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Man stelle sich vor, man steht mit dem Auto vor einer Ampel, ein Cop klopft ans Fenster und kurz darauf bist du tot. So geschehen in „Maniac Cop“, dem Regisseur William Lustig eine gelungene Mischung aus Slasher und Polizeikrimi beschert.

Das Gesicht des unbekannten Killers in Polizeiuniform ist lange Zeit nicht zu sehen. Nachts bewegt er sich durch die schäbigen Flecken von New York und ermordet unschuldige Menschen. Polizist McCrae (Tom Atkins) vermutet schnell einen Mann aus den eigenen Reihen und ist kurz darauf einem Totgeglaubten auf der Spur.

Ein stimmungsvoll düsteres Bild vom nächtlichen New York liefert Lustig hier ab. Nicht die glitzernden Einkaufsstraßen oder Wohngegenden der Oberklasse, sondern dreckige Ecken, verwinkelte, schmale Gassen mit abstoßender Hinterhofatmosphäre.
Der abwechslungsreiche Score unterstützt diesen Eindruck immens und lässt die Bilder fast wie einen dreckigen Krimi aus den 70ern wirken.

Überhaupt kommt die Handlung eher wie ein Krimi daher, denn als handfester Slasher.
Geslasht und erdrosselt wird nur im ersten Drittel, ein wenig blutig, aber nicht allzu explizit.
Im Verlauf geht es vielmehr um die Identität des Killers, einen falschen Verdächtigen (Bruce Campbell), den leicht überzeichneten Bürgermeister, der schuld an der Misere des Rachecops ist und insgesamt ziemlich viel Detektivarbeit.
Was aber nicht unbedingt schlecht sein muss, auch wenn sich zahlreiche Plotlöcher einschleichen. Denn McCrae kommt des Rätsels Lösung ziemlich schnell auf die Spur, ein ehemaliger Cop, der zur Strafe in Sing Sing absitzen sollte, dort von den Knastbrüdern fast getötet wurde und mithilfe einer Polizistin und eines Arztes entkommen konnte.
Warum dieser Ex-Cop, Cordell, nahezu unkaputtbar ist, bleibt schleierhaft.
Zumindest machen ihm zwei gezielte Kopfschüsse nichts aus.

Interessant ist aber die Grundidee, einen bösen Cop durch eine Großstadt zu schicken, so dass die Einwohner irgendwann so verunsichert und schreckhaft reagieren, bis sogar ein unbeteiligter Polizist erschossen wird. An diesem Punkt hätte Lustig ruhig ein wenig mehr in die Tiefe gehen können, Potential, um mit den Ängsten des Zuschauers zu spielen, hat das Sujet auf jeden Fall.

Aber ein bisschen Detektivarbeit mit dem sympathischen Atkins und dem nicht minder gern gesehenen Campbell, dem eigentlichen Helden der Story, ist auch nicht verkehrt.
Zwar entstehen im Mittelteil ein paar kleine Längen, dafür kommt gegen Ende noch ein wenig Action auf, mit einer Verfolgungsjagd und anschließender Landung im Hafenwasser.
Zwar weniger spannend, da der Killer früh seine Identität zugesprochen bekommt, aber im Gesamteindruck doch recht kurzweilig.

„Maniac Cop“ verläuft jedoch nicht so bitterböse, wie der Titel und die vorherigen Arbeiten Lustigs es vielleicht vermuten ließen, auch wenn der Bodycount gegen Ende noch einmal sprunghaft in die Höhe schnellt und ein paar Leichen mehr anzutreffen sind.
Das Erzähltempo ist ordentlich, die Darsteller allesamt zufrieden stellend oder besser, und das Klischee, dass scheinbar sämtliche Polizisten nur Partner aus dem eigenen Berufsstand bevorzugen, wird hier einmal mehr überaus deutlich.

So bleibt ein annehmbarer Copthriller mit ein paar Slasherelementen, einer dreckig, düsteren Atmosphäre und sympathischen Figuren.
Nicht Lustigs größter Wurf, aber recht sauber inszenierte Unterhaltung für zwischendurch.
6,5 von 10

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