Ein Blick über den Tellerrand hinaus ist speziell im Subgenre des Dämonenhorrors stets willkommen. So kombiniert Autor und Langfilmdebütant Keith Thomas die Mythologie des Judentums mit Fragen um Schuld und Traumabewältigung und streift anbei politisch brisante Themen.
Yakov (Dave Davis) besucht regelmäßig eine Gruppe von Aussteigern der jüdisch-orthodoxen Gemeinde. Als ihn sein Rabbi anspricht, spontan für eine Totenwache einzuspringen, sagt Yakov aufgrund der guten Bezahlung zu. Neben der an Demenz erkrankten Witwe (Lynn Cohen), scheint es in dem Haus eine weitere Präsenz zu geben…
Für den Verlauf der Geschichte ist es beinahe irrelevant, in welch religiösem Umfeld der Spuk angesiedelt ist. Dennoch ist es interessant, einen vagen Einblick ins streng gläubige Judentum zu erhalten und einem Teil der Gepflogenheiten beizuwohnen. Und grundlegend haftet einer Totenwache auf engem Raum eine unheimliche Note an, was anfangs durchaus für kleinere Schauer sorgt, etwa, als ein Poltern aus dem Obergeschoss tönt oder nach einem kurzen Nickerchen ein unheimlicher Videoausschnitt an Yakovs Mobiltelefon übermittelt wird.
Doch das recht überschaubare Setting birgt, trotz einiger gelungener Spielchen mit vermeintlichen Schatten, das Problem der Eindimensionalität. Viel ereignet sich im Verlauf nicht, Erschreckmomente kündigen sich weit im Vorfeld an und zudem fällt es schwer, mit jemandem mitzufiebern, der aufgrund eines tief sitzenden Traumas ohnehin nur ein Nervenbündel ist und bereits bei der kleinsten Regung zusammenzuckt. Zudem nutzen sich die kargen Räumlichkeiten rasch ab, - im Grunde wartet man von Anfang an darauf, dass sich etwas unterm dem Leichentuch regt.
Die eigentlich unheimliche Komponente ist die Witwe, die scheinbar zu jedem Zeitpunkt unmittelbar auftaucht und kryptische Botschaften vermittelt, wie ihr Mann einst von einem Dämon heimgesucht wurde, welcher nun von Yakov Besitz ergreifen würde. Dennoch stellt sich unterm Strich lediglich die Frage, ob es sich um Wahnvorstellungen aufgrund psychischer Labilität handelt oder tatsächlich eine dämonische Entität umgeht. Obgleich die Auflösung ein wenig von diesem Thema abschweift, kommt es immerhin zu einem runden Abschluss.
Dennoch sind ergreifende Spannungsmomente rar gesät, das Klaustrophobische packt nur bedingt und die politischen Exkurse werden zu lasch behandelt, um emotional aufzuwühlen.
Inszenatorisch und darstellerisch okay, beinhaltet die Geschichte eine zwar ambitionierte, doch letztlich viel zu ruhig erzählte und weitgehend unaufgeregte Herangehensweise, um dauerhaft zu fesseln.
5 von 10