iHaveCNit: Auf der Couch in Tunis (2020)
05.08.2020
Zeit für eine kleine Therapiesitzung im Kino. Eingeladen hatten hier die Regisseurin Manele Labidi und die iranische Schauspielerin Golshifteh Farahani mit ihrem Film „Auf der Couch in Tunis“. Die Therapiesitzung selbst war sehr charmant und amüsant, aber auch ein wenig oberflächlich und handzahm.
Selma kehrt nach ihrem Psychologiestudium kurz nach der tunesischen Revolution in die Heimat zurück um dort eine eigene Praxis zu eröffnen. Doch sie muss schnell feststellen, dass viele Hürden auf soziokultureller, religiöser und auch bürokratischer Seite zu nehmen sind.
Man spürt sehr viel Herzblut in diesem Film, der sehr gut, scharf und authentisch die soziokulturellen, religiösen und bürokratischen Gegebenheiten der tunesischen Gesellschaft zum Zeitpunkt nach der tunesischen Revolution darstellt. Dabei wirft uns die Regisseurin Labidi erstmal wie einen Fisch ins Wasser, der sich Schritt für Schritt an die Gegebenheiten rantastet. Hierfür verfolgen wir die von Golshifteh Farahani großartig gespielte Selma, die anhand vieler kleiner, ambivalenter und skurriler Nebencharaktere viel von den gesellschaftlichen und individuellen psychologischen Problemen kennenlernt. Dabei muss ich aber feststellen, dass die relativ kurze Laufzeit des Films und die Vielzahl an Charakteren und Nebenschauplätzen dazu führt, dass der Film viele Themen nur oberflächlich und etwas handzahm anreißt und der Film auch gerne hätte länger sein können um dem ganzen den notwendigen Raum zu geben.
„Auf der Couch in Tunis“ - My First Look – 7/10 Punkte.