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"War": Wenn Pflicht auf Verrat trifft – ein stylischer Tanz aus Feuer und Stahl

War ist der Inbegriff des modernen indischen Actionkinos – laut, opulent und technisch auf höchstem Niveau inszeniert. Regisseur Siddharth Anand präsentiert einen visuell atemberaubenden Spionagethriller, der sich an westlichen Blockbustern orientiert, aber dennoch unverkennbar Bollywood bleibt. Der Film lebt von seiner Energie, seinen Schauwerten und vor allem von der elektrisierenden Chemie zwischen Hrithik Roshan und Tiger Shroff, die hier als Mentor und Schüler, später als Gegner, ein intensives Duell aus Kampfkunst, Emotion und Ehre austragen.

Hrithik Roshan dominiert die Leinwand mit charismatischer Präsenz – sein Kabir ist eine Mischung aus Coolness, Intelligenz und innerer Zerrissenheit. Tiger Shroff steht ihm in Sachen Körperbeherrschung und physischer Intensität kaum nach; seine Actionsequenzen sind spektakulär choreografiert und zeigen, warum er als einer der besten Actiondarsteller seiner Generation gilt. Gemeinsam erzeugen sie eine Dynamik, die den Film über seine erzählerischen Schwächen hinaus trägt.

Vaani Kapoor als Naina erhält nur wenig Leinwandzeit, bringt aber eine emotionale Note in den Film, die zwischen all den Explosionen fast verloren geht. Auch Ashutosh Rana liefert als Colonel Luthra eine solide Performance, die den Film erdet, wann immer er droht, sich in seinem Tempo zu verlieren.

Doch es gibt auch Schwächen: Die Handlung ist über weite Strecken vorhersehbar, mit klassischen Wendungen, die geübte Thriller-Fans nicht überraschen werden. Das Drehbuch schwankt zwischen emotionalem Drama und reiner Adrenalinshow, wodurch manche Dialoge klischeehaft wirken. Besonders im Mittelteil verliert der Film erzählerisch an Fokus, während die Action immer weiter eskaliert – ein Fest für die Augen, aber nicht immer für den Verstand.

Trotzdem gelingt es Anand, das Geschehen visuell eindrucksvoll zu gestalten. Die Kameraführung von Benjamin Jasper ist brillant – von atemberaubenden Luftaufnahmen bis zu stylisch inszenierten Nahkämpfen. Jede Szene ist durchkomponiert, jede Bewegung wirkt wie ein choreografierter Tanz aus Gewalt und Eleganz. Der Soundtrack von Vishal–Shekhar sorgt für Tempo, und die Hintergrundmusik verleiht den Actionszenen zusätzliche Wucht.

War funktioniert am besten, wenn es sich auf seine Stärke konzentriert – das Duell zweier Männer, die einander zugleich bewundern und bekämpfen. Es ist ein visuell überwältigender, technisch perfekt umgesetzter Actionfilm, der seine emotionalen Momente manchmal opfert, um den Stil über die Substanz zu stellen.

Am Ende bleibt War ein Paradebeispiel für Hochglanz-Action aus Indien: spektakulär, durchtrainiert, aber nicht ganz so tiefgründig, wie es sein könnte. Ein Film, der mitreißt, aber selten berührt – und dennoch beeindruckt, weil er das Genre in Indien auf ein neues visuelles Niveau hebt.

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