Review

Futurphantome oder Weltraumschrott?


In dieser kanadischen Horror-Sci-Fi-Anthologie (!) wird eine ganze Reihe an kurzen Filmen aus dunklen Zukunftswelten aneinandergereiht, sodass ein grauer, aber dennoch irgendwie bunter Mix entsteht. Von klassischen Dystopien über Cybergruselpunk und Lost In Space bis zu Untergrundparties - ganze acht (!) Stories (plus Rahmenhandlung) voller Alptraumfutter aus Kabeln, Bytes und Cyborgs. Warum der ungewöhnliche Omnibuscocktail im Wust der Genreanthologien dennoch untergegangen sein könnte? Und warum die ein oder andere Episode dennoch absolut nachholenswert ist, ich schon gierig mehr davon gucken würde? 

WRAPAROUND
4,5/10
Ein Mann in einer Art Cybersarg wird den folgenden Kurzfilmen ausgesetzte und weiß das Passwort nicht, um aus diesem Alptraum bzw. seinen überschaubaren vier Wänden auszubrechen...
Erinnert natürlich etwas an „Oxygen“ und simpler geht eine Rahmenhandlung für ein derartiges Projekt kaum. Aber das Ende sitzt. Ist jedoch eigentlich klar und nicht anders erwartet. Minimalistisch. Hätte man vielleicht nicht unbedingt gebraucht. Trotzdem ein okayer Kit. 

EDEN
5,5/10
Amerika als verfeindetes „Eden“ zwischen Dystopie und kompletter Apokalypse, zwischen Verseuchung und Attentat auf den „Präsidenten“...
Coole Bilder, (über)ambitionierte Prämisse - jedoch etwas wirr und gefühlt ein zu kleiner Ausschnitt. Dennoch: das Thema und die Atmosphäre der Anthologie exzellent treffend und alles einläutend. 

IRIS
8/10
Beim Verbuddeln einer Frauenleiche wird die futuristische K.I. auf dem Handy nicht gerade zur Hilfe...
Mein kleines Highlight. Augenzwinkernd zwischen „Black Mirror“ und einem Witz. Mit gelungener Pointe. Knackig und treffend. 

FLESH COMPUTER
7/10
Ein „Computer“ zwischen Fleisch und Elektrizität, zwischen Lust und Ekel, zwischen Sex und Last...
Cronenberg lässt grüßen. Fleischig und saftig. Stylisch und fies. Jedoch wird man das Gefühl nicht los, dass hier mehr drin gewesen wäre. 

PATHOS
8/10
Zwischen „Der Schacht“ und „Cube“ verliert ein Mann seine Sinne in einem alptraumhaften Raum aus Eisen, Konsum und Kontrolle...
Enorm bedrückend und krass. Erinnert an „Brazil“ und „Perfect Sense“. Wie viele Episoden erstaunlich guter Look und hohes Produktionsvermögen. Zumindest scheint es so. Toller italienischer Beitrag. 

EVELESS
6/10
In einer Zukunft ohne Frauen bekommen zwei Männer ein Kind - oder sie versuchen es zumindest...
Two-Trick-Pony. Aber man(n) fühlt die Schmerzensschreie. Und der Schluss ist sehr dunkel.
 
THEY WILL ALL DIE IN SPACE
6/10
Ein Ingenieure wird aus dem Tiefschlaf im All geweckt um das herumirrende Raumschiff zu reparieren - aber die Wahrheit ist noch wesentlich grimmiger als sich das Szenario zuerst darstellt...
„Alien“ trifft „Passengers“. Das All in schwarz-weiß ist schon enorm atmosphärisch. Die Geschichte, wenn man es denn so nennen will, ist aber kaum der Rede wert und passt auf jeden Pappdeckel, lockt kaum hinter'm Ofen hervor. 

ENTITY
7/10
Nachdem ihre Raumstation explodiert, trudelt eine immer panischer werdende Astronautin durch's All - doch ein mysteriöser Nebel aus Sternen und Wünschen hat ein Auge auf sie geworfen. Rettung oder endgültiges Ende?
„Gravity“ trifft „2001“ und ein Schuss „Event Horizon“. Krasser letzter Shot. Sehr sphärisch und simpel. Aber wirksam. 

KINGZ
6/10
Zwei Kleinganoven werden in einem Nachtclub bei einem eigentlich simplen Ding von düsteren Gestalten und bissigen Kräften vor eine Herausforderung gestellt...
Der deutsche Beitrag (mit Olli Banjo und Bela B.!) erinnert eher an „From Dusk Till Dawn“ oder „Blade“ und hat arg wenig bis gar kein Sci-Fi. Aber seine Sache macht er dennoch akzeptabel. Mehr als das. Passt meiner Meinung nach nur nicht ganz ins Bild. Erst recht nicht als Rauswerfer. 

Fazit: erstaunlich kohärente und doch vielseitige All(erlei)-Anthologie ohne allzu großen Ausfälle und mit viel düsteren Früchten. Gefällt mir. Kurzweilig. (7/10)

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