückende Stille. Der französische Charme der beiden Darsteller geht bei der ansonsten annehmbaren deutschen Synchro leider etwas unter.

Fazit: Gothic-Grusel, wie er sein sollte, über die friedliche Unterwelt und das zerstörerische Leben. Ein ungewöhnliches, morbides Werk Rollins, einer seiner besten Filme. 7/10 Punkten

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