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Seven men from now

Virtuos arrangierter B-Western des Dreamteams Burt Boetticher (Regie) und Randolph Scott (Darsteller), der in seiner narrativen Schlichtheit und zeitlichen Verdichtung Platz für ein zugleich intelligentes und fesselndes Charakterstück schafft. 

Wenn von großen Western-Regisseuren der klassischen Ära die Rede ist, fällt der Name Budd Boetticher eher selten. Das ist schade und sicher v.a. der Tatsache geschuldet, dass seine mehr als ein Dutzend Western fast ausnahmslos schnell und kostengünstig angedreht wurden. Schade vor allem, weil sich unter den vermeintlich zweitklassigen B-Filmen ein paar erstklassige Genre-Beiträge befinden. Ein solches Kleinod ist „Seven Men from Now“ („Der Siebente ist dran“) aus dem Jahr 1956.

Abgedreht in zwei Wochen, mit einer Laufzeit von 78 Minuten, ist Boettichers erste Kollaboration (5 weitere sollten folgen) mit Randolph Scott ein Musterexemplar an narrativer Effizienz und Intelligenz. Die psychologisch ausgefeilten Charaktere sprechen kein Wort zu viel, machen keinerlei unnötige Geste und dennoch sind ihre persönlichen Dilemmata und Motive so klar wie der blaue Himmel über der kargen Felslandschaft im kalifornischen Lone Pine. Jede Einstellung, jede Dialogzeile, jede vollzogene Handlung ist nicht einfach nur auf das Wesentliche reduziert, sondern fokussiert.

Die Geschichte selbst ist simpel. Der ehemalige Sheriff Ben Stride (Scott) jagt eine Bande von Bankräubern, bei deren Überfall auch seine Frau getötet wurde. Unterwegs tut er sich mit dem Siedlerpaar Annie (Gail Russell) und John Greer und den beiden Cowboys Masters (Lee Marvin) und Clete zusammen. Kurz vor dem Zielort Flora Vista Green sich ihre Wege nur um wenig später unter veränderten Vorzeichen wieder zusammen zu führen.

Die wechselseitigen Beziehungen dieses unvermittelt zusammen treffenden Quintetts sind das Herzstück eines klugen Charakterporträts, dem das Western-Setting lediglich als Kulisse dient. Weder Zuschauer noch Handlende wissen zunächst mit wen sie es zu tun haben und werden im Verlauf der Handlung ein ums andere Mal gehörig überrascht. Vor allem Lee Marvin brilliert hier als zwielichtiger Gegenpart zum aufrechten Scott und zeigt ständig neue Facetten seiner lange Zeit schwer einzuordnenden Figur. Boetticher jongliert hier mit so unterschiedlichen Motiven wie sexueller Spannung, Geld-Gier, Rache-Durst sowie dem vermeintlichen Männlichkeitsideal eines (Western-)Helden.

Boetticher entkleidet gewissermaßen den Western bis auf seine nackte Haut und befreit ihn so von jeglicher ideologischer und mythologischer Aufladung. So macht er den Blick frei auf Menschen die in Wort und Tat unbeirrbar ihren Weg gehen, koste es, was es wolle. Der in seiner unbedingten Effizienz fast schon karge Schlussakt führt das Protagonistentrio Stride, Master und Annie Greer jeweils Bestimmungen zu, denen in ihrer unbestreitbaren Logik etwas Anmutiges anhaftet. Nicht viele Western können so etwas für sich verbuchen.

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