Als "The Orphan Killer" 2011 auf die Slasher-Fans weltweit losgelassen worden ist, avancierte der kleine, fiese Hardgore-Slasher schnell zu einem Kult-Hit. Hirnlos wie kurzweilig wurde sich in wertiger Optik und unterlegt mit krachendem Metal-Sound durch allerlei menschliches Schlachtvieh gemetzelt, ohne dabei auf die (un)nötige Portion Blasphemie zu verzichten. Geboren war ein kontroverser Splatter-Reißer, der es dann zudem durch geschicktes Marketing auf die Liste der nach §131 StGb (-> Gewaltverherrlichung) bundesweit beschlagnahmten Filme geschafft hat; quasi der Ritterschlag für abseitige Film-Produktionen. Ende gut, alles gut will der geneigte Gorehound meinen.
Nur einer, der konnte kein Ende finden: Matt Farnsworth.
Anstatt es auf sich beruhen zu lassen, hielt der gute Mann es für notwendig, die Geschichte um Marcus Miller, den Orphan Killer (^^), weiterzuspinnen. Da er sich als Regisseur schon mit dem ersten Teil nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert hat, darf man hier natürlich skeptisch sein. Noch mehr Skepsis ist angebracht, wenn man bedenkt, dass dieser Film bereits 2015 fertiggestellt worden ist, aber erst 2019 einen Vertreib gefunden hat. Und endgültig Vorsicht hätte man walten lassen müssen, nachdem man sich den hirnlosen Teaser angesehen hat.
Nicht einmal in die IMDB hat es dieses filmische Spektakel der besonderen Art geschafft; hart, wenn man bedenkt, dass selbst Taubert-Filme mittlerweile ihren festen Platz hier gefunden haben. Es scheint fast so, als würde das Universum die Außenwelt vor diesem Film beschützen wollen.
Aber als Fan derber Kost und als jemand, der im Niveau extrem variabel ist, lässt man sich auch von solch schlechten Vorzeichen nicht per se abhalten. Eine Chance hat schließlich jeder Film verdient und so manches Slasher-B-Movie, das unter schlechten Vorzeichen stand, konnte letztlich doch noch positiv überraschen.
Kurzum: dieser Müll nicht.
Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll. Hier stimmt einfach nichts. Schon die Optik lässt nach wenigen Minuten erahnen, dass das Budget hier entweder verschwindend gering gewesen ist, oder, dass es für Alkohol, Drogen und Prostituierte draufgegangen ist. Die Tatsache, dass sämtliche Darsteller auch genauso agieren, als wären sie entweder betrunken, oder auf Droge, untermauert diese These nur noch.
Bemerkenswert ist weiterhin, dass der Film, der eine Netto-Laufzeit von fast zwei Stunden mitbringt, zu 90% in trostlosen Waldgebieten, oder auf einem verlassenen Industriegebiet spielt. Viel Raum für Abwechslung lässt das nicht unbedingt. Das ist aber sicher das kleinste Problem, dieses filmischen Brechmittels. Schlimmer sind hier eher die ständigen Zeitlupen-Aufnahmen, die nicht nur unpassend sind, sondern der Film künstlich auf eben diese enorme Lauflänge strecken.
Die Story selbst, löchrig, wie es sich für einen Slasher gehört, gibt höchstens Raum für einen Kurzfilm. Mit wahnwitzigen Einfällen, die nach Meinung des Regisseurs Hommage-Charakter haben und den Film zusätzlich auf eine Trash-Ebene heben sollen, schaufelt er dem Film aber bereits nach wenigen Minuten ein tiefes Grab und versenkt ihn in Windeseile vollkommen.
Dumme Einfälle gehören im Horror-, speziell aber im Slasher-Kino zum guten Ton, dagegen sagt prinzipiell niemand etwas, der sich einfach nur gut unterhalten fühlen möchte. Wenn allerdings grober und zusammenhangsloser Unfug willkürlich aneinandergereiht wird und man sich nur noch kopfschüttelnd fragen kann, ob das, was da gerade auf dem Bildschirm passiert tatsächlich so gewollt ist, dann hört es irgendwann auf mit dem Verständnis.
Nicht nur, dass der Film von Anfang an keinerlei Brücke zum Vorgänger schlagen kann und bis auf 1-2 Flashbacks vollkommen allein dasteht, findet auch keinerlei glaubhafte Charakterisierung statt. Schlimmer noch, denn die Figuren handeln willkürlich und ohne jeglichen Sinn. Es ist einfach nur ärgerlich, einer solch erbärmlichen Darstellung beizuwohnen, zudem durchweg alle involvierten Darsteller für die erbrachte Leistung ein Berufsverbot auf Lebenszeit bekommen müssten. Allen voran Diane Foster, die hier derart penetrant nervig und unterirdisch schlecht spielt, dass man sich nur noch wünscht, dass sie den ersten Teil nie überlebt hätte. Man bekommt aber dank der permanenten Fokussierung auf ihre knackigen Rundungen ohnehin den Eindruck, dass sie ohnehin nur deswegen gecastet worden ist. Bei all dem Debakel wäre es auch nicht mehr weiter negativ ins Gewicht gefallen, hätte man sich für eine andere Darstellerin entschieden; viel schlechter hätte diese dann vermutlich auch nicht agieren können.
Sei's drum; der Film ist dumm, aber wer schaut sich schon Splatter-Filme der Story, oder der Darsteller wegen an?!
In diesen Filmen liegt der Fokus, neben halbnackten Mädels, meistens auf explizitem Gemetzel. Und ja, das gibt es auch hier. Nur leider weder in einer Quantität, noch in einer Qualität die Freude macht. Die Effekte sind z.T. durch gut gelöste Handmade-FX vertreten und das ist tatsächlich der einzige Trumpf, den der Film ansatzweise ausspielen kann.
Leider gibt es daneben aber auch ein paar extrem schlechte CGI-Einlagen und etliche Offscreen-Grausamkeiten, welche dem Film klar an nötiger Drastik nehmen. Hinzu kommen diverse Logik- und Anschluss-Fehler während der Kill-Szenen, was mit fortschreitender Laufzeit/Genervtheit nicht unbedingt der positiven Stimmung beiträgt. So bleibt auch hier unterm Strich schiere Ernüchterung.
Im Endeffekt ist „Bound X Blood“ ein in allen Belangen völlig missglücktes Slasher-Projekt, das viel möchte und im Grunde nichts liefert. Selbst der anspruchsloseste Gorebauer wird sich angesichts der geballten Inkompetenz von und hinter der Kamera vor Gram schütteln, denn hier werden am laufenden Band Chancen vertan, eine einigermaßen brauchbare Fortsetzung abzuliefern.
Selbst im Schnellvorlauf bleibt hier ein belangloser wie ärgerlicher Haufen Abfall, den man definitiv meiden sollte; egal, wie sehr man den ersten Teil mochte.
Den Vogel schießt hier aber das gewohnt amateurhafte Ramsch-Label 8-Films ab, das passenderweise die Rechte an diesem Rohrkrepierer erwerben konnte und damit die weltweit einzige Veröffentlichung in Form von drei limitierten Mediabooks auf den Markt erbrochen hat.
Nicht nur, dass der von Berufs-Legastheniker Nando Rohner amateurhaft hingeschluderte Buchteil eine Peinlichkeit für sich darstellt und auch sonst eher als Bilderbuch, denn als Booklet taugt, nein, es wurde zudem auch eine Synchronisation erstellt, die sich der Qualität dieser filmischen Abtreibung hervorragend anpasst und die wohl das schlimmste Synchron-Verbrechen darstellt, das die letzten Jahre verübt worden ist. Selbst Schund-Label wie Great Movies schaffen es nicht, dermaßen stümperhafte Hinterhof-Arbeit abzuliefern.
Wer also in den Genuss des Filmes kommt, sollte diesen dringend im englischen Originalton schauen. Das macht ihn zwar nicht besser, lässt den Zorn über diesen, in allen Belangen lieblos hingeschluderten Dreck aber keine exorbitanten Ausmaße annehmen.
Es bleibt zum Schluss nichts anderes übrig, als vor dem Kauf und/oder dem Ansehen dieser Pestbeule zu warnen. Schaut euch, wenn ihr schon Zeit verschwenden und euch ärgern wollt, lieben den Dreck von Jochen Taubert oder Marcel Walz an; die können zwar auch nichts und liefern zum Teil noch weniger als Farnsworth hier, aber deren Epen sind zumindest meist in knapp über einer Stunde vorbei.
Fazit: Unterirdisch. (0,5/10)