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Irgendwann im Lauf des Films stellt Pat Brennan fest, dass dieses kein guter Tag war. Begonnen hat er mit erstklassiger Stimmung auf der Postkutschenstation seines Freundes Jeff, für dessen Sohn er Süßigkeiten aus der Stadt mitbringen sollte. In der Stadt trifft er dann seinen Freund Rintoon, und noch ist alles in Ordnung. Doch eigentlich will Brennan ja einen Zuchtbullen kaufen um eine eigene Ranch aufzubauen. Dafür besucht seinen früheren Arbeitgeber Tenvoorde, der wegen Brennans nicht lange zurückliegender Kündigung immer noch ziemlich verstimmt ist. Brennan soll den Zuchtbullen bekommen, und er kann ihn sogar umsonst bekommen – Wenn er ihn einreitet. Der Wetteinsatz ist Brennans Pferd. Womit Brennan schlussendlich weder einen Bullen noch ein Pferd hat. Als er nur mit seinem Sattel durch die Wüste nach Hause geht trifft er Rintoon wieder, der seinen Chef Mims und dessen frisch Angetraute Doretta in den Nachbarort fährt. Brennan wird mitgenommen, doch an Jeffs Postkutschenstation ist die Reise zu Ende – Drei Gesetzlose warten auf die reguläre Kutsche um diese auszurauben, und nun ist ihnen diese eigentlich wertlose Kutsche untergekommen. Zu dumm, dass schnell klar ist, dass Jeff und sein Sohn tot im Brunnen liegen. Zeugen sind da nicht willkommen, aber Mims will zumindest seine eigene Haut retten: Er erklärt den Banditen, dass sein Schwiegervater der reichste Mann der Region ist, mindestens eine halbe Million Dollar schwer, und dass der Mann für seine Tochter auf jeden Fall ein Lösegeld zahlen wird …

Einer der Banditen, Billy Jack, reitet also mit Mims los, um die Lösegeldforderung zu übergeben, während der Anführer der Drei, Frank Usher, sowie der dritte Bandit, Chinks, mit Brennan und Doretta in die Wüste zu ihrem Unterschlupf reiten. Man wartet auf Billy Jack und Mims, und als klar ist, dass der Schwiegervater tatsächlich zahlen wird, reitet Frank los um das Lösegeld einzusammeln. In der Folge wird auf Frank gewartet. Zurück bleibt eine attraktive Frau. Ein knochenharter Cowboy. Zwei psychopathische Killer. Und die Frage, ob Frank wohl mit dem Geld wiederkommen wird …

Budd Boetticher hat mit seinem Hauptdarsteller Randolph Scott mehrere Western gedreht, die zu den Höhepunkten des Genres zählen. Nicht weil sie, wie John Ford und John Wayne, den glorreichen Kampf rot gegen weiß in grandiose Landschaftsaufnahmen packten. Und auch nicht, weil sie wie Anthony Mann und James Stewart das Böse unter der Sonne in packende Abenteuergeschichten steckten. Sondern weil diese Western, nach der Produktionsfirma als Ranown-Zyklus bekannt, kleine und feine Psychogramme sind, die mit ganz geringen Mitteln in Szene gesetzt wurden, und sich in erster Linie darauf konzentrierten, das Verhältnis jeweils einiger weniger Menschen zu erforschen. Zum Beispiel einer attraktiven Frau, eines knochenharten Cowboys und zweier psychopathischer Killer, die mitten in der Wüste sitzen und darauf warten, dass Frank mit 50.000 Dollar zurückkommen wird, damit der Cowboy und die Lady anschließend erschossen werden. 

Ein Kammerspiel ist UM KOPF UND KRAGEN, und es ist ein psychologisch sehr spannendes und dichtes Kammerspiel geworden. Das liegt vor allem an der Beziehung zwischen Brennan und Frank, dem Cowboy und dem Banditen. Brennan möchte gerne eine Farm aufbauen, und Frank, der zu Brennan zunehmend eine Art Freundschaft versucht aufzubauen, erklärt, dass dies auch schon immer sein Traum war. Auf Brennans Frage, ob die Sache mit dem Banditentum denn der richtige Weg dorthin wäre, schließt der Zuschauer, dass Frank irgendwann in seinem Leben mal eine falsche Abzweigung genommen hat.
Genauso wie Doretta, die ebenfalls irgendwann einmal falsch abgebogen ist, und anschließend in Einsamkeit und einem überharten Elternhaus versauerte. Bis Willard Mims kam, der Doretta zwar niemals liebte, dafür aber an das Geld ihres Vaters wollte. Was Doretta auch schnell klar wurde. Franks Geschichte lernen wir hingegen nicht kennen, aber wahrscheinlich klingt sie ähnlich. Menschen, deren Lebensläufe zersplittern wie brüchiges Holz, und der Ast, an dem sie sich versuchten festzuhalten, war derjenige in Richtung des tödlichen Strudels.

Gerade Frank und Doretta sind diejenigen Personen, die in UM KOPF UND KRAGEN am bemerkenswertesten sind, obwohl doch eigentlich Brennan die Hauptfigur ist. Brennan, der harte Westmann, der immer weiß was zu tun ist, der ein Unglück wie den Verlust seines Pferdes mit stoischem Gleichmut hinnimmt, und der niemals aufgibt. Eigentlich der klassische Held, eine eher eindimensionale Figur, die aus heutiger Sicht geradezu langweilig erscheint. Aber Randolph Scott war ein hervorragender Schauspieler, und er gibt seinem Brennan mit einfachen Mitteln viel Tiefe. Gerade durch die Gespräche mit Frank, in denen viel Nähe entsteht, wird auch aus dem Abziehbild Brennan eine vollwertige Persönlichkeit, was für das starke Drehbuch spricht, wohl aber auch für die Romanvorlage von Elmore Leonard.

Nicht zu vergessen Chink und Billy Jack, die beiden jugendlichen Banditen, deren Lebensläufe kurz erwähnt werden, und bei denen die falsche Abzweigung im System lag. Chink hat seinen ersten Mann mit 12 erschossen – Seinen Vater, nachdem der mit einer Tequilaflasche die Mutter erschlagen hatte. In einigen wenigen Sätzen schildert Boetticher hier ein ganzes grauenhaftes Schicksal, ein Leben in einer Einbahnstraße, und das Ergebnis dieser Entwicklung steht dann da, schaut mit eiskalten Augen auf sein Opfer, und wartet nur darauf, dass endlich das Töten begonnen werden kann. 

Das wirklich Herausragende ist, dass Boetticher für solche Momente keine großangelegten Actionsequenzen benötigt, keine aufwendig modellierten Drehorte und schon gar kein Pathos und Heldengesang. Die Figuren in UM KOPF UND KRAGEN sind Menschen wie Du und Ich, sowohl die Guten wie auch die Bösen. Dadurch entsteht viel Nähe, und daraus wiederum Spannung, und trotzdem ist der Film kein verkopfter Spätwestern, in dem kaputte Figuren sich und den Zuschauer mit endlosen Dialogen an den Rand des Nervenzusammenbruchs bringen. UM KOPF UND KRAGEN ist mit seinen 76 Minuten genau auf den Punkt gebracht, geht geradlinig nach vorne los, und ist ein Western ganz im klassischen Sinne: Harte Männer (und eine mindestens so harte Frau), die sich gegenseitig ans Leder wollen. Geld, Lust, Ehre, Waffen, falsche Entscheidungen … Starkes Kino, das überdeutlich zeigt, dass es nicht immer die ganz großen Einsätze sein müssen, die die besten Filme erzeugen.

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