Review

*** SPOILERWARNUNG ***


Eine Reihe grausamer Morde schreckt die Kleinstadt Cispus Falls in Oregon auf. Lehrerin Julie Meadows (Keri Russell), die nach langer Zeit in den Ort zurückgekehrt ist und bei Ihrem Bruder Paul (Jesse Plemons), der auch der Sheriff ist, wohnt, hegt mit der Zeit den Verdacht, dass die Geschehnisse in Zusammenhang mit einem Ihrer Schüler (Jeremy Thomas) stehen.

Der Antagonist, wenn man so will, wird in seiner eigentlichen Form erst spät gezeigt. Das ist nicht verkehrt und so wird „Antlers“ nicht zum reinen creature feature. Generell stürzt sich Regisseur Scott Cooper erst mal auf den Dramateil, angereichert mit Horrorelementen. Denn wenn die Katze, bzw. der Wendigo, erst mal aus dem Sack ist, entzaubert sich der Film auch etwas. Das Wesen aus der Mythologie manch indigener Völker Nordamerikas war schon des Öfteren im Einsatz, es wird demnach hier ein bekanntes Thema variiert.

Etwas mehr Variation hätte ich mir auch im Hinblick auf die Atmosphäre gewünscht. Alles wirkt bleiern schwer, die Figuren gehen zum Lachen in den Keller und von Anfang bis Ende ist alles ziemlich trist. Gefällt mir optisch zwar und es spricht nichts gegen eine ernsthafte Herangehensweise, hier jedoch wirkt sie eintönig, denn die Figuren scheinen sich nur durch eine Seite der Emotionspalette zu charakterisieren. Passt allerdings auch zur Umgebung, wo es scheinbar nichts mehr zu holen gibt und das Leben aus Matsch und Dämmerung besteht. Das Bild ist somit meist kontrastarm, die Kameraarbeit solide und zweckdienlich, Javier Navarretes Score findet passenden Einsatz.
„Antlers“ thematisiert neben dem Mythologischen auch den realen Horror des Missbrauchs, der der Vergangenheit mancher Charaktere innewohnt, wirkt aber auch unentschlossen. Bei all der Zeit, die sich Cooper nimmt, kommt er den Figuren doch nie so nahe, wie er es ob der angesprochenen Thematik könnte. Da wäre noch mehr zu erforschen gewesen.
Keri Russell und Jesse Plemons in den Hauptrollen spielen souverän, aber vom Drehbuch gebremst, welches nicht vermag, die Figuren mit Emotionen auszustatten. Jungmime Jeremy Thomas macht ebenfalls einen guten Job und Graham Greene darf in einem sehr kurzen Auftritt ein bisschen Nachhilfe in Dämonenkunde geben.
Die Schlusspointe, wenn auch nicht voll ausgespielt, ist recht verbraucht und entlockt wohl kaum einen letzten Schauer.

„Antlers“ wildert thematisch in bekanntem Terrain, ergänzt dies mit ehemaliger und aktueller Misshandlung und verpackt alles in triste Bilder. Die bedrückende Stimmung liegt schwer über den anderthalb Stunden, in denen sich Horror und Drama abwechseln. Kein großer Wurf, verschenktes Potential, aber insgesamt ok.

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