In einigen Teilen der USA ist das düstere Gesellschaftsbild geprägt durch das Vorgehen weißer, gewaltbereiter Polizisten gegenüber Schwarzen. Insofern erhält der Titel des Cop-Thrillers von Regisseur Deon Taylor rasch eine sozialkritische Komponente: Black als Zeichen für die afroamerikanischen Zivilisten, Blue als Symbol für die Cops. Wenn schließlich eine schwarze Polizistin zwischen die Fronten gerät, liefert das eine durchaus beklemmende Grundlage.
Seit drei Wochen befindet sich Polizistin Alicia (Naomie Harris) auf Streife in New Orleans.
Ausgestattet mit einer laufenden Bodycam wird sie eines Nachts Zeugin, wie einige Cops einen Drogendealer exekutieren und befindet sich kurz darauf auf der Flucht vor ihren eigenen Kollegen. Doch eine Finte ruft zugleich weitere Dealer aus dem Viertel auf den Plan…
Da die Hauptfigur in gleich mehrerlei Hinsicht mit alltäglichen Aspekten wie Diskriminierung und Rassismus konfrontiert wird und dabei stets den angemessen Ton zu vermitteln versucht, ist Alicia rasch als Sympathieträgerin etabliert. Zumal sie lange Zeit allein auf weiter Flur handelt, denn ihre ehemaligen Freunde aus der Hood haben sich nach Jahren der Abwesenheit komplett distanziert, während beim kompletten Polizeiapparat niemandem zu trauen ist.
Lediglich ein Ladenbesitzer (Tyrese Gibson) greift ihr zögerlich unter die Arme.
Die noch immer vom Hurrikan Katrina gezeichneten Kulissen untermauern die trostlose Stimmung: Verlassene Bruchbuden, ein leer stehendes Kraftwerk, marode Vorgärten und schäbig, enge Gassen bilden den Schauplatz der Hatz rund um die Polizistin. Während im ersten Drittel noch gesellschaftskritische Ansätze dominieren, verlieren sich diese im Verlauf und weichen einem weitgehend vorhersehbar ablaufenden Stoff, dem es unterm Strich an Überraschungen mangelt. Dazu bleibt die Figurenkonstellation zu überschaubar und selbst schwach gezeichnete Nebenfiguren erhalten ihren entsprechenden Einsatz wie aufs vorgefertigte Stichwort.
Dennoch wird die Erzählung straff vorgetragen, es kommt zu einigen Schusswechseln, seltener zu körperlichen Konfrontationen. Die solide Inszenierung offenbart eine angenehme Schnörkellosigkeit, die sich zwischendurch auf die Stärken einiger Darsteller konzentriert, - mit Erfolg, denn Naomie Harris performt mit einnehmender Präsenz, während Frank Grillo als einer der Antagonisten ebenfalls solide abliefert.
Am Ende erhalten Genre-Freunde einen passablen Polizeifilm mit kritischen Untertönen, die der Stoff auf Dauer nicht behaupten kann. Die simple Story wird straight vorgetragen und erhält kaum Ecken und Kanten, dafür punkten über weite Teile die Atmosphäre und das ansprechend flotte Tempo mit gut verteilten Spannungsmomenten.
6,5 von 10