Mittelmäßiges B-Movie-Spätwerk
Casper Van Dien ist das schauspielerische Äquivalent eines musikalischen One Hit Wonders, das trotz Talentlosigkeit und lediglich einer kurzen Sternstunde einfach nicht tot zu kriegen ist. Seit seinem absolut souveränen Auftritt in Paul Verhoevens Sci-Fi Spektakel „Starship Troopers“ hat der Gute in keinem einzigen vernünftigen Film mehr geglänzt und bringt es Anno 2009 trotzdem auf knapp 60 (auf ofdb.de gelistete) Auftritte. „Windfall“, seines Zeichens ein Vertreter jener 2000er Actionfilme, die mindestens sechs Jahre zu spät produziert wurden um auch nur annähernd erfolgreich zu werden und somit bereits 2001 einfach nur mehr fehl am Platz wirkten, ist innerhalb dieses Mikrokosmos noch einer seiner besseren Beiträge. In den 90ern wäre der Streifen vielleicht sogar ein akzeptabler Vertreter der Action-Schmuddel-Ecke vieler Videotheken geworden. In Zeiten besserer Computereffekte und gestiegener Ansprüche des Publikums hat beziehungsweise hatte der Film einen eher schlechten Stand.
Zwei versierte Diebe (Casper Van Dien und Robert -Freddy Krüger- Englund) überfallen am helllichten Tag ein Casino, werden geschnappt und vom alternativ eingestellten Chef nicht nur vor dem Gefängnis bewahrt sondern auch als Verstärkung der hauseigenen Security-Truppe (!!!) eingestellt. Im Zuge eines ausgewachsenen Unwetters - daher der Titel - versucht das restliche Security-Team schließlich das Casino zu überfallen und die beiden bekehrten Diebe versuchen - logischerweise – diesen Raub zu verhindern.
Soweit so bekannt. Sowohl Jean-Claude Van Damme und Dolph Lundgren als auch Chuck Norris und Steven Seagal hätten höchstwahrscheinlich ihre Freude an diesem Skript gehabt und auch Arnold Schwarzenegger und Sylvester Stallone hätten in ihren Niedergangsjahren sicherlich nicht Nein zu einem Rollenangebot in diesem Streifen gesagt. Warum sollte es dann eine kleine Leuchte wie Casper Van Dien ausschlagen? Eben.
„Windfall“ kann durch eine zumindest halbwegs vernünftig ausgearbeitete Story und etliche gut choreographierte Actionszenen überzeugen, scheitert aber an der emotionslosen Darstellung aller Beteiligten - mit Ausnahme des genialen Englund, der es sogar fertig bringt in der Rolle eines abgehalfterten Hawaiihemden tragenden Ex-Ganoven zu glänzen -, an den durchwegs schlechten Effekten, an den langweiligen Dialogen und an einigen völlig unpassenden und aus dem Kontext gerissenen Handlungssträngen. Bezeichnend dafür ist ein, etliche Male im Film auftauchendes, Institut, dessen fetter, barttragender Vertreter die neuesten Berechnungen und Informationen über den kommenden Sturm, Greenpeace-Video-mäßig ins Publikum schmettert und dabei von seiner Assistentin in sinnentleerten Dialogen bewundert und quasi bekniet wird. Diese Szenen stehen selbstverständlich in keinster Weise in Zusammenhang mit dem restlichen Filmgeschehen.
Den bereits erwähnten Actionszenen fehlt es zwar etwas an Explosivität, wenn man sich Genrevertreter wie „Stirb Langsam“ und „Eraser“, oder, um nicht gleich bei den High-Budget-Streifen anzufangen „A better way to die“ in Erinnerung ruft, aber sie sind zumindest in rauen Mengen vorhanden. Schießereien und Verfolgungsjagden fehlen in „Windfall“ nämlich ebenso wenig wie Unwetterkapriolen und (pseudo-)lockere Sprüche.
Fazit
Für einen nostalgischen Filmnachmittag, als Appetizer für weit bessere Produktionen und als Abgesang an das beste Filmjahrzehnt aller Zeiten und einen milchgesichtigen One-Hit-Darsteller reicht „Windfall“ ohne weiteres. Etwas wirklich Besonderes oder gar Spannendes darf man sich aber nicht erwarten.