Review

Staffel 1


Der Streaming-Schrecken des Jahres

Gute, pure, harte Horrorserien sind rar - „Marianne“ gehörte 2019 in dieser Kategorie sicher ziemlich weit nach vorne! Im zum Teil wirklich enorm gruseligen Netflix-Smash-Hit aus Frankreich bekommt es eine (noch recht junge) Horror-Roman-Schreiberin mit ihrer Vergangenheit und Kindheit in einem idyllischen Fischerdorf zu tun - und dabei kommt ihr die namensgebende Hexe aus ihren Büchern näher, als ihr und ihren Freunden, Verwandten, geliebten Personen recht sein dürfte, immer mehr verschwimmen Fiktion, Realität und Wahnsinn zu einer höllischen Collage irgendwo zwischen Stephen King, „The Conjuring“, dem damals „neuen französischen Horror-Extremismus“ und einem schweißtreibenden Alptraum... 

Warum „Marianne“ für mich als Horrorheads zu den Must-Sees der Saison gehörte? Und warum es am Ende doch nicht für eine richtig hohe Wertung gereicht hat bzw. was man in der kommenden zweiten Staffel verbessern könnte? 

SCHAURIG SCHÖN:
+ die Atmosphäre ist dicht und zieht sofort in ihren Bann 
+ tolle Darsteller, frische Gesichter 
+ bockstarker Beginn 
+ Marianne kann für schlaflose Nächte sorgen; hat das Zeug zur Ikone 
+ trotz allem Grusel wird der Spaß daran nicht vergessen 
+ extrem hochwertiger Look
+ tolle Kameraarbeit
+ Mireille Herbstmeyer spielt groß und wunderschön-grauenhaft auf!!! 
+ teilweise richtig eklige, haarige, harte Momente 
+ kingschen Vibes sind grandios; europäische Vibes ebenso 
+ vereint das Beste aus dem aktuellen Hollywood-Schauerkasten und europäischem Biss
+ finaler Cliffhanger absehbar aber effektiv 
+ eindringlicher, abwechslungsreicher Score
+ einige famose Gänsehautmomente
+ richtig creepy Erscheinungen im Hintergrund 
+ zum Teil wirksame, clevere und mehr als solide gemachte JumpScares
+ hohes Tempo, kaum echte Längen
+ Anleihen an Klassiker von „The Fog“ bis „Omen“
+ „literarische“ Überblenden süße, passende Idee 
+ keine Folge zu lang
+ satirische Ansätze gelungen, homogen 
+ kein Problem mit Gore und Nacktheit 
+ Hauptfigur mit Ecken und Kanten
+ starke Frauenfiguren
+ „Rückblende“-Folgen mit am besten 
+ nimmt sich schön viel Zeit
+ (alp)traumgleiche Stimmung 
+ metaphorische Hölle bleibt hängen 

TEUFLISCHE TÜCKEN:
— einige Muster, Schocks, Strategien wiederholen sich oft und nutzen sich dann auch ab
— einige Nebenfiguren bleiben blass und kaum genug gezeichnet
— etwas zu hoher Stellenwert von JumpScares
— Finale/Auflösung wirkt nicht nur etwas lahm und zu leicht, sondern auch vorhersehbar
— etwas abfallende Spannungskurve nach grandiosem Beginn 
— nicht alle Darsteller auf Topniveau
— nicht alle Masken und Fratzen komplett gelungen/gruselig
— Emma kann mit ihrer Ego-Art nerven
— zu wenig Abwechslung im Verlauf
— vor allem im späteren Verlauf voller Klischees, Gewohnheit und Abnutzungserscheinungen 
— insgesamt doch etwas zu oberflächlich 
— keine allzu neue Geschichte
— umso mehr von Marianne preisgeben wird, desto mehr schwindet die Angst und Ungewissheit
— manchmal verliert er atmosphärisch und stimmungstechnisch etwas die Balance zwischen Schock und Augenzwinkern 

Fazit: richtig gruselig, richtig toll produziert, richtig europäisch und richtig gut - „Marianne“ ist eine der wenigen Horrorserien, die wirklich Angst machen und sich auch so nennen dürfen. Eine unterhaltsame Mischung aus Schock, Atmosphäre, Kunstfertigkeit und Terror, die in gleichem Maße Alpträume wie Spaß garantiert. Comicartig und definitiv nicht nur für „Anfänger“. Trotz einer schwächeren zweiten Hälfte mit einer Menge Wiederholungen, Leerlauf, Ideenrecycling deutlich ein Streaming-Jahres-Höhepunkt für fortgeschrittene, ausgehungerte, hartgesottene Genrefans! (7,5/10)

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