Review

Originell wird ja nicht mehr wirklich groß geschrieben, aber manchmal genügt mir schon „anders“ als rechtschaffender Grund einen Film trotz gewisser Mängel zu konsumieren und „Sea Fever“, eine aus fünf Ländern zusammen gebastelte Co-Produktion liefert insofern, als dass man sich auch am nächsten Tag noch daran erinnert.

Die eher isoliert arbeitende und menschenscheue Siobhan wird hier genötigt, ihre Praktikumsarbeit zu Meeresorganismen und ihrer Entwicklung doch mal vor Ort zu entwerfen und heuert – man glaubt es kaum – auf einem Seelenverkäufer von irischem Schiffstrawler an, der mit einer bunten Besatzung aufwarten kann, die den Laden halbwegs am Laufen hält.
Das alles wird infrage gestellt, als der Steuermann heimlich die Mühle in eine Sperrzone lenkt, weil man sich aus monetären Gründen nur mit einem Superfang über Wasser halten kann. Schon bald hat man jedoch einen ungewollten Besucher am Arsch/Rumpf, dessen Lebensumstände alsbald zur allgemeinen Lebensgefahr gereichen.

Eine wunderbare Story, bei der „impending doom“ ständig im Hintergrund durchs Bild getragen wird und spätestens die Hosen fallen, als man in einer Zone, die man schon fast mit der mystischen Sargasso-See gleichsetzen kann, auf ein russisches Schiff trifft, auf dem ein Massaker stattgefunden hat. Die Untersuchungen am eigenen Schiff, erst innen, dann zunehmend außen, dann im Wasser und dann am lebenden Objekt laufen auch zunehmend unerfreulich bis tödlich – und so kann Neasa Hardiman bei 88 Nettominuten schnell einen unheimlichen Druck aufbauen, der den Zuschauer bei der Stange hält, sobald man mit den sperrigen Figuren klar kommt.

Das Thema – und damit das „Monster“ sind dann eher untypisch und rückt den Film mehr in die Richtung Katasttrophen- oder Seuchenthriller, wobei stets auch darauf geachtet, dass für die Freunde des Rumsuppens mit allerlei Flüssigkeiten ordentlich Eek-Faktor rumkommt. Knorke allein, dass Siobhan, wie die meisten an Bord gläubige irische Katholiken, für ein verfrühtes Ausklinken sorgt, als sich unter ihrer Allwettermütze ein Schopf roter Haare findet. Ein Wunder, dass in diesem Land dann überhaupt jemand fischen kann.

Parallelen zu „Alien“ oder „Life“ finden sich überall, aber nirgendwo wird dreist geklaut und dass der Angreifer gar nicht böse ist, sondern einfach nur „existiert“ gibt dem Film eine tragische Komponente, nach deren Konsum man sich verdreckt und ölig fühlt und stetig wie in der Schluss-Halben-Stunde des „Weißen Hai“.
Spröde, kantig, dreckig und abgründig, ein schöner kleiner B-Film, der den virtuellen Videothekenbestand in der Horror-Ecke mal etwas retro aufwertet. (7/10)

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