Review
von Leimbacher-Mario
Ein wunderschöner Cupcake - gefüllt mit Kompost!
Obwohl mir der erste Teil solide bis gut gefallen und einen netten Spin auf eine von Disneys bis dato größten Schurken präsentiert hat, war der Ruf fünf Jahre später nach einer Fortsetzung bei mir (und ehrlich gesagt sicher auch dem Rest der Welt) nicht allzu laut. Dennoch kam letztes Jahr mit „Maleficent: Mistress of Evil“ die Fortsetzung zur gekippten Story über die schwarze, gehörnte Zauberin, Patin von Dornröschen, in der ihr schon längst nicht mehr nur „schlafendes“ Patenkind nun endgültig ihren Traumprinzen heiraten will - wobei sich die neue, kommende Stiefmutter als wesentlich böser, intriganter und gefährlicher entpuppt, als es unsere beflügelte Waldhexe jemals sein könnte...
„Maleficent 2“ sieht spektakulär aus, Kulissen, Effekte, Kostüme, Details, Farben, Schärfe - damn, da kann man nicht meckern, das ist auch abgesehen von den attraktiven Ladies Eyecandy pur. Addiert man dazu noch Frau Jolie in einer ihrer Paraderollen, die ihr noch immer auf den knackigen Leib geschneidert zu sein scheint, im Zwist mit einer ebenfalls ziemlich aufdrehenden, spielfreudigen Frau Pfeiffer, dann könnte man meinen, dass man über eine generische Geschichte, die blass über zwei Stunden gestreckt wird und stellenweise sogar Message und Charakterzüge des Originals ungeschickt unterläuft, schonmal hinwegsehen könnte. Aber ganz so leicht tue ich mich damit nicht. Dazu ist das Drehbuch einfach viel zu uninspiriert und überraschungsarm, außer den zwei genannten Damen wirken alle Figuren entweder nervig oder lahmer als eingeschlafene Füße. Der neue Traumprinz allen voran. Immerhin sind ein paar der Fabelwesen ganz süß, das macht der teure Fantasyfilm sogar besser als beispielsweise die „Fantastischen Tierwesen“-Schlaftabletten. Ansonsten lockt aber auch dieser zweite Auftritt von „Maleficent“ niemanden hinterm Ofen hervor und ich bin heilfroh auf den Gratisstream gewartet zu haben! Trotz aller Fanfaren und Epik, die im Kino natürlich nochmal ganz anders auftrumpfen können, trotz überraschend fieser Angriffe auf ein paar unschuldige, magische Kreaturen oder ganze Völker. Doch der Kern bleibt derselbe - und der ist aufgewärmte Stangenware, die schon gestern vergessen war.
Fazit: audiovisuell über jeden Zweifel erhaben, zudem ist es natürlich fein tolle Schauspielerinnen und Frauen wie Jolie und Pfeiffer bei ihrer Arbeit zuzusehen. Zudem ist der Plan der bösen Königin, nicht weniger als ein magischer Genozid, definitiv brachial düster und für kleinere Zuschauer sogar schlicht verstörend. Aber im Endeffekt reichen diese Versatzstücke und Skizzen einer Geschichte nicht für mehr als ein blasses okay.