Nach US-Regisseur William Lustigs fulminantem Non-Porno-Regiedebüt „Maniac“ aus dem Jahre 1980 legte er zwei Jahre später mit „Vigilante“ einen sehr eigenartigen Selbstjustiz-Actioner nach. Daraufhin vergingen satte sechs Jahre, bis Lustig wieder als Regisseur in Erscheinung trat: „Maniac Cop“ lautete das Ergebnis; ein im Polizei-Milieu angesiedelter, actionreicher Slasher, geschrieben von Larry Cohen („Die Wiege des Bösen“).
In New York treibt ein brutaler Serienmörder sein Unwesen. Dass er dabei eine Polizeiuniform trägt, verschärft das Misstrauen der Bürger in die Gesetzeshüter. Diese wiederum sind ratlos, bis der Verdacht auf ihren Kollegen Jack Forrest (Bruce Campbell, „Tanz der Teufel“) fällt. Dieser jedoch beteuert seine Unschuld und tatsächlich führt die Spur zu einem ehemaligen Cop (Robert Z'Dar, „Cherry 2000“), der eigentlich längst tot sein sollte…
William Lustig zeichnet einmal mehr ein nicht sonderlich einladendes Bild der New Yorker Metropole; schon gar nicht, wenn er direkt zu Beginn zwei Straßenräuber auf eine wehrhafte junge Dame treffen lässt, die im Anschluss keine Hilfe von der Polizei zu erwarten hat, da der unbekannte „Maniac Cop“ ihr kurzerhand den Hals umdreht. Ein weiteres Opfer wird in feuchten Zement gedrückt. Panik und Paranoia machen sich unter der Bevölkerung breit. Eine deftige Szene zeigt, wie aufgrund der Vorfälle ein unschuldiger Polizist von einem verängstigten Bürger erschossen wird. Der Film bettet seine brutalen Morde in eine nachvollziehbare Atmosphäre der Verunsicherung und des Wahns.
Fortan konzentriert sich Lustig auf Jack Forrest, der vorgibt, ständig Überstunden machen zu müssen, jedoch mit einer misstrauischen Frau (Victoria Catlin, „Ghoulies“) gesegnet ist. Schon bald wird diese mit anonymen Anrufen belästigt („Warum bringt Jack all die Menschen um?!“). Schnell stellt sich heraus: Jack geht fremd, was er aus verständlichen Gründen möglichst geheim halten möchte. Als auch seine Frau dem Killer zum Opfer fällt, wird er verhaftet und muss darum kämpfen, seine Unschuld zu beweisen. Die Kombination aus einem unschuldig Verhafteten und der aufgekratzten Stimmung der Bevölkerung, die sich u.a. im Fernsehen polizeikritisch äußert, versieht „Maniac Cop“ mit Versatzstücken aus dem Polizei-Krimi/-Thriller-Bereich, bleibt dabei jedoch oberflächlich und überwiegend der emotionalen Ebene verhaftet. Als der Killer in Uniform, dessen Gesicht bisher stets verborgen blieb, eine verdeckte Ermittlerin angreift, wird er angeschossen, zeigt aber keinerlei Reaktion. Dies ist der erste deutliche Hinweis darauf, dass es sich bei ihm um kein „normales“ menschliches Wesen handeln kann, womit Lustig und Cohen jegliche Realitätsebene verlassen und sich nun vollends dem Phantastischen verschreiben. Leider entwickelt der Film zwischen den Morden nunmehr kaum Spannung, hat dafür aber schöne, atmosphärische Nachtaufnahmen der Großstadt zu bieten.
Nach 45 Minuten erfährt der Zuschauer durch eine Unterhaltung zwischen einer humpelnden Bullette und dem Killer, dass dieser Matt heißt und laut seines Gegenübers zu weit gehe. Im weiteren Verlauf wird seine Hintergrundgeschichte dann soweit aufgedröselt, dass es sich um den nach brutaler Selbstjustiz im Dienst verurteilten Ex-Cop Cordell handelt. Eine Rückblende zeigt, wie er im Knast umgebracht wurde. Es wird davon schwadroniert, dass er gar nicht ganz tot gewesen sein soll, doch so klasse die Maskenarbeit auch an seinem Gesicht gearbeitet hat, das man nun endlich zu sehen bekommt – was ihn nun unverwundbar und superstark gemacht hat, bleibt unerwähnt und scheint auch kaum jemanden übermäßig zu verwundern. Das hat klaffende Logiklöcher zur Folge, die Lustig in Anbetracht seines offensichtlichen Vorbilds „Halloween“ vielleicht nicht stopfen zu müssen glaubte. Doch wo „Halloween“ unter der Regie eines Carpenters auf jegliche Erklärungen verzichten kann und daraus einen besonderen Reiz zieht, das ultimativ Böse in Menschengestalt in Anlehnung an den „schwarzen Mann“ auf eine Kleinstadt loslässt, wirkt „Maniac Cop“ schlicht unausgegoren und nicht zu Ende gedacht. Ordentliche Actioneinlagen auf dem Polizeirevier und eine rasante Verfolgungsjagd bieten dann noch etwas fürs Auge und den Adrenalinspiegel, bis „Maniac Cop“ mit einem Verweis auf einen kommenden zweiten Teil endet. So bleibt ein origineller, urbaner Slasher in interessantem Umfeld, dem es etwas an Spannung und Figurencharakteristik mangelt und der seine Kritik an Hooligans/Folterknechten/Mördern in Polizeiuniform nur oberflächlich und halbherzig anbringt, dafür aber atmosphärisch und schauspielerisch überzeugen kann und sich so seinen Platz im gehobenen Mittelfeld des Genres sichert.