iHaveCNit: Wer wir sind und wer wir waren (2021) – William Nicholson – Tobis
Deutscher Kinostart: 29.07.2021
gesehen am 30.07.2021
Arthouse Kinos Frankfurt – Cinema Studio – Reihe 3, Sitz 1 – 20:15 Uhr
Klassisches Darstellerkino vor einer schönen Kulisse stand als nächstes auf meiner Liste. Irgendwann kurz vor der Schließung der Kinos letzten Oktober habe ich den Trailer zu „Wer wir sind und wer wir waren“ im Kino gesehen und seitdem auch ein wenig im Hinterkopf behalten. Nun in einem unglaublich vollgestopften Kinostartwochenende des 29.07.2021 war „Wer wir sind und wer wir waren“ einer der interessanten Filme, die ich mir angesehen habe.
Edward und Grace sind seit knapp 29 Jahren verheiratet und leben an der Südküste Englands im Örtchen „Seaford“. Während er als Geschichtslehrer in seiner Freizeit gerne damit beschäftigt ist, geschichtliche Wikipedia-Einträge auf Fehler zu prüfen, ist sie im Ruhestand und arbeitet an einer großen Anthologie mit Gedichten. Edward hat den Sohnemann Jamie aus London für ein Wochenende eingeladen. An diesem Wochenende offenbart er sowohl seinem Jamie als auch Grace, dass er sich in eine andere Frau verliebt ist und aus dem gemeinsamen Haus auszieht. Das führt zu Konflikten, die schon lange Zeit in der Ehe geschwelt haben.
William Nicholson, der Regisseur und Drehbuchautor, inszeniert hier das Ende einer 29-jährigen Ehe als poetisches und intensives Kammerspiel, dass sich nicht nur auf das Haus der Familie, sondern auch auf die malerische Kulisse des Örtchens Seaford an der Südküste Englands mit schönen Kalksandsteindünen, die auf der Kamera so großartig eingefangen worden sind, dass ich für die Zukunft sogar darüber nachdenke, einen entspannenden Urlaub vor Ort zu machen. Im Kern und Fokus des Films steht aber vor allem das sehr gut aufspielende Trio aus Annette Bening, Bill Nighy und Josh O´Connor, die den Film mit Leben füllen. Bei all den intensiven Dialogen über Eheprobleme, die auch mal bedeutungsschwanger mit Poesie und Lyrik unterfüttert und auch mal per Voice-Over unterlegt werden, wirkt der Film stellenweise zu gestelzt und will cleverer sein als er letztendlich wirkt. Des weiteren kommt es durchaus auch mal zu konstruierten Handlungselementen, die etwas forciert wirken – eben weil das zu einem Familiendrama vor dem Hintergrund einer Trennung gehören sollte. Trotz allem hat mir der Film gefallen.
„Wer wir sind und wer wir waren“ - My First Look –7/10 Punkte.