Review

Guns: Feuerwaffen
Akimbo: das gleichzeitige Benutzen gleicher Waffen mit beiden Händen

Und da haben wir schon den Aufhänger dieses Films, erdacht von und als Regisseur umgesetzt durch Jason Lei Howden, eventuell bekannt für sein Debüt „Deathgasm“.
In einem von der Organisation „Skizm“ veranstalteten Deathmatch treten jeweils zwei Parteien gegeneinander an, sich auszulöschen. Das Ganze wird ins live ins Netz gestreamt um die geneigte Meute zu belustigen, Miles Lee Harris (Daniel Radcliffe) ist davon allerdings nicht allzu begeistert. Und in allgemein bekannter Manier postet er demnach fleißig abfällige Kommentare und trollt so vor sich hin. Dies bringt dann recht fix den Admin von Skizm gegen ihn auf, der ihn kurzerhand als nächsten Teilnehmer verpflichtet, wozu Miles flugs an jede Hand eine Knarre geschraubt bekommt.

Weiter braucht man auf die Geschichte nicht eingehen, sollte man einfach auf sich zukommen lassen. Innovationspreise gewinnt die Story sicherlich nicht, bedient sie sich doch ohne Scham aus dem Wühltisch bekannter Versatzstücke. Und so landet man inhaltlich, ästhetisch und inszenatorisch bei einem Bastard aus John Wick, Crank, etwas Trainspotting, Hardcore Henry und ähnlich gelagerten Werken. Wer sich in dieser Riege gut aufgehoben fühlt, darf jedenfalls gerne einen Blick riskieren. Und so unterhaltsam die Chose auch zeitweise daherkommt, sie erreicht nie die Wucht oder den Irrsinn ihrer Vorbilder. Allerdings gibt sich Guns Akimbo sichtlich Mühe, und das kann schon mal honoriert werden. Nicht jeder Spruch zündet zwar, man bewegt sich zwischen netten Anspielungen auf diverses Kulturgut und billigen Zoten, aber letztlich fällt einem doch immer wieder mal der eine oder andere kleine Lacher vor die Füße.
In den knapp 90 Minuten fackelt der Film nicht lange und kann damit durchaus manchen inhaltlichen Leerlauf übertünchen. Das liegt auch an dem spielfreudigen Cast. Mit Radcliffe hat man ja eine bekanntes Gesicht an Bord, und dem blassen Programmiernerd auch ein passendes Gesicht gibt. Samara Weaving (Three Billboards …, Ash vs Evil Dead) als quasi-Gegenspielerin darf schön am Rad drehen. Der Rest, inklusive Ned Dennehy als Schurke, ist ok und ausreichend.
Optisch und musikalisch gibt man sich schnell, schnittig und unterlegt das Geschehen mit diversen Coverversionen bekannter Songs. Oder eben mal Cypress Hill.

Schnell, manchmal witzig und mit ein paar ansehnlich gestylten Sequenzen kann Guns Akimbo durchaus punkten. Als Satire auf die unterhaltungsgeile Streaminggemeinde, Internettrolle und abgestumpfte Netzwelt ist das Werk zwar nur sehr reduziert zu gebrauchen; zu oberflächlich wird das Thema behandelt. Wobei das wohl auch kaum der Hauptgrund der Herstellung war. Und es beschleicht mich generell das Gefühl, dass da mehr drin war. Die Prämisse ist interessant, wird aber nicht ausgereizt und das auf Fortsetzung getrimmte Ende wirkt zu gewollt.
Trotzdem: Als durchaus unterhaltsames Stückwerk diverser Vorbilder hat man anderthalb Stunden aber sicherlich schon mal schlechter investiert.

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