Als Junglehrerin Kate Mandell (Mackenzie Davis) eines Tages das Angebot erhält, als Lehrerin für eine Einzelschülerin auf einen Herrensitz zu ziehen, freut sie sich noch auf eine vielversprechende Stelle. Doch kaum dort angekommen, muß sie sich mit sehr vielen ungewohnten Umständen herumschlagen, auf die sie nicht vorbereitet ist. Die zu betreuende Flora (Brooklynn Prince) ist zwar eine weitgehend altersgemäß natürlich wirkende 7-Jährige, doch scheint das Kind ein dunkles Geheimnis mit sich zu tragen. Kate, die der Kleinen mit Unbefangenheit begegnet, ihren üblichen Lehrplan durchziehen und eine Verbindung zu ihr aufbauen will, wird ein ums andere Mal von der ebenfalls anwesenden, altgedienten Haushälterin Mrs. Grose (Barbara Marten) ausgebremst, die sie auf besondere Gepflogenheiten in dem großen Haus hinweist und beispielsweise festlegt, daß Flora das Anwesen nicht verlassen darf.
Nach wenigen Tagen taucht mit dem etwa 15-jährigen Miles (Finn Wolfhard) Floras älterer Bruder auf, der wegen einer Gewalttat an einem anderen Schüler gerade aus dem Internat geflogen ist. Miles, der sich ziemlich selbstherrlich benimmt (und darin von Mrs. Grose nicht nur nicht gebremst, sondern teilweise geradezu bestärkt wird) stellt für die junge Lehrerin dann ein zunehmendes Problem dar, da sie sein Verhalten nicht akzeptieren kann, dieses aber auch nicht zu sanktionieren wagt. Dazu kommen jede Menge seltsame Schatten und Geräusche, merkwürdige Träume und sonstige Spukerscheinungen, die die junge Großstädterin zunehmend verunsichern...
Mit The Turning hat Regisseurin Floria Sigismondi eine weitere Interpretation des Romans The Turn of the Screw von Henry James abgeliefert, die allerdings nicht so recht zünden will. Zwar werden die wenigen handelnden Personen ausreichend charakterisiert, auch bietet die Location mit abgelegenem, fast unbewohntem Herrensitz inklusive Labyrinth im Park für eine Spukhausgeschichte auch einen passenden Hintergrund, doch wenn die Hauptperson, deren Reaktionen man eine zeitlang durchaus zu folgen vermag, sich immer mehr gefallen läßt, ohne auch nur im Mindesten Konsequenzen zu ziehen, verspielt das Drehbuch auf diese Weise das Interesse des Publikums. Dieser Punkt ist nach spätestens zwei Dritteln des Films erreicht, doch der Plot schleppt sich noch eine zeitlang dahin, um dem Streifen mit einem in jeder Hinsicht unbefriedigenden Ende dann den Rest zu geben.
Die Zutaten für eine spannende Haunted-House-Geschichte wären also vorhanden, gleichwohl die üblichen Genre-Standards wie dunkle Schatten, von allein zuschlagende Türen und per Jump Scares servierte Geisterfratzen nichts wirklich Besonderes darstellen. Das Tagebuch der urplötzlich verschwundenen Vorgängerin von Kate taucht auf, auch wird unterschwellig ein gewisses sexuelles Interesse des pubertierenden Miles an den jungen Lehrerinnen angedeutet, später wird ein wesentlich älterer, einen schlechten Einfluß ausübender und kurz zuvor bei einem Reitunfall verstorbener Bruder in die Geschichte eingeführt, doch trotz dieser und diverser weiterer verstörender Eindrücke stellt sich Kate, deren ab und zu telefonisch konsultierte beste Freundin ihr zur Aufgabe der Stelle und Abreise rät, nicht den sie immer mehr bedrängenden und bedrückenden Umständen.
Fazit: Trotzdem sich Die Besessenen (so der deutsche Titel) zunehmend in eine unbefriedigende Richtung entwickelt und in einem enttäuschenden Finale endet, bleibt der Film ein immerhin über weite Strecken zumindest solide Gruselmomente liefernder Horrorflic, der mit einem besseren Drehbuch durchaus mehr Punkte hätte erreichen können. 4 Punkte.