Sobald ein Name wie Guillermo del Toro als Produzent auftaucht, werden natürlich Erwartungen geschürt, dass Drama und Horror zu einer gelungenen Symbiose geführt werden, die zudem gut aussieht. In gewissen Teilen kann Regisseur Scott Cooper diese Erwartung erfüllen, er verlässt sich jedoch zu sehr auf die Optik und seine namhaften Mimen.
Nach dem abrupt endenden Besuch in einer verwaisten Mine kümmert sich der 12jährige Lucas (Jeremy T. Thomas) um seinen mutierten Vater und den 7jährigen Bruder. Lehrerin Julia (Keri Russell), selbst Opfer familiärer Missstände, spürt eklatante Defizite bei ihrem Schützling. Gemeinsam mit ihrem Bruder Paul (Jesse Plemons), dem lokalen Sheriff, versucht sie die Ursachen für das merkwürdige Verhalten des Jungen zu ergründen…
Cooper gelingt es rasch, eine zeitlose und triste Atmosphäre zu kreieren. Das ländliche, in herbstliche Farben getauchte Oregon ist nicht gerade ein Schauplatz aufblühender Lebensfreude. Und es gibt innerhalb der überschaubaren Figurenkonstellation ausschließlich Problemkinder. Mit recht kurzen Flashbacks wird eine traumatisierende Hintergrundgeschichte um Julia aufgebaut, während die Geschehnisse um Lucas übernatürlichen Ursprungs zu sein scheinen.
Es ergibt sich eine Parabel auf familiäre Missstände, die in weiten Teilen des amerikanischen Hinterlandes stattfinden, in denen Eltern ihre Kinder vernachlässigen und die mit der daraus resultierenden Verantwortung natürlich gnadenlos überfordert sind, wie das Beispiel Lucas, nicht aufgrund zahlreicher morbider Zeichnungen veranschaulicht.
So funktioniert das Treiben als bedrückendes Drama lange Zeit recht gut, wobei der Horror oftmals nur angedeutet wird.
Als Erklärbär fungiert letztlich der legendäre Graham Greene in einer ansonsten zu vernachlässigenden Nebenrolle, um etwas über den Wendigo und seine eventuelle Manifestation beizusteuern. Obgleich das dazugehörige Hirschmonster ganz okay gestaltet ist und zuweilen eine blutige Spur hinterlässt, zündet der Horroranteil nur bedingt, zumal man sich gegen Showdown auf eher ausgetretenen Pfaden bewegt und nebst Schlusspointe nichts Innovatives oder gar Mitfieberndes zustande bringt.
Auf darstellerischer Ebene ist neben den etablierten Gesichtern wie Russell, Plemons und Greene der Jungmime Thomas positiv zu erwähnen, dem man das heftige Schicksal auch körperlich abnimmt. Der sauber abgestimmte Score ergänzt die starken Bilder vom erfahrenen Kameramann Florian Hoffmeister, während die wenigen Effekte überwiegend praktischer Art sind und ebenfalls überzeugen.
Zuweilen lässt sich Cooper recht viel Zeit beim Aufbau der Geschichte und dringt dabei trotzdem nicht bis ins Mark menschlicher Abgründe heran, woraufhin einige Längen entstehen und sich das Vorankommen der Erzählung etwas schleppend gestaltet. Der Horrorbereich kommt bei alledem ein wenig zu kurz, wogegen die Dramenelemente schon aufgrund treffender Bildgestaltung und grundsolider Darstellungen funktionieren.
Alles in allem nicht schlecht, doch ein nachhaltiger Effekt stellt sich nicht ein.
6 von 10