Eine weitere Verfilmung von Henry James Novelle „The Turn of the Screw“, dessen beste Umsetzung „Schloss des Schreckens“ mit Deborah Kerr in der Hauptrolle wohl unerreicht bleiben wird. Während einige Varianten der vergangenen Jahre im Durchschnitt untergingen (die gleichnamige BBC-Verfilmung von 2009, „Dark Places“ von 2006), bleibt die Umsetzung von Musikvideoregisseurin Floria Sigismondi sogar noch weit darunter.
Kindermädchen Kate (Mackenzie Davis) nimmt eine Stelle auf einem einsam gelegenen Landsitz an, um sich um die Waisen Flora (Brooklynn Prince) und Miles (Finn Wolfhard) zu kümmern. Während Miles befremdliche Verhaltensweisen an den Tag legt, plagen Kate merkwürdige Erscheinungen…
Gruselatmosphäre, starke Mimen, schaurige Momente und ein geheimnisvoll anmutender Twist zeichnen die Umsetzung von 1961 aus. All dies fehlt vorliegendem Streifen nahezu komplett. Mit der Hauptfigur Kate, von der man kaum mehr erfährt als eine geistig verwirrte Mutter und eine beste Freundin in einer WG, wird man zu keiner Zeit warm und auch die pädagogischen Bemühungen um die Kinder wirken halbherzig bis distanziert. Lediglich der große Landsitz mit Irrgarten, vielen Staturen und stilvoller Einrichtung schafft eine taugliche Grundlage für schaurige Momente.
Diese bleiben jedoch weitgehend aus, da die Erschreckmomente kaum über knarrende Türen, geisterhafte Erscheinungen am Fenster und mutierte Spiegelbilder hinauskommen. Oder sie werden ohne jeglichen Kontext ins Spiel gebracht, wie nasse Fußspuren von einem unsichtbaren Kind oder eine lebensgroße Modellierung einer Urahnin des Hauses.
Und mittendrin eine Kate, die zunehmend die Nerven verliert, von Alpträumen geplagt wird, jedoch keinen Grund sieht, den Job kurzfristig an den Nagel zu hängen.
Überdies bleiben etwaige Hindergründe äußerst vage. Die Exposition widmet sich kurz Kates Vorgängerin, deren Tagebuch später gefunden wird, während Quint, ein Kerl mit recht negativem Einfluss nur beiläufig erwähnt wird. Die sprunghafte und dadurch leicht verwirrende Erzählweise findet ihren traurigen Höhepunkt zum Finale, welches recht abrupt endet und einige Erklärungen schuldig bleibt. Vor allem, wenn weder die literarische Vorlage, noch eine der zahlreichen Verfilmungen präsent ist.
Ebenfalls recht beliebig wirkt der zeitliche Rahmen der Geschichte, welcher im April 1994 angesiedelt ist, weil soeben das Ableben des Musikers Kurt Cobain in den Nachrichten erwähnt wird. In Bezug auf Kleidung, Technik und sonstige Ausstattung übt das rein gar keinen Einfluss aus.
Auf handwerklicher Ebene kann man Floria Sigismondi kaum Vorwürfe machen, zumal Kamera und Schnitt für einige interessante Perspektivwechsel sorgen und CGI angenehm zurückhaltend eingesetzt werden. Darstellerisch sticht ganz klar Brooklynn Prince als Flora positiv hervor, aber auch Barbara Marten überzeugt als gefühlskalte Haushälterin. Davis schlägt sich zwar wacker, doch trotz passablen Spiels kommt sie kaum gegen das unausgegorene Drehbuch an, das unterm Strich für mehr Langeweile denn Hochspannung sorgt. Die vielleicht unnötigste Verfilmung mit einem genauso unnötig verkomplizierten Showdown, der dem Ganzen annähernd das Genick bricht.
3 von 10